Dorfladen in Becherbach: Einzigartige Erfolgsstory von Anfang an

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Becherbach. Mit dem Dorfladen in Sargenroth zählt der mit einem wirtschaftlichen Verein geführte Becherbacher Dorfladen in der Hauptstraße 31 landesweit zu den ersten und ältesten und feiert 2022 seinen 25. Geburtstag. Darauf sind die Becherbacher megastolz: „Vom ersten Tag an haben wir ab 1997 alles ohne Fremdkapital gemeistert und erwirtschaftet“- resümierte Alt-Ob Werner Barth und sein Nachfolger Frank Schätzel berichtete von einem überaus erfolgreichen Jahr 2019 – der Vorstand überraschte die Anwesenden und schüttete eine fünfprozentige Dividende auf die 100.- Euro Einlage aus.

Corona war Thema, nur 15 der 66 Mitglieder kamen und hielten sichtlich Abstand – sonst erschienen zur Generalversammlung mehr als doppelt so viele. Ortsbürgermeister Karl Otto Selzer erreichte am Freitagabend die Meldung des Kreisfeuerwehrverbandes, dass alle Versammlungen und Veranstaltungen der Feuerwehr ausfallen und nur noch die Wehren im Notfall und bei Alarmierung ausrücken - denn einen Tag später war die Versammlung des Feuerwehr-Fördervereins anberaumt. Selzer fungierte als Wahlleiter; - er dankte dem Vorstand des wirtschaftlichen Trägervereins, dem Personal und den Unterstützern des Dorfladens für das über Gebühr geleistete Engagement. Der Laden sei Kult und eine Erfolgsstory, ohne ihn wäre der Ort um ein vielfaches ärmer. Man müsse ihn nicht neu erfinden, sondern ihn fördern und erhalten, sagte Selzer sinngemäß – seit 157 Jahren existiert in Becherbach ein Lebensmittelgeschäft.

Die Versammlung gedachte Helmut Heß und Walter Schätzel, beide waren 1997 Gründungsmitglieder. Erster Vorsitzender Frank Schätzel informierte ausführlich über den Dorfladentag 2019 in Kaub am Rhein, den er mit dem Heimweiler „Ob“ Andreas Setz besuchte. „Jeder Laden funktioniert anders: Jedes Lebensmittel auf dem Teller hat im Durchschnitt 1.500 Kilometer Reise hinter sich, und jeder Mensch verbraucht im Jahr 1,75 Tonnen Co² für Lebensmittel, darüber sollten wir uns Gedanken machen“, leitete Schätzel sein flammendes Plädoyer für jeden individuellen Nachbarschaftsladen in der Region ein – Becherbach halte ein Vollsortiment an Grundnahrungsmittel bereit und sei verlässlicher Lieferant aller Ortsvereine wie TuS, Feuerwehr, Fasenachts-Bagaasch, Kita, Adventsfensterclique. Der Dorfladen habe (mit Sonntagsbrötchen) sieben Tage in der Woche geöffnet. „Der Laden ist Ideen- und Kontaktbörse, wo alles im Dorf kommuniziert und das Herz Becherbachs schlägt. Hier werden Emotionen transportiert und gelebt. Wir müssen das Wir-Gefühl unseres Ladens weiter stärken, die Identifikation mit handwerklich-hergestellten regionalen Produkten stärken und das Miteinander wertschätzen – wir werden alles daran setzten, dass unser Laden floriert und funktioniert“, rief Schätzel aus, und das sei machbare Philosophie aus höchster Überzeugung. Seit seinem Amtsantritt vor zehn Jahren sei der Umsatz kontinuierlich um die 200.000 Euro gleich geblieben, aber der Stromverbrauch konnte von 20.600 auf 9.800 kWh („trotz heißem Sommer“) reduziert werden. Im Laden wird Mindestlohn gezahlt, es gibt eine Sitzecke mit WLAN auch für Gäste, Kartenzahlung ist möglich; - zeitnah müsse man für das Finanzamt in eine neue Registrierkasse investieren. Das Angebot wurde mit einem SooNahe-Sortiment erweitert und die Gefriertruhe soll einem modern-übersichtlichen und effizienten Hochschrank weichen. Schätzel berichtete von neuen Praktiken wie dem bargeldlosen Einscannen – nicht Lidl oder Aldi seien Trendsetter, sondern Amazon sei absoluter Marktführer, regte er Kopfkino an. Überhaupt: „Ich war von der Geschwindigkeit der Veränderungen in der Lebensmittelbranche total überrascht“, berichtete Andreas Setz, Mitglied aus Heimweiler, vom Dorfladentag 2019.

Brauchen wir auf lange Sicht ein Standortbekenntnis, müssen wir nicht in Sachen Barrierefreiheit oder Parkplätze weiterdenken? Sollten sich mehrere Orte, wie anderswo auch, zusammenschließen und Neues wagen? „Wir sind dank engagierter Mitarbeiter und Unterstützer kerngesund, sollten aber in die Zukunft denken und investieren“, machte sich Schätzel laut seine Gedanken - zwei der vier neuen Mitglieder kommen aus Heimweiler und auch Nachbarorte von Limbach bis Schmidthachenbach frequentieren den Laden stark und sie seien an einem breitgefächerten Angebot in Becherbach interessiert. Das Zahlenwerk „Geschäftsbericht“ trug Vize Jörg Nikodemus vor.

IM DETAIL: Zum zweiten Mal wird der „Heimweilere Kiosk“ der Dorfjugend ab dem Ehrenamtstag am 6.Juni, diesmal in den Räumlichkeiten des Dorfgemeinschaftshaues Heimweiler im Erdgeschoss als „Filiale“ eingerichtet und bis zur Heimweiler Bauernkerb sechs Wochen später im Juli aus dem Becherbacher Dorfladen bestückt, teilte „Ob“ Andreas Setz mit. Der gleichberechtigte Vorstand wurde für zwei Jahre bestätigt; - die Wahl war reine Formsache. Frank Schätzel und Jörg Nikodemus sind Vorsitzende, sie dankten insbesondere dem Ehepaar Frenger, die im Tagesgeschäft mit der Kassenaufsicht vertraut sind. Schriftführer sind Manfred Schneider und Manfred Frenger. Beisitzer: Ursula Frenger, Eva Schneberger, Julia Scheich, Harald Vetter und Martin Ritter.

Zum Foto: Ein Imbiss plus 5.- Euro (fünf Prozent) Dividende für die 66 Mitglieder als kleines Dankeschön überraschte und kam an: „In der Niedrigzinsphase kann man da nicht meckern“, war Tenor. Der Vorstand wurde im Amt bestätigt und für zwei Jahre gewählt – er bereitet den 25. Geburtstag vor, der 2022 groß gefeiert werden soll.


5.- Euro "ausgeschüttet"

beim 20-Jährigen Nov.2017