Offensive CDU-Landeschefin "J.K." in Bad Sobernheim: Schlank wie eine Tanne

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Fotos unten - Bad Sobernheim. Im vollbesetzten Paul-Schneider-Haus im Leinenborn war in der 58. Bad Sobernheimer Runde Julia Klöckner zu Gast bei Gerhard Engbarth. Wie und wieviel hat sie abgenommen?-  dies bewegte die Teilnehmer am meisten: „Mit drei Freundinnen. Weniger Brot, Alkohol und Süßigkeiten- und etwas mehr Bewegung kann auch nie schaden“. So nahm sie allen Nachfragen den Wind aus den Segeln – andererseits sprühte sie vor purer Lebensfreude: „Leute, die nicht gerne Essen und Wein trinken, sind mir suspekt“, beschrieb sie den schmalen Grad und Spagat.

Gut behütet in einem Guldentaler Weingut aufgewachsen, skizzierte sie ihre Vita vom Studium der Theologie, Politikwissenschaften und Pädagogik mit Staatsexamen über ihre journalistische Tätigkeit und der Wahl zur Naheweinkönigin vor genau 20 Jahren. Die vielseitig extrovertierte Politikerin war Deutsche Weinkönigin, ist Bauchautorin und kam über die Frauenquote neun Jahre in den Deutschen Bundestag, bevor sie nur ganz knapp mit fehlenden 0,5 Prozent nicht Ministerpräsidentin, sondern Oppositionschefin im Mainzer Landtag wurde.

Kurz zuvor am Nachmittag, als die EU aus Brüssel der Landesregierung Verfehlungen ins Stammbuch schrieb, wetterte sie über einen „rabenschwarzen Tag für die Bürger dieses Landes. Sehenden Auges wurde hier das Geld der Steuerzahler verbrannt. Ein Zeugnis, was die Versetzung nicht verdient“, bilanzierte Julia Klöckner auf allen TV-Kanälen.

Nur wenige Stunden später bei Gerhard Engbarth wurde sie damit direkt konfrontiert: „So etwas steht doch in Haushalten. Wie ist es möglich, dass eine halbe Milliarde Euro in den Sand gesetzt wird und in der Opposition niemand wach wird?“, fragte Rudi Hill. „Ich bin wach. Aber die Landesregierung ist von den Bürgern gewählt worden“, konterte die 41-jährige und prangerte einen Rekordhaushalt von 14 Milliarden Euro an, wo bei höchsten Steuereinnahmen seit 20 Jahren noch immer mehr ausgegeben als eingenommen werde. „Sind wir in Rheinland-Pfalz dilettantischer“ hakte Paul Jores in Sachen Geber- und Nehmerländer beim Finanzausgleich nach, und wie ist ihre Meinung zur Maut, wo doch die beiden Protagonisten Merkel und Seehofer völlig konträre Ansichten haben? Klare Antwort: Auf Dorf- Land- und Kreisstraßen darf keine Maut erhoben werden.

Während Kurt Beck in der Sobernheimer Runde keine kritischen Fragen zuließ, war Julia Klöckner erstaunt über seine „Spontangenesung“; - und forderte süffisant Konsequenzen, damit nicht weiter die Politikverdrossenheit grassiert.

Lange habe sie mit der Bad Sobernheimer Runde geliebäugelt - dies sei „der absolute Höhepunkt in ihrer Laufbahn“, scherzte „J.K.“ die Stimmung war ausgelassen und herzlich.

„Frauen sind auch neidisch und können Gift verspritzen?“, kokettierte Engbarth den Gast. Keiner stehe kurz vor der Heiligsprechung- ja, man müsse sich einstecken können. Feind, Todfeind Parteifreund? Was fällt ihr zu solchen Stereotypen ein? „Die heute hier sind, habe ich alle begrüßt“, blickte sie in die Runde. Ja, Wahlkampf sei extrem ein Brennglas, und Altkanzler „Helmut Kohl konnte schon nachtragend sein“. Die Meinung seines Sohnes, Politik sei ein Intrigenspiel mit taktischer Kungelei ordnet sie zeitlich in die damalige innerdeutsche Bedrohungslage ein, zudem sei Kohl Ausnahmepolitiker, Revoluzzer und Modernisierer gewesen. Und, für die Zuhörer „sehr interessant“: Sie lege Wert darauf, Privates und Politik zu trennen. Dafür sorgten langjährige Freundinnen ebenso wie Hildegard Müller, Gitta Connemann oder Tanja Gönner, charakterstarke politische Powerfrauen, mit denen sie schon auf dem Barfußpfad und im Freilichtmuseum gesehen wurde. Julia Klöckner genoss ihr Heimspiel sichtlich.

Wichtiger als falscher Ehrgeiz sei die innere Balance, auf „der Wanderdüne der Zeit einen Kompass zu haben“. Es gehe um Wert und Würde des Lebens. um aktive Sterbehilfe, Organspende. Gelebte Solidarität als Hilfe zur Selbsthilfe und die Subsidiarität, mehr Kompetenz und Entscheidungen nach unten in die Kommune oder an die Basis abzugeben, liegen ihr ebenso am Herzen wie die Personalität in Freiheit und Eigenverantwortung im christlichen Menschenbild unabhängig zu bleiben.

Wer imponiert ihr, hat sie Vorbilder und was würde sie anders machen? Tischtennisspielerin Olga Nemes habe sie einst sehr verehrt und natürlich Kanzlerin Angela Merkel: „Sie bringt nichts aus der Ruhe. Sie rennt nicht gegen die Wand und hinterlässt dabei Bauschutt. Sie sucht eher die Tür und bedenkt das Ende- und das finde ich ausgesprochen klug“. Und was gibt sie jungen Menschen mit auf den Weg? Neugierig sein, viel Erfahrungen über das Kirchturmdenken hinaus zu sammeln aber bodenständig bleiben. „Was man an Bildung im Rucksack hat, kann einem keiner mehr nehmen…“.


Gerhard Engbarth & "J.K"

Gast bei der 58. Bad Sobernheimer Runde

Es war sehr amüsant

Rudi Teuscher schenkte Julia einen bemalten Stein