Meine Meinung: "Wetten dass?" man als "Gaffer" schnell zum Trottel wird?

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„Wetten dass- Zuschauer waren plötzlich  „Gaffer“! Schnell ist man „Gaffer“

Dez. 2010: „Vorsicht Gaffer!“ -1990 im Kirner Steinweg bei einer Jugendfeuerwehrübung gehört, 2000 in Bad Sobernheim, 2005 in Meisenheim und 2010 bei „Wetten dass?“ im Fernsehen live gehört und gesehen: Schwarze große Tücher, womit „Gaffern“ bei einem „Wetten-dass“- Unfall vor laufenden Kameras die Sicht versperrt wurde. Bei Letzterem ging es um Eintritt zahlende Zuschauer und spektakuläre Wetten, um Effekthascherei, um einen Sender-Hype in Sachen Einschaltquote. Auch die eingangs erwähnten Verantwortlichen der Jugendfeuerwehr konnten bei ihrer „Show-Übung“ nicht genug Presse, Aufmerksamkeit und Werbung für ihre gute Sache bekommen. Aber als die Gasse zu schmal war, als die Kids Schläuche ausrollten, standen plötzlich „Gaffer“ im Weg, die am besten wie beim „Schlauchkegeln weggeräumt“ werden mussten!? Hatte man die denn nicht eingeladen? Um es klar zu sagen: Ich bin ein „Gaffer!“. Jedenfalls wenn es darum geht, mir einen Gesamtüberblick zu verschaffen, und das Gesehene zu verarbeiten. Und ich sehe das schwarze Verhüllungstuch ganz klar als ein rotes Tuch der Zensur und Einflussnahme an. Auch wenn bei Gericht das Gesicht der Täter oder Schwerverbrecher verhüllt, verpixelt oder sonst wie unkenntlich gemacht  wird, sehe ich das persönlich als Vermummung und Eingriff in die freie Berichterstattung an. Ich will, dass der Täter gerecht bestraft wird und nicht noch gegenüber dem Opfer „per Ordre de Mufti“ Sonderrechte genießt. Übrigens: Es kann nicht genügend Enthüllungsjournalismus a la Günter Wallraf oder WikiLeaks geben. Die politische Kaste, die gesamte Gesellschaft ist so aufgebaut, dass nur der, der am lautesten Schreit, bekommt. Nur der.

Zurück zu den Wetten-dass „Gaffern“: Kann nicht jeder selbst entscheiden, was er sehen will? Und jeder schaut doch selbst hin oder weg, wenn er etwas sehen oder nicht sehen will; - es soll Leute geben, die sich Zombiefilme oder Pornos kaufen gehen. Alles gibt’s auf der Welt, und es ist ein ganz schmaler Grat, ein Spagat, der aber keiner Bevormundung bedarf. Ich habe dem Verunfallten am TV insgeheim Glück im Unglück gewünscht und dass er wieder gesund wird. Thomas Gottschalk hat sofort alle Verantwortung von sich gewiesen. Dem TV-Zuschauer blieb unklar, wie genau der dramatische Unfall im Einzelnen abgelaufen ist. Aus der „Onbord“-Perspektive des Autos sah man, dass Unglücksrabe Samuel Koch am Auto hängen blieb. Eine kurze Einstellung aus der Totalen zeigte, wie er hart auf den Boden aufschlug. „Schnitt“ -auf Wettpatin Sara Nuru, die erschrocken die Hände vor's Gesicht schlug. Dann Gottschalk: „Ouh, ouh, ouh, ouh, weh getan?“ Dann Co-Moderatorin Michelle Huntziger: „Sofort den Arzt, bitte. Sofort einen Arzt.“ Das Bild verließ umgehend die Szene, zeigte jetzt nur noch die entsetzt drein blickenden Zuschauer der ersten Reihen. Einige standen auf, hielten die Hände fassungslos vor die Münder. Sofort wurde auch dem perspektivisch ins Abseits geschobenen TV-Zuschauer klar: Etwas Schlimmes musste passiert sein. Michelle Huntziger reagierte am schnellsten auf die Livesituation und orderte ein Tuch, mit dem der bewusstlos Daliegende gegen das geschockte Saalpublikum, die urplötzlich zu „Gaffern“ wurden, abgeschirmt werden konnte. Recht so!

Ich erlebe es oft, dass sich Leute, die nicht fotografiert werden wollen, rücklings sehr nahe an meine Kamera stellen. –Ich soll es doch wissen und spüren!- Zuletzt waren dies liebe Limbacher, die ich seit Kindesbeinen kenne auf dem Kirner Andreasmarkt 2010, sowie Otzweilerer beim Weihnachtsmarkt im Hochstetter Autohaus Dinig und Meddersheimer am 13. Dezember 2010 auf dem Sobernheimer Weihnachtsmarkt. Ich habe früh Toleranz gelernt, um jeden anderen sein Anderssein zu gestatten- ohne Wenn und Aber. Bei allem Schutz der Persönlichkeitsrechte wird jedoch paradox überreagiert. Denn meist sieht man dieselben Konterfeis derselben Personen bei „Wer kennt wen“ oder anderswo bei meist peinlicheren Gebärden. Bei Kommunion verbietet der Pastor der Presse das Fotografieren, nicht nur bei Gebet oder Segnung. Für Angehörige in der ersten Reihe gilt das nicht, sie knipsen sogar mit Blitzlicht. Es ist diese Ungerechtigkeit, die Reglementierung, mangelnde Toleranz und fehlendes Fingerspitzengefühl, an der ich verzweifele. Anscheinend siegt nur die Frechheit und Dreistigkeit. Wenn die Pressefreiheit oder der Einzelne eingeschränkt und bevormundet wird, ist es zur Bananenrepublik nicht mehr weit.

 


Thomas Gottschalk

Meine Meinung

Unfall vor Gaffern?