Schluss mit lustig! Cooles Monzinger Ortsgemeinderats-Dreigestirn fordert in Einwohnerversammlung Mehrheitswahl und "weg mit Parteienproporz!"

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MONZINGEN No.1: Fotos textende: Die Weinbaugemeinde steht vor einem gravierenden Umbau: Nach einer zwingend notwendigen (und fehlenden) Neufassung der Erschließungs- und Beitragssatzung werde künftig der gesamte Ort bis zur B 41 zur einheitlichen Beitragspflicht herangezogen, und es flattern Beitragsbescheide in die Haushalte. Gründe sind marode Straßen, Risse, Absackungen und Flickschusterei, die einen Neuausbau rechtfertigen sowie jahrzehntelanger Sanierungsstau - sprich: Untätigkeit. Starker Tobak.

Auf Empfehlung der Gemeindeordnung folgte nach dem 20 April 2016 die diesjährige Einwohnerversammlung mitte 2017; - zwei Stunden lang legten Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Eckert, Karlheinz Steinbrecher und Heiko Leister den Finger in die Wunde und redeten Tacheles – niemand war im Gemeindehaussaal, der dem Trio 100-prozigen Einsatz. Seriosität und ehrenamtliches Engagement absprach, im Gegenteil! Aber: Gemeindliche und sinnvolle Maßnahmen von Bürgern, beispielsweise Pflasterarbeiten, würden von allen möglichen Stellen torpediert, die Verantwortung hin-und hergeschoben.

„Trotz Transparenzgesetz wird alles komplizierter, aber nicht einfacher und nicht transparent“, bedauerte Eckert und zählte Beispiele bei Auftragsvergaben auf. Er verwahrte sich gegen Schönfärberei: Diese kommunalpolitischen Aussagen, das Ehrenamt brauche das Hauptamt, oder umgekehrt, sei im Kern falsch: „Was würden wir machen, hätten wir Kümmerer Karlheinz Steinbrecher nicht?“, rief er aus, es sei ein Kampf gegen Windmühlen, Kleinkram, gegen Bürokratie, gegen LBM und Ämter, wo man schlichtweg im Ehrenamt an Grenzen stoße, allein gelassen werde und überfordert sei. „Das Ehrenamt ist eine Bürde“, konstatierte das Trio.

Das Fazit war ein einziger Hilfeschrei: „Wir reden seit 20 Jahren –passiert ist nix“ lautete das Resümee bereits nach drei Minuten über den Sachstand Hochwasserschutzkonzept.

Der Kita-Ausbau liege im Argen und sei nach einer so titulierten  „Gefahrverhütungsschau“ mit allen möglichen Amtspersonen frustrierend: „Wir sind auch mitgetippelt – konsequenterweise hätte die Kita längst behördlich geschlossen werden müssen, was da alles kritisiert und jahrelang toleriert wurde und jetzt in Sachen Modernisierung, Brandschutz und Rauchwarnanlage gefordert wird“, sprach das Dorfoberhaupt Klartext.

In diesem Jahr läuft die Monzinger Stadtsanierung aus, „sehr ärgerlich“ seien Maßnahmen von der ADD abgelehnt worden, die Mängel- und Aufgabenliste werde länger. Stichwort kaputtes Rathausdach: Seit Jahren fangen Bütten unter dem Schieferdach den Regen auf – ein Sanierungszuschuss ist grundsätzlich  nicht möglich, über 70.000 Euro bleiben am Gemeindesäckel hängen.

Halbzeit für „OB“ Hans-Jürgen Eckert, der sich bei Amtsantritt als unabhängiger Kandidat die zwingende Sanierung der Festhalle zu einem Mehrzweckgebäude auf sein Wahlversprechen schrieb: „Leider nicht möglich“ klang viel Resignation mit. Wenn der Bestandsschutz entfalle, müsse generalsaniert werden. „Am Ende teurer als ein Neubau?“ - jedenfalls wird das Thema Festhalle „uns über Jahre begleiten“.

„Hilfreich und schön wäre eine Mehrheitswahl – es erscheint uns im Ort nicht nötig, dass Leute auf Listen stehen, oder wenn sie nicht voll wird, mehrfach angekreuzt werden“, sagte Hans-Jürgen Eckert so locker wie verbittert über den Parteienproporz, der im Ort schlichtweg fehl am Platze sei. Schluss mit Schönfärberei. Schön wäre ein lockerer Bürgerempfang.

Rückläufig sei der Fehlbetrag im Haushalt: Der Minderfehlbetrag um 300.000 auf aktuell 100.000 Euro sei mehreren Faktoren und unerledigten Maßnahmen (Bauhof, Feldwege) geschuldet. Positiv dank Elterninitiative und Sponsoren seien die beiden Spielplätze Birkenweg und Sobernheimer Straße fertig – 2.000 Euro kamen von Silke Kaufmann (Mitarbeiterin -RWE/ Innogy) und fast 1000.- Euro erspielte des Lauschieder Orchester. Ein Dankeschön ging an Ratsmann Heiko Leister für die ausgearbeitete Friedhofs- und Gebührensatzung und Marion Gerlach für das Landfrauenengagement auf dem Friedhof.

Bürger-Hohn für eine weitere Baustelle: Die Einsegnungshalle soll barrierefrei werden. Nach Baumkataster und Brückenkataster muss jetzt ein Friedhofskataster geführt werden und nach Rüttelproben alle Grabsteine erfasst werden, was auf viel Unmut und Gelächter stieß – „…wenn man fest und lange genug rüttelt, wird schon etwas umfallen!“, dachten Bürger laut nach und sprachen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen fürs Ehrenamt und Schildbürgern bei Behörden und Amtsstuben.


O.-zapft is. Kerb 2017

Straßen kaputt & gefährlich!