Viele haben Angst - aber alle stehen zusammen!

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Kirner Land in COVID-19-Zeiten: Am Samstagabend, 14. März 2020 standen die Mitglieder des Kirner Handwerksgesellenvereins im Vereinslokal Felsenkeller vor verschlossenen Türen; - auch eine Stunde später war das mit Stacheldraht hermetisch abgesicherte Vereinsheim der Kirner Schützengesellschaft „Auf der Nägelspitz“ geschlossen. Eine Epidemie von großer Tragweite, eine weltweite Pandemie steht uns bevor: -D- und EU im Krisenmodus, das öffentliche Leben ist komplett heruntergefahren – jegliche Menschenansammlung und alle Veranstaltungen, die nicht notwendig sind, sind abgesagt: Am Freitagabend, 13. März gegen 20.15 Uhr erfuhren die Wehrleute und Feuerwehreinheiten flächendeckend im Kreis KH, dass nur noch bei einem Notfall oder Alarmierung ausgerückt wird. So weit, so gut und notwendig. Denn es ist eine Binsenweisheit, dass auch eine selbstauferlegte Quarantäne für just diese Zeit im Falle einer Inkubation keine Weiterverbreitung oder Ansteckung erfolgen kann. Was aber, wenn Otto Normalo oder Lieschen Müller nach drei Wochen sich ausgerechnet beim Arzttermin anstecken?

Viele haben im Tabula Rasa und Krisenszenario-Modus längst umgeschwenkt – alles Aktionistische kehrte sich aufgrund der dramatischen Fernsehbilder ins Positive. Aber: Ein Restrisiko besteht immer, ist seit der Geburt in die Wiege gelegt. „Niemand braucht es, niemand hat davon ein Nutzen. Alles ist unerheblich, nachrangig  – das Höchste ist, dass die Gesellschaft ohne Schaden aus der Krise kommt – runterfahren. Entschleunigen und zur Ruhe kommen“, sagten sinngemäß Uli Hoeneß und Jürgen Klopp unisono bei der 1000.ten Sport1 Sendung (15.3.2020) ohne Studiopublikum wie alle Kommentatoren. Beispielsweise. Aber: „Jetzt nicht das Kind mit dem Bade ausschütten“, so BVB-Boss H.J. Watzk. Und in Meddersheim gibt es unter der "Dorfschelle" Meddersheimer Gebabbel eine beispielhafte Nachbarschafts-Hilfeleistungsaktion uüber App.

„Die Corona Pandemie ist nicht zu verharmlosen – mir ist sehr mulmig zumute, wenn ich zu den medizinischen Notfällen nach Italien und Spanien schaue, was auch zu uns kommen wird“, sagte Ulrike Hey in Meddersheim und appelliert an ein Höchstmaß an Prävention, Hände waschen und Hygiene, egal wer welchen Status und wieviel Geld im Portemonnaie hat. Als sie noch in der Fleischerei arbeitete, ging das in Fleisch und Blut über, wenn man nur rohe Hähnchenbeine von weitem anschaute. „Die Leute in den Städten waren früher nicht dumm, trugen alle Handschuhe in Bus und Bahn“ – dies habe sie bei Verwandten in Darmstadt wie bei älteren Bad Kreuznachern die letzten zehn Jahre auf ihrer Arbeit beobachtet – ganz viele hätten immer zur Kleidung passende Handschuhe getragen, sagte Ulrike Hey. In diesem Zusammenhang will sie gar nicht das Fass aufmachen, wenn Vorstände und Manager von „Gesundheits-Kassen“ ungerechterweise im Monat fünfstellige Euro-Saläre einstreichen und die Versicherten auf der Strecke bleiben, wenn nicht ausreichend Notfallbetten und geschultes Personal da sind und die Bundeswehr helfen muss. „Arbeitet ein teuer bezahlter Vorstandsmensch mehr? Nein. Wenn die Verantwortung ruft, ducken sich alle weg!“.

„Ich gehe mindestens vier Mal in der Woche meine Runde. Vor Corona habe ich wirklich Angst“, sagt die 44-jährige Elisabeta Gottfried in der Kirner Danziger Straße beim Abendspaziergang. Ihre 18-jährige Tochter Diana Nozdrin hat für die totale Isolation weniger Verständnis: „Ich finde, es wird überdramatisiert, obwohl ich weiß, dass es schlimm ausgehen kann“, sagte sie. Die Kirner Gymnasiastin der MSS 12 macht nächstes Jahr Abitur. Schule, Abifeier, Handball bei der TuS 1862 Kirn, alle Liegen in der Jugend, abgesagt. Diana Nozdrin spielt sehr erfolgreich A-Jugend und bei den Frauen: Am Wochenende hätte mit ihr der Lokalfight TuS 1862 Kirn gegen den HSV Bad Sobernheim stattfinden sollen. Abgesagt.

In der Fußgängerzone Bad Kreuznach waren am 12. März, donnerstags, bis 80 Prozent weniger Passanten unterwegs – auch die Marktplatzgastronomie in Kirn leidet. Wir fragten nach bei Gianni Toldo vom Eiscafe`„Venezia“, das seit 34 Jahren in der Stadt Publikumsmagnet ist. „30-bis 40 Prozent der Leute laufen vorbei – mehr als gewöhnlich und sonst üblich“, sagte er. Seine Frau Raffaela Ceol ist noch in Italien bei ihren Eltern, wo die Straßen leergefegt und das öffentliche Leben völlig lahmgelegt ist. Konzerte in Städten finden über die Straßen und auf „Balkonia“ statt. Trotzdem werde es noch einige Zeit dauern, bis Raffaela Ceol nach Kirn komme und wie gewohnt in der Eisdiele steht, weil sie zuvor 14 Tage in Quarantäne bleiben müsse. Also präsentiert Gianni Toldo leckeres Kirner Eis des Jahres: „Goldene Milch-Eiscreme mit Kurkuma“ und weiteren Geschmacksrichtungen.


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