In Limbach endet eine 28-jährige Ära -Zeitungszusteller: Ein Job für alle Sinne!

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Kirn. Die ersten Spuren nachts im Schnee, wenn das Dorf noch tief schläft - das erste Vogelgezwitscher vom Gartenrotschwanz, der Lerche oder der Gesang der Nachtigall am frühen Morgen – davon schwärmen neben dem Frühsport alle Zeitungsausträger.

Bei allen möglichen Wind- und Wetterkapriolen, sechs Tage die Woche mitten in der Nacht Zeitungen austragen, das übt eine besondere Faszination aus. Auch in Limbach: Bäckermeister Adolf Preßnick war quasi beruflich „Nachtschwärmer“, und seine Frau Inge betrieb quasi 28 Jahre lang Frühsport. Beide waren verlässliche Zusteller mehrerer Publikationen und zählten zur 600 Mitarbeiter umfassenden Rheinzeitungs- Zeitungausträgergilde zwischen Altenkirchen im Nordosten und Türkismühle im Südwesten. Gerne hätte der 80-jährige weitergemacht, aber das Gehen wird schwerer.

Im Oktober 2010 bekam er in Ochtendung den Goldenen Meisterbrief von der Handwerkskammer Koblenz überreicht. Über 48 Jahre lang stand er in der Backstube. Mit 13 Jahren begann der 1937 in Limbach geborene seine Bäckerlehre bei Sottongs in Meisenheim –noch immer ist er seit Jahrzehnten im Verwaltungsrat der Becherbacher Pfarrei „Maria Himmelfahrt“,  und er wird sich mit seiner Frau Inge künftig der Gartenarbeit und dem Blumen widmen.

„Ich habe es sehr gerne gemacht. Geräuschlos war es die schönste und gesundeste Nebentätigkeit der Welt, was in jeder Hinsicht einen fit hält. Was man da nachts alles mitbekommt…!“ Nur einmal in 28 Jahren hätten fünf Zeitungen gefehlt und nur einmal ist die Posttasche geklaut, und später leer vor Heimweiler gefunden worden, erinnerte sich Ilse Preßnick schmunzelnd im alteingesessenen Kirner Cafe` Schläger in der Bahnhofstraße, wo die legendäre Obstroulade oder der Käse-Kirschkuchen Kult sind, und Erinnerungen zurück an die eigene Schul- oder Berufsschulzeit wachrüttelten, als man sich mit der Freundin noch in einem der acht Kirner Kaffees traf….

Die nahtlose Übernahme im Zustellerwechsel konnte zur Zufriedenheit aller schnell  geregelt werden. Seit dem 2. Januar übernahmen Sigrid und Friedhelm Drusenheimer. Um 2.30 Uhr wurde der Wecker noch vor dem Klingeln von den Frühaufstehern ausgedrückt, neun Grad Minus zeigte das Außen-Thermometer: „Ich habe schon immer großen Respekt vor den Zeitungsträgern gehabt, die Sommer wie Winter prompt die beliebte Tageszeitung an die Haustür bringen. Chapeau!“, sagte Sigrid Drusenheimer. Schon länger hegte sie diesen Gedanken, zumal ihr Mann Friedhelm, bevor er zum Pfleger umschulte und zuletzt die Pro Senioren Residenz in Kirchenbollenbach leitete, eine Zeitlang Briefträger war und auch dessen Vater schon die Zeitung zustellte. Gespannt, winterlich gerüstet und irgendwie ein bisschen Stolz traten „wir unsere neue Herausforderung an und waren erstaunt, wie viel Strecke unser Heimatort zu bieten hat!“, sagte Friedhelm Drusenheimer über den ersten Tag. „Zuverlässigkeit hat oberste Priorität“, unterstrich er, einmal wurden sie im neuen Jahr vom Blitzeis überrascht.

„Früher blieb das Zeitung austragen in der Großfamilie: Die pünktliche, zuverlässige Belieferung und engagierte Betreuung unserer Kunden ist durch den nahtlosen Übergang absolut gewährleistet. Dankeschön!“, freute sich das Kallenfelser Zeitungsurgestein Wolfgang Falinski kurz vor seinem wohlverdienten Ruhestand ebenso wie vom Vertrieb Heike Buch aus Lauschied und der Bezirksinspektor Horst Juchem am meisten.

Zum Bild: Ilse Preßnick (vorne links) übergibt den Zusteller-Stab in Limbach an Sigrid Drusenheimer. Wolfgang Falinski (hinten von links), Horst Juchem, Adolf Preßnick, Friedhelm Drusenheimer und Heike Buch waren`s zufrieden