35 Jahre lang war Wolfhart Dhonau "Macher" beim Weinfest Meddersheim

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FOTOS unten! Meddersheim. Bevor die Glantaler den Kehraus des 35.Weinfestes einläuteten, meldete sich Winzermeister Eckhard Schlarb namens der acht Ausrichter zu Wort und hielt er eine flammende Laudatio: „Die vertraute Stimme des Weinfestes, Wolfhart Dhonau, hört nach 35 Jahren auf“. Winzer und Vereine, Dorfoberhaupt Renate Weingarth-Schenk und die Naheweinprinzessin Kristin Orben nahmen den 69-jährigen in ihre Mitte, dankten, und bereiteten dem scheidenden Ausschuss-Vorsitzenden einen würdigen Abschied. Ein geschmücktes Bollerwägelchen wurde mit seinem lieblichen Lieblingswein auf die Bühne gehoben. Viel Wehmut schwang mit. Allen war bewusst, dass mit Wolfhart Dhonau eine Ära zu Ende geht, und 35 sehr erfolgreiche Weinfeste gefeiert wurden.

Er wolle ungern an die „große Glocke“. Aber weggelobt werden, sei nicht sein Ding: „Was ich tat, hab ich gern gemacht. Alle haben mir zugearbeitet!“, nennt Wolfhart Dhonau ein Erfolgsgeheimnis. Von Anfang an sei das größte Weinfest an der mittleren Nahe ein Publikumsmagnet gewesen, und das liege daran, dass alle Meddersheimer an einem Strang ziehen, und keiner dem anderen etwas neidet. Die Institution Wolfhart Dhonau mit seiner seriösen und verbindlichen Art „war Motor und Zaun ums Haus“, Eckhard Schlarb lobte für den Festausschuss in höchsten Tönen. Dhonau war sich nie zu Schade, zu Beginn des Weinfestes die Toilettenwagen zu inspizieren und montags den Müll wegzufahren.

35 Jahre lang klebten die Besucher an seinen Lippen, an einer sonoren Stimme, die vertraut war: „Die Losnummer 1966 hat gewonnen. Es war das Jahr, als der Liter Sprit noch 60 Pfennig kostete“- einem Lexika gleich verband er aus dem Stehgreif heraus Tradition und Moderne. Sein segensreiches Wirken für das Weinfest als Kulturgut, für Winzer und Vereine und seine Heimatgemeinde Meddersheim ist beispielhaft und sucht seinesgleichen. „Dhonau hielt den Laden zusammen“, sagten am Sonntag viele.

Der gebürtige Sobernheimer war seit 1963 im Schuldienst, bis er 2004 als Konrektor der Bad Kreuznacher Hauptschule am Römerkastell pensioniert wurde. 1973 zog er nach Meddersheim, war 30 Jahre lang bis 2009 Ratsmitglied, davon 25 Jahre Zweiter Beigeordneter. Seit 1976 ist er im Presbyterium, seit 1980 in der Kreissynode.

„35 Weinfeste aus einem Guss“ - sind ihre Worte. Wie begann die Erfolgsstory?

Mit der Wahl von Karina Beck I. 1978 zur Naheweinkönigin ging ein Ruck durchs Weindorf, und ab Januar 1979 lief der Countdown. Als Termin hatten wir Ende August ausgeguckt. Im gleichen Jahr wurde das Sobernheimer Innenstadtfest vorbereitet, es sollte am gleichen Wochenende gefeiert werden. Ich war Tenniswart im TC Rot-Weiß und habe glücklicherweise dazwischen gefunkt, dass es um eine Woche verlegt wurde. 15 Jahre fand das Weinfest im Festzelt am Saal statt. 1994 beim 16. gingen wir in die Dorfmitte, wo das ganze Ensemble rund ums alte Rathaus im Rahmen der Dorferneuerung aufblühte.

Wer waren Mitstreiter? Allen voran Alt-OB Werner Hilkene, Karl-Kurt Bamberger, Karl Mohr. Werner Nagel von der Sobernheimer Hauptschule war Anstoßer und hatte gute Ideen. „Nicht kleckern, sondern klotzen- das Weinfest fest verankern und ein Logo schaffen“- lautete die kaufmännische Philosophie von Helmut Götz, Werner Willerich machte die Kasse. Unvergessen bleibt Ilse Bauer. Es war unglaublich schön, dass mir alle zuarbeiteten. Das macht mich stolz. Übrigens: Das Signet von Wolfgang Klapp existiert heute noch.

Was war ihre Aufgabe? Ich habe Korrespondenzen geführt, eingeladen, die Verträge geschlossen, und konnte Englisch dolmetschen, als die „Kanadien Baden Rube Band“ aufspielte. Die Kontakte knüpfte Jürgen Bareiss. Die Band ging durchs Dorf und in Umzügen mit. Nachmittags war Weinprobe, abends ging es im Zelt weiter. Das proppenvolle Samstagsabendprogramm musste moderiert werden. Das war mein Ding. Weinfestausschussvorsitzender wurde ich erst später.

Erinnern sie sich an besondere Highlights? Da sind brillante Umzüge bis 1995 zu nennen. Die Original Meddersheimer Weinwaage und 14 Mal Ochs am Spieß mit eigenem Grill. Vor fünf Jahren beim 30. Weinfest hatten wir mit der heute 84-jährigen Helma Reidenbach die erste Meddersheimer Naheweinkönigin (1950) und mit Hilde Zimmer und Karina Beck I. weitere Majestäten auf der Bühne. Aus Kirschroth die Deutsche Weinkönigin Edelgard Bauer-Finter, Deutsche Edelsteinköniginnen saßen dabei und wir haben im Laufe der Jahre eigene Prinzessinnen wie Silke Hexamer oder Tanja Hehner hervorgebracht- das war schon klasse.

Gab es auch Reinfälle? Wie war das damals mit den „Cherry-Cats“? Oha, das war mir peinlich. Im Dorf wurde kolportiert, wir hätten die nur verpflichtet, weil wir von denen geküsst wurden. Nee, das war nix! Aber wir hatten Stars, Zauberer und atemberaubende Illusionisten, die sogar in Las Vegas Kasse machten. Der Alsdorfer Chor,  Saarländer um ihren Bandleader Pütz waren da, die Broichbach-Lerchen und die in Bad Kreuznach stationierte „Old Ironside“, die „1st Armored Division Band“. Mehrfach spielten US Bigbands oder klasse Formationen im Ort - und allen bleibt Meddersheim unvergessen.

Die Verlosung der Tombola war ihre größte Pläsier. Warum? Ja, absolut. Wir hatten eine Vielzahl hochwertiger Preise oder Gutscheine. Eine Reise in die Schweiz, am Sonntag zur Olivenernte nach Sizilien. Kurhäuser, Gastronomie, die Weingüter und die Stände zeigen sich sehr spendabel. Das Aufwiegen mit Wein über so viele Jahre ist als Alleinstellungsmerkmal etwas ganz Besonderes. Am Sonntag kamen extra Gäste aus Norwegen angereist, 2.500 Kilometer entfernt. Ich freute mich mit ihnen über ihren Gewinn. Unsere Verlosung war stets Highlight, nie Pausenfüller - wir haben in kürzester Zeit viele Menschen damit glücklich gemacht.

Ist das Feld bestellt und was machen Sie künftig? Ich bin guter Dinge, Gespräche wurden geführt: Friedel Schiffer aus dem Ort ist neuer Geschäftsführer beim Autohaus Nahetal, und er wird meinen Job übernehmen. Es wird mir nicht langweilig, der zweite Bauabschnitt der Sanierung der Meddersheimer Martinskirche ist in vollem Gange, auch im Freilichtmuseum gehöre ich einem Dutzend Fremdenführer an.


DA-NKE 35 -Wolfhart Dhonau

2008: Majestäten auf der Bühne

Aufwiegen mit Nahewein...

...ist Alleinstellungsmerkmal

Otto Reich (links) holte US-Big-Band