Landfrauen und Polizei rütteln auf - Achtung: Reflektoren retten Leben

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Fotos unten. Merxheim. Die Herbstzeit und der triste neblig-graue November bergen Risiken im Straßenverkehr. Herabfallende Blätter und Geäst erhöhen das Unfallrisiko. Auf Einladung der Merxheimer Landfrauen um Vorsitzende Iris Kistner präsentierten die beiden Polizeioberkommissare Jürgen Sohni und Ulrich Kowalski-Hildebrand von der Polizeiinspektion Kirn im Alten Rathaus ihren aktualisierten Präventionsvortrag „Senioren im Straßenverkehr“ und überreichten die Broschüre „Fit und Auto-mobil“ für ältere Menschen und ihre Angehörigen zur Aufrechterhaltung einer sicheren Auto-Mobilität.

Ulrich Kowalski-Hildebrand sagte: „Senioren zählen explizit nicht zu den Hauptverursachern der Verkehrsunfälle“- auch wenn im Dienstbezirk Kirn statistisch die Zahl bei 1101 Unfällen im Jahr 2013 mit Beteiligung von 177 Senioren ein Höchststand bedeute. „Die Polizei will eure Führerscheine nicht- uns liegt am Herzen, wenn Senioren lange und sicher mobil sind“, bekräftigte Sohni. Oft kommen gerade ältere Autofahrer arg in die Bredouille, wie Fotos belegten: Die 84-jährige Autofahrerin, die in Hochstetten-Dhaun Bremse mit Gas verwechselte und ins Schaufenster eines Möbelgeschäftes bretterte, ein Verkehrsteilnehmer der an der Einfahrt Bärenbach die Abfahrt unfreiwillig verpasste und so „parkte“, dass er selbst nicht mehr aus seinem Auto kam, oder kürzlich in Odernheim und Staudernheim, wo Senioren „wegen tiefstehender Sonne“ die rote Ampel nicht erkannten….

Ab Lebensalter 75 steigt das Risiko für Fußgänger rapide an. Beweglichkeit und der Alterungsprozess verlaufen viel früher schleichend – schon ab 40  Jahren lässt das Sehen nach. Gerade jetzt in dieser Jahreszeit verschwimmen Kontraste, nehme die Blendempfindlichkeit zu und die optische Erfassung ab. Der Blickkontakt, das Sehen und gesehen werden, sei das A und O. Aber: „Das Gehör lenkt den Blick“ und im Alter gehen die hohen Töne verloren. Dies erlebten die Einsatzkräfte oft bei Einsatzfahrten, wenn ältere Autofahrer das Martinshorn nicht hören. Ein jährlicher Besuch beim Augen- oder Ohrenarzt sei ratsam und beuge ernsten Krankheiten vor. Zudem beeinträchtige jedes fünfte Medikament das Reaktionsvermögen, Schlafmittel oder Herz-Kreislaufmedikamente wirkten lange nach. Daher der Appell der Experten: „Abstand halten, Geschwindigkeit verringern, Nachfahrten und den Berufsverkehr meiden und abwarten, bis das Streufahrzeug durch ist. Und: Nicht den kürzesten, sondern den sichersten Weg wählen“, sagte Jürgen Sohni. Reflektierende Westen können Leben retten – als er dies bildhaft in Kirn am Fußgängerüberweg August-Bebel-Platz belegte, kam harsche Kritik der Senioren auf, weil dortige Hecken total fehl am Platze und für jeden Verkehrsteilnehmer gefährlich sind.

„Helm rettet Leben“ – Radfahrer und E-Biker sollten mit Helm deutlich Zeichen setzen und beachten, dass bei Letzterem der Bremsweg deutlich länger sei.

Stichwort Kreisel: Die Senioren bemängelten, dass aufgrund „fehlerhaft und in Augenhöhe angebrachter Beschilderung“ Autofahrer oft in der Sicht eingeschränkt und Gelackmeierte sind.

Allgemein gelte, langsam an den Kreises heranfahren, beim Ausfahren als Rechtsabbieger blinken, auch wenn man „gefühlt“ geradeaus fährt. An den Fußgängerfurten Blickkontakt mit querenden Radfahrern oder Fußgängern suchen und ihnen Vorrang beim Überqueren gewähren.

Last but not least ein ganz wichtiger Tipp: „Parkrempler sind kein Bagatelldelikt“ - oft hätten die Beamten auf dem Zettel an der Windschutzscheibe kein Hinweis auf den Verursacher, sondern nur ein falsches Alibi wie „Hallo- ich war`s “ für die beobachteten Zeugen gefunden. Und das kann dann wegen Unfallflucht richtig teuer werden, denn gesehen hat es immer einer, so die Beamten.


Iris Kistner (mitte)

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