Merxheimer Chöre boten reife Leistung - Jugend & Band überzeugten in MZH

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Fotos unten Textende: Merxheim. Interessant, was man alles auf dem Dachboden findet, auch wenn die Unordnung querbeet an „Hempels unterm Sofa“ erinnert: Vom Bild des Jugendidols Engelbert über Ur-Omas Rezeptebuch bis zum verblichenen Liebhaber-Skelett namens "Harald" war alles dabei - die geliebte Flöte aus Kindertagen kramte Margit Schlarb aus Kirschroth hervor, Bravo-Hefte, Fotos und Beatles-Single-Vinyl-Schallplatten oder glücklich machende Schokolade. Aber was nützt die süßeste Versuchung, ob Quadratisch oder als zarteste Versuchung, wenn anstatt der Schokolade frei nach Trude Herr „Keine Schokolade, sondern lieber ein Mann“ gewünscht wird?

Die Merxheimer Chöre um ihre Leiterin Ramona Wöllstein wollten einem ganz breiten Publikum musikalische Leckerbissen servieren. Ihre Fundstücke waren synonym für 24 beliebte Schlager mit inhaltsstarken Texten, Evergreens und Ohrwürmern. Das mitreißende Konzert war jederzeit ein Augen- und Ohrenschmaus: „Alle zogen begeistert mit. Alles richtig gemacht - der enorme Zuspruch beflügelt uns“, freute sich die engagierte und taffe Ramona Wöllstein, die seit über 26 Jahren in der Region Chöre leitet und pädagogisch in der musikalischen Früherziehung wertvolle Arbeit leistet.

Der Merxheimer Gerüstbauer Baldes baute neben der Bühne in luftiger Höhe einen Dachboden auf, und reihum gingen die Chormitglieder stöbern. Souverän, völlig unaufgeregt und mit stoischer Ruhe und Gelassenheit ließen sie dabei das restlos begeisterte Publikum in der voll besetzten Mehrzweckhalle an ihren Lieblings-Unikaten teilhaben.

Die „reifere Generation“, wie Vorsitzender Stefan Ottenbreit den ganz stark singenden Chor „Zeitlos“ vorstellte, eröffnete als „Opener“ mit dem wunderschön getragenen Song vom „Feuerzeug“, sang dann „Ich seh dich“ und konträr dazu „Engel“ von Rammstein sowie von Trude Herr „Ich will keine Schokolade…“. Eine Hausfrauenarmada in Kittelschürzen mit Welljerholz und Kochlöffel besang aus dem Kochbuch von Anita Ottenbreit(s) Oma humorvoll als „Hefeteilchen“ die listige Hefe, die Frau wie Mann im Laufe der Jahre „aufgehen“ lässt.

An das Deutschlied von Mybebop erinnerte die „Forbännt“: Ein Quartett mit Jörg Maiwald, Oliver Wöllstein, Ralph Biermann und Andreas Schmitt, nachdem dieser die Deutschlandflagge fand und an das WM-Sommermärchen 2006 erinnerte. Stürmisch umjubelter Solist war Jörg Maiwald, der brillant authentisch „Caravan of Love“ sang. Schauspielerisch glänzten ebenfalls Sascha Marfilius aus Bad Sobernheim, der mit Jonas Zerfaß aus Schwarzerden und Nico Ulrich (Simmertal) überraschte, und mit weiteren „Boys“ im feinen Zwirn Billy Joels Hit „For the longest time“ geradezu dezent wie gekonnt zelebrierte.

Der 24-köpfige Jugendchor „inTime“ überzeugte bei acht Liedern restlos und heimste mit kraftvoll interpretierten und mit viel Pep und Esprit vorgetragenen Liedern wahre Beifallsstürme ein. Insbesondere bei den Songs „Zombie“, „Narcotic“, „Ramalama ding dong“ oder dem Medley „4 Chords“ wurde ganz viel mitreißende Leidenschaft hörbar, Mimik und Gestik sowie die gereifte und instrumental gut besetzte choreigene Begleitband „Time´s Quer“ im mittlerweile 210 Mitglieder zählenden Kinder-und Jugendchor mit insgesamt acht! Formationen boten eine großartige Leistung und waren ein Hörgenuss. „inTime“ ließ bei weihnachtlicher Vorfreude Kinderaugen glänzen - zum Dachboden-Buch „Im Westen nichts Neues“ blieben Gedanken zum Ersten Weltkrieg nicht ausgespart.

Das Konzert bot zahlreiche Höhepunkte, viel Probenfleiß wurde sichtbar, etwa als der Chor Zeitlos zum Lied „Jump“ synchron in die Höhe sprang, oder Herbert Geiß auf den Speicher geschickt wurde: „Mei Fraa hot gesaaht…“ und er die lange Haarpracht aus „Woodstock Sturm- und Drangzeiten“ fand und mit der „Bohemian Rapsody“ eine Rock-Hommage auf Queen-Sänger Freddie Mercury und einen Welthit anmoderierte.

Alle Akteure füllten beim Schlusslied-Potpourri artverwandter Melodien unter dem Titel „Bridge over you“ die Bühne - bei dieser mitreißenden musikalischen Dachbodenreise „wurde eindrucksvoll deutlich, dass moderner Chorgesang voller inspirativer Ideen lebt, Neugierde weckt und modern interpretiert eine Zukunft hat“, dankte und resümierte Vorsitzender Stefan Ottenbreit – insgesamt singen in mehreren Formationen "im singenden Dorf" über 120 Stimmen im Merxheimer Kinder- und Jugendchor- tags darauf trat Zeitlos bei „Sing & Pray“ in der katholischen Kirche auf.