Aus für Real an der Westtangente - 82 Mitarbeiter betroffen

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WeinendFotos textende anklicken:Bad Sobernheim. Nach der Zerschlagung der Supermarktkette Real brodelte die Gerüchteküche; - die Vorzeichen verdichteten sich durch den angestrebten Verkauf der Real-Supermärkte durch den Mutterkonzern Metro an den russischen Investor SCP. Rund 30 der 276 Filialen mit 34.000 Beschäftigten sollen bundesweit geschlossen werden. Bei Real kaufen Millionen Kunden, 82 Mitarbeiter sind an der Westtangente in Bad Sobernheim betroffen, wo die Stimmung mangels Infos oder Bestandsgarantie seit Wochen auf dem Tiefpunkt ist.

Aber: Am 4. März kam für den Bad Sobernheimer Markt mit Real in Bamberg, Deggendorf und Pappenburg zum Jahresende 2020 das Aus. Die beiden Betriebsratsvorsitzenden Steffi Hohneck und Nastassja Praß äußerten sich und machten eine klare Ansage: „Wir sind daran interessiert, dass der Markt in dieser Form bestehen bleibt und so viele Mitarbeiter wie möglich übernommen werden und in Lohn und Brot bleiben. Denn wir haben ganz viele Alleinverdiener und Selbstversorger. Und wo sollen sie Arbeit finden?“, erläuterte Steffi Hohneck, die seit 17. Oktober 1983 im Haus am Platze ist und ebenso wie die Langzeitbeschäftigte in der Verwaltung, Nastassja Praß, bisher viel erlebt und Übernahmewechsel gemeistert hat. Zeitgleich mit den Medien habe man von Metro-Chef und CEO Olaf Koch die Nachricht über die Unterschrift mit dem Finanzinvestor SCP erhalten“, sagten beide. Seitdem brodelte die Gerüchteküche. In der Gewerkschaft Verdi schrillen alle Alarmglocken. Jetzt geht es um Interessensausgleich und einen Sozialplan durch die Anwälte von Real und dem Bad Sobernheimer Betriebsrat.

Exakt vor einem Jahr wurden Gebäude und das Grundstück von Real an Edeka verkauft – keinerlei Auskunft und Antwort auf drängende Fragen. „Wir werden alles mobil machen, haben Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler eingeschaltet, die mit der VG und der Stadt Bad Sobernheim sich vor Ort einsetzen müsse. Egal welcher Betreiber kommt - wir wollen dass es am Standort weiter geht – die Stadt muss Interesse daran haben, dass die Mitarbeiter übernommen werden, sagten die Frauen unisono und luden per E-Mail ein.

„Jetzt gibt es ein Datum“, wird Stadtbürgermeister Michael Greiner zitiert – und weiter: Mit Blick auf das fast 50 Jahre alte Gebäude werde es um einen zügigen Abriss und danach um einen Neubau gehen, vermutet Greiner. Die Real Pressestelle bekräftigte hingegen die Schließungsabsicht mit einer „schwierigen wirtschaftlichen Lage des Standorts“. Real als Supermarktbetreiber an der Westtangente gibt es seit 2007, davor war Wal-Markt Eigentümer, der auch den Wal-Markt parallel mit einst 120 Mitarbeitern in Bad Kreuznach (heute: Kaufland) betrieb.

Rückblick: Dieser Einkaufsmarkt an der Westtangente war jahrzehntelang in der Felkestadt der größte seiner Zeit. Ursprünglich als Expansions-Produktionsstätte erbaut von Peter Stern als Marums Strumpffabrik wurde das Gebäude nach dem Unfall des Firmen-Patriarchen vor Steinhardt aufgegeben – die Familie Marum zog sich in der Folge ganz aus Deutschland und der Felkestadt zurück. Das Areal an der Westtangente wurde durch den Bad Sobernheimer Kaufmann Karlheinz Schmidt, der landesweit auch viele VIVO-Märkte aufbaute, und von seiner „Schmidt&Breug“ – Gruppe mit dem Werbeslogan „Waren aus der ganzen Welt“ übernommen. Es war einer der ersten Verbrauchermärkte auf der „grünen Wiese“, jedenfalls in Sobernheim. Danach kamen Co-op, Plaza, Promo-Hypermarkt, Continent, Inter-Spar und Wal-Mart und nach Real hat 2019 Edeka den Markt und das Grundstück übernommen. Baulicherseits ist eines gewiss: An der Westtangente endet eine lange Ära, wo viele Jahrzehnte viele Menschen Lohn und Brot fanden.


Real in Bad Sobernheim

Westtangente

Nastassja Praß / Steffi Hohneck

seit Jahrzehnten im Haus