"Pulver-Kurt"- Schwarzpulver gefährlicher als Nitro? Viele Fragen bleiben offen

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NACHLESE und Rauschen aus dem Blätterwald über "Pulver Kurt" - Spekulationen schießen ins Kraut - Auf Truppenübungsplatz seit jeher Armeespiele - Becherbacher atmen erleichtert auf! Welches Becherbach ?

„Pulver Kurt“ ist abgetaucht, krank und nimmt sich einen Anwalt: Mit dem Waffenarsenal des 62-jährigen notorischen Hundsbacher Sammlers und seinen Freunden, mit Handgranaten, Mienen, Panzerfäusten, Sturmgewehren, Patronengürtel, Munition und Sprengstoff ist nicht zu spaßen und hätte man eine kleine Armee ausrüsten können. „Ich kann die Russen allein aufhalten“, soll er zu Kollegen und Mitarbeitern in einem Bad Sobernheimer Metallbaubetrieb desöfteren gesagt haben. In Baumholder wurden seit Jahren Kriegsspiele gemacht, Szenen nachgespielt. Polizei und Staatsanwaltschaft fuhren „schweres Geschütz“ am 18. Januar 2011 in Hundbach bei einer Hausdurchsuchung und bei der Razzia drei Tage später in Becherbach bei Meisenheim auf, und sind im Februar noch damit beschäftigt, das gesammelte Kriegsmaterial des Rentners aufzulisten und zu katalogisieren. Die Presse wurde auf den Truppenübungsplatz nach Baumholder zur Besichtigung eingeladen. Kurt Neubrech befindet sich seit der ersten Durchsuchung noch 14 Tage später in stationärer Krankenhausbehandlung in Idar-Oberstein. „Dieser Irre bunkerte Waffen für eine ganze Armee“ titelte die Zeitung mit den großen Buchstaben und vermutete in ersten Berichten einen rechtsradikalen Hintergrund. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erging Haftbefehl, der jedoch nach Anordnung von Meldeauflagen von einem Richter außer Vollzug gesetzt wurde, berichtete Oberstaatsanwalt Paul Scheidner in Kaiserslautern. Gegen den Hundsbacher wird wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und dem unerlaubten Besitz von Sprengstoff ermittelt. Schon einmal war nach Medienberichten gegen den Waffennarr ermittelt worden. Fotoaufnahmen aus dem Sommer 2006 zeigen ihn in SS-Uniform eines Militaria- Vereins, der historische Kriegsgefechte bei Baumholder nachspielt. Im November 2007 stellte die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach das Verfahren gegen „Pulver-Kurt" gegen Zahlung einer dreistelligen Geldauflage ein. Begründung: Kurt Neubrech trug zwar eine SS-Uniform, hatte die Runen allerdings abgedeckt. Das ist laut Staatsanwaltschaft auf militärhistorischer Veranstaltung nicht verboten und „bei uns üblich“, sagten Amerikaner. Aufgrund der aktuellen Vorkommnisse wurde Kurt Neubrech auch aus dem Reservistenverband der Bundeswehr als „Uffz der Reserve“ ausgeschlossen: Pfalz-MdL Dr. Walter Altherr (65) laut Medien: „Der Kurt ist ein Militaria-Narr. Solche Leute sind für unser Ansehen schädlich!“.

„Wir stehen hinter Pulver Kurt“, sollen laut Rhein-Zeitung vom 1. Februar Hundsbacher am Tresen geäußert haben. Montags, am 24. Januar, veröffentlichte die auflagenstärkste Tageszeitung ein Seiten- Portrait von „Pulver Kurt“. Nach der Razzia läutete bei jedem Becherbacher Bürger in Kirn-Land „mindestens drei Mal das Telefon von neugierigen Anrufern `Was ist denn bei euch los?`“, berichtete Lothar Nagel aus Becherbach bei Kirn wegen der Verwechselung zu Becherbach bei Meisenheim. Dort herrschte längst Ausnahmezustand, der Ort wurde evakuiert, im Radius von 1000 Metern voll gesperrt. Hubschrauber beorderten Reporter um 50 Meter zurück. Als diese sich fünf Meter bewegten, reichte es auch. „Die fahren das volle Programm ab“ empörten sich Zuschauer über Art und Umfang und Evakuierung eines ganzen Dorfes, über Ministerialbesuch, Medienrummel, Hubschrauber- und Robotereinsatz. Die Hälfte der Becherbacher verfiel in Schockstarre, die andere Hälfte schmunzelte spätestens nach der Sprengung von vermutlich über 50 Kilogramm Nitroglyzerin. „Vie Lärm um wenig- Mit Kanonen auf Spatzen geschossen, hoffentlich können wir jetzt heim!“, sagten  Bürger an den fünf Windrädern auf dem Roßberg. Das war niemals Nitroglycerin. Der „Big Bäng“ blieb aus, in „zwei Sekunden war die Show mit einem lauten Knall vorbei“. Derart machten sich im Internet viele User lustig und polemisierten: Solch ein „Mega-Aufwand für ein paar Silvesterböller? Soll davon ein ganzes Dorf in die Luft fliegen?“ waren Fragen.  In den Medien waren zuvor von den Waffenfunden die Seiten voll. Hinterher las man spärlich „zwischen den Zeilen in einem Satz“, dass es sich nicht um das vermutete Nitroglycerin handelte. Die Jägerschaft  einer Jagdschein-Prüfung auf der Ebernburg gingen am 28. Januar 2011 laut einem Zeitungsbericht des Öffentlichen Anzeigers ganz hart mit den Verantwortlichen ins Gericht, Zitat: „Musste es da wirklich eine Riesensprengung sein? Wenn´s um Nitropulver ging, das ungefährlicher ist als das hochbrisante Schwarzpulver in Silvesterböllern, hätte man es in Wasser auflösen können und dann als Nitro-Dünger einfach auf den Acker gießen können“. Hatten das die Spezialisten nicht kontrolliert oder gewusst?  War „Pulver Kurt“ für seine Sammelleidenschaft nicht Jahrzehnte bekannt? Fragen über Fragen bleiben: Einerseits hätten spielende Kinder leicht an Waffen und Sprengstoff kommen können, andererseits hat laut Medienberichten die Vermieterin nicht gewusst, was da in ihrer Scheune steht. War das Auto etwa quietschegelb? Und: Wer hat die Verbindungen zur Rechten Szene gestreut? Hat der Verfassungsschutz wirklich zwei Jahre ermittelt? Hätten „Undercover“ Polizisten vor Ort nicht mehr erreicht? Und: Wer bezahlt die ganze Chose? „Der tut mir leid“, hörte man überall: Dass LKA, Polizei und Kampfmittelräumdienst der Sicherheit höchste Priorität und Vorrang einräumten ist klar. Dass ermittelt und gerichtlich verwertbare Beweise gesammelt werden müssen, damit Kripo und Uniformierte vor Ort keinen „auf den Deckel“ bekommen, auch. Sicher ist nur: Kurt N. agierte nicht allein- und: Fortsetzung folgt. Siehe auch: "Ein Heer von Schutzengeln"


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