Mit Förster Steines in die Pilze zum "Jamon-Wildschwein-Nahe-Frischling"

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Waldbegehung im nördlichen felkestädtischen Stadtwald mit Förster Frank Steines. „Stellt euch diese Buche als Eiche vor“ erklärte der Meddersheimer, bekannt für seine logische und unkomplizierte Sicht der Dinge und pragmatische Herangehensweise. Steines kennt Flora und Fauna, ökologische und ökonomische Zusammenhänge aus dem Effeff, und er war von Haus aus um keine, noch so komplizierte Antwort, verlegen. Als sich bei einer vertikalen Baumlänge über die Höhe die Geister schieden, hatte er „ruckzuck“ ein rechteckiges Stöckchen parat und erklärte so anhand des „Strahlensatzes“ die Höhe der „Eiche“, die ja in Wirklichkeit eine stramm gewachsene Buche war. Die höhere Mathematik des Strahlensatzes befasst sich mit Streckenverhältnissen und ermöglicht es bei vielen geometrischen Überlegungen, unbekannte Längen zu errechnen. Flugs war er mit seinem Stöckchen verschwunden und rief aus 27 Meter Entfernung: „Hier liegt das Ende der Krone, wenn der Baum gefällt würde“. Dies wollten viele genau wissen und riefen lauthals nach einer Motorsäge, um dieser angewandten Mathematik und der Sache auf den Grund zu gehen.....

Natürlich schwärmte HSV-Koch Frank Steines während der Tour öfter von seinem geliebten „Jamon Iberico“ Hinterschinken, dass einem das Wasser im Mund zusammenlief. Asterix und Obelix ließen grüßen. Diese spanische Delikatesse übertrug er ins Naheland: Gerade jetzt sei aufgrund der üppigen Eichelernte ein „knuspriges Wildschwein-Nahe-Frischling“ mit Waldpilzen eine einzigartige Köstlichkeit, die nach einer strammen, dreistündigen Waldbegehung über vier Kilometer und 200 Meter Höhenunterschied verdienter Lohn für alle gewesen wäre. Übrigens: Wildschweine wurden keine gesichtet, nur ihre Spuren. Die Waldbegehung war angekündigt und stand in der Zeitung, und daher machten sich die Schwarzkittel rar um nicht wirklich die Route ihrer hungrigen Häscher zu kreuzen. Die hätten ernst gemacht.

„Hubertuslust“, 1.200 Meter oberhalb des Kurhauses am Maasberg im nördlichen Stadtwald war Start und Ziel. Es sei ein mystischer und magischer Ort, meinten Stadträte angesichts der dicken Douglasien und jahrhundertealter Bäume. Der städtische Bauhof hat hier eine moderne und funktionierende Schutz- und Wanderhütte gezimmert. Seinerzeit legten auch das Christliche Jugenddorf  (CJD) Odernheim und die Hauptschule Münchwiesen (heute Realschule plus) Hand an. So wird das Terrain oft als „grünes Klassenzimmer“ genutzt, und sind sehr positive Spuren an Hinweistafeln und der Platzgestaltung sichtbar. Forstwirt Achim Dörr hatte für die hungrigen Exkursionsteilnehmer schon früh köstliche Braten ins Feuer geschoben.

Der nördliche Stadtwald mit seiner Nutz-, Erholungs- und Schutzfunktion als ein ökologisch gewachsener gesunder Wald dank 300 Jahre langer Nachhaltigkeitsbewirtschaftung inspizierten Bürger und Stadträte; - der Meddersheimer Förster Frank Steines informierte auf einer Exkursion par exzellent und nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise. Er arbeite gerne da, wo andere Urlaub machen, laute sein Credo, und das farbenprächtige Waldambiente untermauerte dies als ein optischer Augenschmaus.

„Von der Eichel zum Furnierstamm - oder politisch und in Baumgenerationen ausgedrückt: Von Merkel bis Medici“ stimmte der eloquente Amtmann die Teilnehmer ein und konnte jede Frage beantworten. Mehr noch: Wissenswertes vom deutschen Sommermärchen 2006 bis zum Kometen-Superjahr 1811 oder das BAT-Konzept standen auf der Agenda.

Erste Station nach gut 1000 Meter steilem Anstieg und strengem Marsch war der vor sieben Jahren abgeholzte Eichen- und Buchenbestand und die auf 1,2 Hektar eingezäunte Naturverjüngung „Am Kahlenberg“. Während Deutschland das Fußball-Sommermärchen feierte, konnte hier über eine Wertholzversteigerung ein guter Schnitt von 600 Euro je Festmeter, immerhin bei 20 Festmeter je Lkw-Ladung 12.000 Euro erzielt werden. „Wir haben keinen Urwald, sondern einen Kulturwald“, erläuterte Steines, der Mensch müsse schützend eingreifen. Natürliches Problem hier, die Begleitvegetation wie Brombeeren und Birken, Ginster oder Vogelkirschen. Die Eiche sei eine Lichtbaumart, und der Zaun wirke gegen Wildverbiss der zarten Eichenpflänzchen wie eine messerscharfe Abgrenzung. Unterwegs auf den Waldwegen wurde sichtbar, dass ein sehr gutes Eichel- und Bucheckerjahr die Wildschweinpopulation anregt. 2013 sei auch ein phänomenal gutes Pilzjahr gewesen.

Zweiter Haltepunkt ist ein 13 Jahre alter undurchforsteter Bestand, der im Jahre 2000 gepflanzt wurde, als die australischen Sommerspiele in Sydney ausgetragen wurden. Schräg gegenüber sind etwa 50 Eschen von einem „Kolateralschaden“ betroffen, weil Rehböcke die Basthaut ihres Gehörns abgerubbelt und die Rinde beschädigt haben.

Weiter geht es auf dem Eckweiler Weg an Nadelwald oder ganz dicht stehenden jungen Kulturen von Eichenbäumen vorbei zu einer Assimilationsfläche, wo so genannte, 35 Jahre alte prächtige Zukunftsbäume mit einem weißen Ring gezeichnet sind. 1979 als sich die Partei der Grünen gründete und in Bad Sobernheim das erste Innenstadtfest gefeiert wurde, wuchs diese Baumgeneration im Bereich „An der Sauhütte“ heran. Ihr Radius wächst, Wertholz drumherum wird zugunsten der gut 250 „Z“- Bäume gefällt und geerntet. Schräg gegenüber stehen über 100-Jahre alte Buchen und Eichen voll im Saft, sie wurden 1908 gepflanzt, als im sibirischen Tunguska ein Komet Schäden anrichtete und Mainz die 100.000 Einwohnermarke ereichte.

„Wir sind am Limit, was die regionale Brennholzversorgung angeht“, so Steines. Laubholz wird zu 100 Prozent für heimisches Brennholz aufgearbeitet, Nadelholz geht in die Papier-, Spanplatten oder Industrieproduktion. Aus Nußbaum werden um die 250 Festmeter Brennholz geordert, der städtische Bedarf wird überwiegend gewerblich versorgt. Solides, regionales Wirtschaften, verantwortliches Handeln habe für ihn oberste Priorität: Bis sechs Kubikmeter pro Jahr und Hektar ist der Zuwachs, egal wie viele Bäume auf der Fläche stehen. Motor ist die Sonne. Klare Ansage: „Es wird nicht mehr eingeschlagen, als nachwächst“. Zweidrittel wird geerntet, der Rest bleibe im Nährstoffkreislauf und als Kinderstube für Kleinstlebewesen, damit die Waldböden nicht wie vor gut 300 Jahren verarmen. Damals gab es große Not, Holz war Wirtschaftsfaktor (Pottasche, Eisenschmelze, Glasgewinnung) und der Wald erfuhr einen gigantischen Nährstoffentzug: Laub wurde als Strohersatz „gerechelt“, Blätter im Frühjahr „gestrübbt“ und ans Vieh verfüttert.

200 Jahre sind Bäume alt, als unserer Ur-,Ur-,Ur-,Urgroßeltern geboren wurden und Napoleon gen Russland zog, 1811 Wilhelm Bunsen geboren wurde. Weiter ging es zu einer Fläche, wo Frank Steines anhand von alten oder vom Blitz getroffenen Bäumen das BAT-Konzept von Biotopbäumen, Alt- und Totholz von Landesforsten zur nachhaltigen Bewirtschaftung auf drei Säulen, Schutz von Methusalem-Bäumen, Bildung von Biotopbaumgruppen oder der Bildung von Refugien erläuterte. Versuchsflächen wurden in Augenschein genommen, bevor der Weg am ehemaligen Kurhaus „Neues Leben“ parallel zum Ergensborner Graben und dann in Richtung Hubertuslust ging.

Sehr erfreulich: Im 1000 Hektar großen Stadtwald wurden 2012 und 2013 dank stabiler Erlöse jeweils um die 10.000 Euro Deckungsbeiträge (Sprich: plus) erwirtschaftet, Anfragen über 2.500 Festmeter billiges Berennholz von Außerhalb werde negativ beschieden.


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