Have you ä Päckche Tuwackzu verkloppe? Mit den Amis beim "kotteln" auf Du und Du - Musikrevue gastierte beim TCO: In Otzweiler wurden Erinnerungen an Wirtschaftswunder- und Nachkriegsjahre mit tollen Werbeslogans wach!

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Otzweiler. Die Wirtschaftswunderrevue „Himbeereis und flotter Käfer“ gastierte erneut beim Trampclub in Otzweiler. Ohrwürmer aus den 1950-er und ´60-er Jahren wurden lauthals gesungen und die schönsten und schrägsten Kindheitserinnerungen von ganz tief unten hervorgekramt. Der Krieg war lange vorbei, Wirtschaftswunderjahre füllten die Schaufenster, die diesen Namen verdienten. Eine Zeit, in der es kein Burn-Out gab, die Musik handgemacht und von Menschen gespielt wurde, und Trude Herr sang „Ich will keine Schokolade- ich will lieber einen Mann“.

Seitdem hat sich die Welt kolossal verändert, konstatierten alle, und schwelgten noch lange nach der Nostalgierevue umso mehr in Erinnerungen. Als einige vor über 50 Jahren in der Volksschule Otzweiler im Weihnachtsmärchen als Tannenbäumchen mitspielen durften - Flöte oder ein Instrument spielen konnten meist nur Lehrer und Pfarrer, flächendeckende Musikschulen oder Schulorchester, DSDS oder Song-Contest wie heute gab es nicht. Und Trude Herrs Tafel Schokolade gab es nur eingepackt- zum Geburtstag.

Zwei fünfminütige Werbeblocks anno Dazumal mit „alten Schinken“ erfreuten sich allergrößter Beliebtheit: „Mir gefiel der Hansaplast-Spot am Besten, ich habe mich früher auch oft geschnitten“, dachte die 55-jährige Heike Schmidt aus Sienhachenbach laut nach. Doornkaat, die Spalt-Tablette, Nivea-Creme, „die der Haut zu trinken gibt“, Ajax-Fußbodenreiniger mit Salmiakgeist von Tante Tilly oder das Gesungene „Ei,ei,ei Verpoorten“ sind längst Kult und fallen wie Hengstenberg, der stilecht servierte Underberg oder Uhu schon längst nicht mehr unter die Schleichmittelwerbung, sondern sind Kult. Oder wer sagt schon Kleber, wenn er Uhu meint? Ebenso der kuschelige Bärenmarke Teddy, der Charisma, Herz und Charme und alles hatte, was Kinderherzen und Hausfrauen wünschen. „Von der Dauer her könnte das heute niemand mehr bezahlen“, resümierte Ü 30 TCO-Vorstandsmitglied Bernd Gehres zu den heutigen Sekunden- TV Werbepreisen im vierstelligen Bereich, als seinerzeit der Bär aus dem Allgäu im Milch-Tanklastwagen eine dreiminütige Reise quer durch Deutschland unternahm.

„Die Marken sind alle super. Sie haben uns geprägt und sind zeitlos geblieben“, meinte die Otzweiler Landfrauenvorsitzende Tanja Müller, und der 20 Jahre junge Sascha Köhl, Vorsitzender des Otzweiler Jugendclubs „Eckstübbche e.V“, sah die Musik-Revue zum wiederholten Male. Zu Freddy Quinns Seemannslieder habe er eine besondere Neigung - auch die kleine Maus Suleika, die „Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe“ von Bill Ramsey würde er gerne kennenlernen. Übrigens saß seine Mutter Pia in der ersten Reihe und sang alle Lieder lauthals mit. Wie der 82-jährige Artur Wolf aus Kirn. Beim Anblick der neuen BMW Isetta 600, wo die Tür nach vorne aufging, dachte der jahrzehntelang tätige Kirner Bankkaufmann bei der Kreissparkasse Birkenfeld zurück an seinen unverwüstlichen Ford Taunus 12m. Ohrwürmer von Lolita oder vom Banjo-Boy, wo selbst der Traurigste fröhlich wurde, lagen den Kirner Seniorinnen Marga Fickert (83 Jahre) und Roswitha Wolf (75) im Blut, „da hat es in den Füßen gejuckt“, strahlten sie und freuten sich.

Das professionell agierende Daubacher Musikerehepaar Alexander und Gabriele Russ garnierte quasi wie mit Pralinen ihre brillanten Zitaten und streute Vierzeiler oder die WM Reportage von 1954 ins Repertoire ein: „Dreck macht Speck“ war eine der Stories überschrieben: Als Bub habe er für einen Groschen Bonbons kaufen dürfen. Fünf eingewickelte für je zwei Pfennig oder zehn Fruchtbonbons: „Da waren mir doch zehn lieber“, und es habe ihm auch nix ausgemacht, als der „Vedder“ direkt aus dem Stall vom Kühe melken oder Schweine füttern in den Lebensmittelladen kam, und mit Landduft an den Händen ins große Glas griff und die Zuckersteine einzeln anzählte… „Das gehörte dazu- kostete nix extra“ meinte er. Heute wird Kindern Heuduft, Stall- und Landluft als Therapie ärztlich verordnet, um das Immunsystem, Lunge und Atemwege zu kräftigen.

Für die frühere Verkäuferin im Becherbacher Nachbarschaftsladen und dreifache Mutter der Buben Tobias, Timo und Torben erinnerte sich Marina Neu zurück, wie freizügig gegenüber heute die Alkohol- und Zigarettenwerbung war und wie die Werbeexperten die Käufer „im Fokus und in der Fuchtel hatten“. In den 1950-er und 1960-er Jahren erreichte „Uncle Sam und der American-Way-of-Live“, der Traum von Freiheit und Abenteuer die Dörfer, die Amerikaner brachten Chewing-Gum, Corned Beef und Kakao aufs Land. Da wurde bei riesigen Manövern mit Patronenhülsensammeln im Rückwald Richtung Truppenübungsplatz Baumholder viel Geld verdient, da wurde „gekottelt“, was das Zeug hielt: „Have you a Päckche Tobac zu verkloppe?“- diese Frage machte in Otzweiler die Runde - und nicht selten saßen ältere auf dem Armee-Jeepchen auf und ließen sich mit dem Karch über die Schulter „staatsmännisch zum Rübenacker chauffieren“, wusste Marina Neu über ihren Opa zu berichten. Vom Dreiachs-Armee-Laster herunter wurde Kistenweise die Stange Zigaretten oder die Flasche Whisky Jim Beam für 5 bis 10 D-Mark verhökert.

Kindheitserinnerungen mehrerer Generationen wurden wach, es war humorvoll: Petra Henrich erinnerte sich an ihr Zuhause auf dem Naumburger Hof bei Ginsweiler, als der Fleischbeschauer, der das ganze „Goggomobil-Autoche ausfüllte“, im Winter bei Schnee den Berg nicht hochkam. Dann musste die führerscheinlose Mama Meta lenken und Papa Gustav und der Fleischbeschauer schoben es den Berg hoch. „Die hätten es auch den Berg hoch tragen können“, setzte sie dem noch das i-Tüpfelchen auf.


So war das damals! Von Ahoi Brause über Bravo bis Ei, ei ei Verpoorten...

TCO Trampclub Otzweiler war Gastgeber

Duo Bellevue ging Zuckersteine kaufen

...und spielte "Brumm-ba-ba-ba-ba" - sehr authentisch die Motorbiene