"Ein Heer von Schutzengeln" wachte über Becherbach - Ganzes Dorf geräumt!

Kategorie: VG Meisenheim, Kreis KH, Lokale News an Nahe und Glan

 

Lebten Becherbacher auf einem hochexplosiven Pulverfaß? Bundesweit vermutlich größter privater Waffenfund sichergestellt. Vor Ort gesprengt-

Kreisbevölkerung irritiert über Becherbach b. Kirn & Becherbach/ Pfalz

Nach den Waffenfunden am Dienstag in Hundsbach und am Freitag in einer Scheune in Becherbach bei Meisenheim wurde am Samstag, 22. Januar, der ganze Ort evakuiert und die Sperrzone auf 1000 Meter Luftlinie erweitert. Die Becherbacher kamen dieser Aufforderung bis auf  wenige Ausnahmen älterer Bürger, die noch überzeugt werden mussten, gerne nach. Am Abend zuvor hatte der Kampfmittelräumdienst eine geringe Menge, die Rede war von 300 Gramm, einer gefährlichen Substanz zur Explosion gebracht und "beschleunigte" eindrucksvoll unter den fast 500 Einwohnern damit die Evakuierung. Ein Polizeihubschrauber mit (Wärmebild?) Kameras überflog den Ort und nahm genau Maß, Kamerateams wurden um 50 Meter zurückbeordert. „Alle fahren hier das volle Programm ab“, sagten Dutzende bei den fünf Windrädern auf der Gemarkungsgrenze Becherbach und Waldgrehweiler in Sichtweite zum Rother Sportplatz, wo Einsatzkräfte und der Polizeihubschrauber stationiert waren. Roboter waren im Einsatz. Wann wurde in jüngerer Zeit schon einmal ein ganzes Dorf evakuiert? Alle Welt schaut auf Becherbach! Niemand hätte gewusst, was da in einer angemieteten Scheune eines Hundsbacher „Waffennarr`s“ Sprengstoff lagerte. Niemand hätte gewusst, dass es sich dabei um den hinter vorgehaltener Hand titulierten „Pulver-Kurt“ handelte. „Dass der eine Scheune für sein Kriegsgerät anmietete, stimmt einfach nicht und ist eine infame Unterstellung“, schimpften Bürger auf  Presseberichte, ein ganzes Dorf werde so verunglimpft. SWR, RTL, Sat 1, HR, DPA alle waren da. Es war die größte Menge eines Sprengstofffundes in Rheinland-Pfalz, sagte ein Polizeisprecher, von einem Privatmann vermutlich sogar bundesweit. Am Sonntagmorgen kehrten die ersten Becherbacher Bürger wieder in ihre Häuser zurück. „Definitiv ist, dass heute wieder langsam der Alltag Einzug hält", sagte der Polizeisprecher. Um was für einen Sprengstoff es sich handelte, war zunächst unklar. Möglicherweise stamme er aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs oder aus U.S.-Armeebeständen. Von 70 scharfen Waffen und 120.000 Schuss Munition war die Rede, Innenminister Bruch informierte sich vor Ort und ließ sich Handgranaten und das Ausmaß erklären. Während das Innenministerium am Samstagabend von rund 50 Kilogramm Nitroglyzerin sprach, wollte Polizeieinsatzleiter Arno Heeling dies nicht bestätigen. Polizei und Sanitäter, der Katastrophenschutz des Kreises, der neu gegründete Malteser-Hilfsdienst aus Bad Sobernheim, die VG-Feuerwehr Meisenheim, Viele Kräfte waren im Einsatz und konnten am Sonntagvormittag aufatmen, und bei einer eigens einberaumten Pressekonferenz nähere Informationen erfahren. Bei der Sprengung waren spezielle ferngesteuerte Roboter im Einsatz. Diese brachten „größere Mengen"  Sprengstoff zu einem Feldweg. Dort wurde er kontrolliert in die Luft gejagt. Anschließend wurde die Scheune überprüft, bis Entwarnung gegeben werden konnte. Die knapp 500 Bewohner des Dorfes im Kreis KH waren bei Verwandten oder Bekannten untergekommen. Nach Angaben der Sanitätsdienste mussten zehn Menschen in Klinken oder Altenpflegeeinrichtungen untergebracht werden. Eine vorübergehend eingerichtete Betreuungsstelle konnte schnell aufgelöst worden, zwölf Menschen übernachteten in einem Hotel. Die Einsatzleitung sprach von einer "Armee von Schutzengeln die hier unterwegs war“.  Die Bürger von Becherbach hätten jahrelang auf einem hochexplosiven Pulverfass gelebt, zum Glück sei nichts passiert. „Halb Becherbach wäre bei Nitrogylcerin weggeflogen“ saß Schreck und Panik in den Gliedern. Sie wollten gar nicht zurückdenken an spielende Kinder, an einen Silvesterknaller in der Scheune….Aus sicherer Entfernung verfolgten sie an den Windrädern die größte Sprengung am Samstagabend gegen 18.15 Uhr, wo eine kleine Druckwelle noch in zwei Kilometern deutlich spürbar war, und in 30 Kilometer Entfernung gehört wurde.


Becherbach im Fokus

Das Stroh-Sprengnest

Bürger an den 5 Windrädern

Feuerwehrleute im Dienst

Becherbach war...

...hermetisch abgesperrt