26. August 2016: Türkei am Abgrund- Erdogan kämpft gegen IS und trifft gezielt Kurden - NAZAR BONCUGU: Das Auge Gottes: Glaube? Irrglaube?

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ReingefallenVerlegenNazar Boncugu: Von Tradition und Sitte, Bräuchen und Aberglaube

Um nicht vom wahren Glauben abzukommen, tragen gläubige Menschen seit Urzeiten Liebgewonnenes, Ketten oder Amulette. Es gab auch heilige Bäume, heilige Haine, Zauber oder Mystisches. Der Sauerteig des Brotes wurde auch hierzulande "früher" in unserer Region eingeritzt, Warzen "gebraucht". Alles fauler Zauber? im Vorderen Orient gibt es „Nazar Boncugu“ als Schutz gegen den Bösen Blick.

Andere Länder, andere Sitten: Sollten türkische Familien zusammenstehen, auf dem Basar feilschen, Kaufabsichten hegen und einer schnalzt mit der Zungen unter den Gaumen, dann ist sofort dieses Thema ad acta gelegt. Beendet. Punkt. "Ich habe fertig".

1983 bei einer Israel-Rundreise erklärte Reiseleiter Moshe Luhry unserer Reiseclique von der mittleren Nahe die Bibel: "Seht her!" - sprach er. "An diesen Hängen und Hügeln wird nichts wachsen- erklärte Gott Abraham Frevel und Missetat. Und ihr seht alle- hier wächst nix- hier kann nichts wachsen, weil es in der Bibel steht!"- unterstrich Moshe Luhry ernsthaft. Auf Nachfrage kam hinter der dritten Kurve die Erklärung, dass die schweren Regenwolken von Westen über den berg müssen, sich abregen- um auf der anderen Seite quasi wieder aufzutanken....

Der Begriff Aberglaube wird oft verwendet, wenn abwertend über Glaubensformen und religiöse Praktiken gesprochen wird, die nicht der eigenen Meinung entsprechen. Die Türken sind ein abergläubisches Volk. Oft gebeutelt von Erdbeben, aber heute geeint und stolz auf ihre Geschichte und den Vater aller Türken „Atatürk“. An den Küsten und in Touristengebieten leben wie überall clevere und windige Geschäftsleute und Tagelöhner. So kann es sein, dass das Geld des ersten Geschäftes vor den verdutzten Kunden laut auf den Boden geworfen wird, um sich zu vermehren. Die Menschen im Taurusgebirge oder im anatolischen Hochland sind sehr gastfreundlich. So glauben die Menschen in der Türkei, dass es Unglück bringt, wenn man den Haushalt freitags macht, oder sich die Nägel am Abend zuvor schneidet. Wenn ein Hund bellt, müssen die Hausschuhe umgedreht werden, und wenn man über eine Krankheit spricht, muss auf Holz geklopft werden, um sich selbst gegen Krankheit zu schützen. Von Zeit zu Zeit glüht Weihrauch, um böse Blicke zu entfernen und zu vernichten. Deshalb ist ein unentbehrliches Accessoires in Häusern, Bussen, Autos und in Lastwagen jenes „Nazar Boncugu“. Bei uns als „Auge Gottes“ verkannt, soll es gegen böse Blicke schützen.

Überall im Straßenverkehr begegnet man einem weiteren Wort „Masallah“; - nicht zu verwechseln mit dem israelischen Tafelberg Massada in der judäischen Wüste, oder etwa Inshallah. Masallah heißt etwa auch nicht eine Transport- oder Speditionsfirma, obwohl das Wort auf allen großen TIR-Lkw´s steht: (TIR steht quasi für Transit-International-Routen). Es bedeutet soviel wie „Gott / Allah schütze vor dem Teufel“. Alles war über den irrationalen Verstand hinausgeht, ist schwer zu erklären. Wenn jemand auf eine längere Reise geht, wird oft in der Türkei ein Eimer Wasser hinter ihm hergegossen, weil man glaubt, dass die Reise wie fließendes Wasser reibungslos und leicht verlaufen soll…


Nazar Boncugu Das Auge Gottes

Talisman: Kitsch oder Kunst