Berliner Trauben werden in Meddersheim Wein - eine spannende Story

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Fotos unten Textende. Meddersheim / Berlin. 26 Ernteleser für 200 Rebstöcke – auch das war bei der Weinlese in Berlin am 13. Oktober 2015 ein Rekord. 595 Kilogramm dicke, pralle und gesunde Rieslingtrauben mit 76 Grad Öchsle, wie Vorstandsvorsitzender Jürgen Sponheimer, Helmut Weck und Peter Cech von der kreisweit einzigen Winzergenossenschaft Rheingrafenberg bestes Lesegut lobend bewerteten, erreichten zum weiteren Ausbau am Dienstagabend Meddersheim.

Das 25-jährige Bestehen der kommunalen Partnerschaft Schönebergs mit dem Kreis Bad Kreuznach war 1988 Anlass, in Berlin einen Weinberg anzulegen. Der damalige Landrat Hans Schumm und Bezirksbürgermeister Rüdiger Jakesch pflanzten mit der deutschen Weinkönigin Petra Meyer am 11. September 1988 die ersten Riesling-Weinstöcke im Bezirk Schöneberg in der Nähe des Sachsendamms. Dazu wurde eigens in der Gartenarbeitsschule ein Hang aufgeschüttet.

1992 war die erste Traubenlese, der „Jungfernwein“, der von Landrat Schumm den klangvollen Namen „Schöneberger Nahe-Freund“ erhielt, wurde damals in die Bad Kreuznacher Weinbauschule angeliefert. Auf dem Transport nach Berlin wurde der Lieferwagen der Meddersheimer Winzergenossenschaft samt Inhalt vor den Toren der heutigen Bundeshauptstadt gestohlen. Der Transporter tauchte nach Wochen wieder auf, aber sein kostbarer Inhalt blieb verschwunden. Lediglich eine Flasche blieb als Kostprobe des ersten Jahrgangs in der Bad Kreuznacher Kreisverwaltung. Die zweite Ernte wurde nach Meddersheim gebracht und wird bis zum heutigen Tage von Rainer Schönheim ausgebaut. Der Wein wird ausschließlich für repräsentative Zwecke und meist ehrenamtlichen Helfern oder Förderern im Dienste des Allgemeinwohls als besonderes Dankeschön überreicht – und beim Herbstfest des Fördervereins der Berliner Gartenarbeitsschule bei Weinproben kredenzt.

Längst ist es zur Tradition geworden, dass die Nahe-Weinkönigin mit Winzern aus ihrer Heimatgemeinde die Grüne Woche in Berlin besucht und bei dieser Gelegenheit dort fachmännisch den Rebschnitt erledigt. Noch immer sind Reiner Jäck aus Bretzenheim und sein Pendant Rüdiger Jakesch auf Berliner Seite Feuer und Flamme und als „Weinbergsbetreuer“ einer lebendigen kommunalen Partnerschaft mit von der Partie. Beide machen sich schon Gedanken, wie 2017 der 25. „Schöneberger Nahe-Freund“ gebührend gefeiert werden soll. „Unser Wein ragt objektiv unter den Berliner Weinen heraus und ist heiß begehrt“, rühmte Ex-Bezirksbürgermeister Michael Barthel; -ihn kennt und schätzt man auch in der Kunstszene, seit er 2008 im Kirner Gesellschaftshaus seine Exponate ausstellte und über Berlin und die deutsche Geschichte referierte.

Im Laufe der Jahre konnte die Ausbeute unterschiedlicher kaum sein – 2010 war bei „nur“ 140 Kilo und 70 Grad Öchsle der Büttenboden bedeckt. 2009 waren die Bütten beim Rekord von 650 Kilogramm und 80 Grad Öchsle voll, im vergangenen Jahr wurde ein wenig auf genau 500 Kilogramm aufgerundet, und mit 595 Kilogramm überraschte heuer der Ertrag die Experten wegen der langen Trockenheit in diesem Sommer.