Ehrung: Goldener Meisterbrief - Zwei Fleischermeister sind "Alte Kameraden" - Karlheinz Auner aus Meddersheim & Hans-Dieter Baldes (Merxheim) im Portrait

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Merxheim. Meddersheim. Wie sich die Zeiten ändern: Heute wird um Mindestlohn um die acht Euro pro Stunde gestritten, um von seiner Hände Arbeit leben zu können. Als Karlheinz Auner seine Metzgerlehre begann, verdiente er nicht einmal die Hälfte im ganzen Monat. Und sein Kollege Hans-Dieter Baldes bekam noch „viel“ weniger als 6.- Mark.

Vor zwei Jahren erhielten in Ochtendung 87-jährig August Schmidt aus Weiler und Günter Kaufmann (Monzingen) Goldene Meisterbriefe. Jüngst wurde der Meddersheimer Karlheinz Auner und Dieter Baldes aus Merxheim geehrt. Allesamt hielten sie über 50 Jahre die Zunftfahne der Fleischer in Ehren. Heute muss selbst Viehhändler Guido Müller in Woppenroth lange nachdenken, um kreisweit weniger als eine Handvoll Schlachtstätten aufzuzählen.

Dieter Baldes und Karlheinz Auner pflegten stets ein kollegiales Miteinander. „17 Jahre gehen wir schon spazieren“, sagt der für seine Seelenruhe weit und breit bekannte 72-jährige Dieter Baldes. Reisen ist das Hobby von ihm und seiner Frau Heide geworden, vier bis fünf Monate hält er sich im Ausland auf. Thailand ist fast seine zweite Heimat geworden: „Du könntest hier den Bürgermeister machen“, sagten Bekannte, als sie ihn dort bei seinem 24.Besuch trafen, und  er den Fremdenführer gab.

Geboren 1939 in Meisenheim war quasi sein Werdegang vorgezeichnet. Ab1938 mietete sein Vater Paul Baldes die traditionsreiche Metzgerei der Meisenheimer Familie Waelder in der Untergasse bis 1943. Er blieb im Krieg, später heiratete seine Mutter ihren Schwager Viktor Baldes, und die hatten in Merxheim und Monzingen Metzgereien gepachtet. Dieter Baldes begann mit 13 eine Lehre in Pirmasens, absolvierte 1961 seinen Meistertitel und kaufte ein Jahr später das Anwesen in der Merxheimer Großstraße 25, wo er ein kleines Schlachthaus anbaute und sich Selbstständig machte. Knapp 33 Jahre bis zu Silvester 1994 betrieb er mit seiner Frau Heide die Metzgerei, danach pachtete Dirk Schmidt aus Weiler noch zehn Jahre lang das Geschäft.

„Ich war Einzelkämpfer. Ich musste viel schaffen, aber was abends in der Kasse war, war meins“- sagt er. Es gab keine Hetze bei Baldese Dieter; -„wir haben immer viel gelacht“. Geschlachtet wurde so lange am Platze, „bis die Knochen nicht mehr wollten“. 20 Jahre belieferte er den Imbissbetrieb von Joachim Weikert, und wenn einmal Karlheinz Auner zuviel Schweine schlachtete, weil ein Landwirt Platz für neue Ferkel brauchte, nahm Dieter Baldes ihm Einzelteile oder ganze Hälften ab. So war das damals bei den beiden gang und gäbe.

Als Karlheinz Auner vor 60 Jahren am 17. März 1952 seine Lehre bei Heinrich Fey in Roxheim begann, stand im Lehrvertrag No.2304/52 neben Kost und Logis sechs D-Mark im Monat. Im zweiten Lehrjahr acht und im dritten 10.-Mark. Vor dem Schritt in die Selbständigkeit und dem Meisterbrief in der Meisterschule Heyne in Frankfurt 1960 sammelte er als Geselle Rüstzeug bei acht Firmen in Langenlonsheim (Dietz), bei Dahlheimer in Kirn, in Bad Münster am Stein (Becker), in der Wurstfabrik Wirth in Neu-Isenburg, in Rhaunen (Weber) und bei Karl Reidenbach in Weierbach. „Mein Gott, was haben wir Unmengen geschlachtet und produziert…“Fünf Jahre hatte er in Bad Sobernheim in der Großstraße 76 bei Peter Hartmann gepachtet, dann gekauft und 1980 umgebaut. 29 Jahre bis Silvester 1995 war er sein eigener Herr. Bis zehn Schweine die Woche und ein Stück Großvieh wurden geschlachtet, sechs Metzgereien gabs in der Felkestadt. Die aus Monzingen stammende Ehefrau Christel arbeitete als Strickerin in Marums in der Obersteiner Straße in Kirn und wurde zur Fleischerei-Fachverkäuferin „umgepolt“, später arbeiteten die Tochter und der Schwiegersohn mit. Acht Lehrlinge bildete Auner aus, erster war das SV Lauschied Urgestein und Hausmetzger Otto Heimer. Die Selbständigkeit und der eigene Betrieb war immer das Ziel der beiden Meister. „Es waren wellige Zeiten“, sagte Karlheinz Auner jüngst bei seiner Goldenen Hochzeit. „Mit Schmidte August in Weiler hatte ich das beste Verhältnis“, sagt der 77-Jährige, „Futterneid“ gab es nicht, im Gegenteil: „Wir hatten eine gute Stammkundschaft“, viele aus der Verbandsgemeinde kamen kaufen. Des öfteren spricht Karlheinz Auner von seinem „Städtchen“, das er liebgewonnen hat: „Wir haben uns hier zu Hause und wohl gefühlt“, denkt er laut nach. Und dann kommt dem Meddersheimer vieles in den Sinn: Montagmorgens Vieh zusammen fahren sei nicht Vergnügungssteuerpflichtig und kein Ponyhof, sondern harte Arbeit gewesen: „Aber es waren gute Jahre“.


Dieter Baldes (li.) und Karlheinz Auner. Er präsentierte den Lehrvertrag!