Bei Kirchenfusion Meddersheim-Merxheim-Monzingen geht ein Pfarrer von Bord

Kategorie: VG Sobernheim, Merxheim, Meddersheim, Monzingen, Kreis KH, Lokale News an Nahe und Glan, Einst & Heute

 

Fotos unten Merxheim. Die erste von drei Gemeindeversammlungen in der evangelischen Kirche in Sachen Kirchenfusion Meddersheim, Merxheim und Monzingen zu einer neuen Gemeinde mit Stichtag 1. Januar 2016 war gut besucht, seit Monaten hat ein Fusions-Vorbereitungskreis mit jeweils einem vierköpfigen Gremium in den drei „M“-Gemeinden seine Arbeit aufgenommen. Der Termin sei deshalb günstig, weil im ersten Quartal 2016 Presbyteriumswahlen anstehen - die jetzigen Konfirmanden werden wie bisher 2016 in ihren jeweiligen Orten konfirmiert.

„Schön, dass Sie sich auf den Weg gemacht haben“, begrüßte Pfarrer Jörg Ruttloff als Gastgeber und nannte drei Wünsche für die kommende Zeit. Eine „gute Fee“ komme nicht - es sei auch nicht alles Gold, was glänzt. Aber: Mit Herzblut, Müh` und Arbeit funktioniere gutes Gemeindeleben. Da seien die Kraft der Hände, der Verstand, das Herz und Gottes reicher Segen für unser aller Tun gefragt. Man wolle nicht die schönste Kirche im Kreis und in aller Munde sein, umso wertvoller sei, „dass uns etwas Wichtiges, eine Herzensangelegenheit gelingt“. Dazu wolle man inne halten, stehen bleiben und nicht allem hinterherlaufen, dem man gar nicht hinterher laufen will - sondern wie ein Baum von innen heraus wachsen. „Wir nehmen dieses Gemeindevotum sehr ernst“, bekräftigte Jörg Ruttloff.

Sein Meddersheimer Kollege Hansjörg Biegel ließ den Beschluss der Kreissynode des Kirchenkreises vom 16. November 2013, das erste „Nachbarschaftsgespräch“ am 18. Januar 2014 und die Sitzung am 10. Mai in Bad Kreuznach Revue passieren, wonach an Nahe und Glan nur noch sechs Pfarrstellen vorgesehen sind und wie die Arbeit in den Kirchengemeinden Meddersheim, Merxheim und Monzingen nach dem Ruhestand des Monzinger Pfarrers Manfred Kaspar Ende 2015 mit zwei Pfarrern nach der Fusion zu einer Kirchengemeinde organisiert werden kann. Eines sei bei der Quadratur des Kreises klar: „Es wird zu schmerzhaften Einschnitten kommen- weil nicht zwei das leisten können, was heute drei schaffen“.

In Arbeitsgruppen erörterten über 100 Teilnehmer auf farbigen Zetteln ihre Haltung zur Fusion und zu allen Themen wie Gottesdienste, Liturgie, Jugendarbeit, Presbyterium und Verteilung künftiger Gemeindearbeit. Von der Gemeindeberatung Organisationsentwicklung (GO) der evangelischen Kirche im Rheinland begleiteten der diplomierte Verwaltungswirt Werner Dotzauer und Jörg Rauber, Akademischer Rat an der Universität des Saarlandes für Evangelische Theologie diesen Austausch. Rauber verlas alle Karten, die roten zuerst: Dabei wurde deutlich, dass in allen sechs Gruppen bei den Evangelen aus den Dörfern der drei Kirchengemeinden Merxheim, Monzingen und Meddersheim die gleichen Sorgen und Nöte, etwa „Wo bleibt die Seelsorge?“, „Wie sind künftig das Presbyterium oder die Dienste strukturiert?“, die Menschen bewegen. Dies zeige nur eines, dass wir „alle im selben Boot sitzen und unsere Zukunft meistern müssen“, sagte Rauber. Landauf, landab müsse bei aller Sorge zwingend nachjustiert und zukunftsfähige Lösungen her. Studierende nehmen ab, Nachwuchs fehle und das treffe die Kirche insgesamt; - waren es vor drei Jahrzehnten noch 300 Examen, seien es heute nur noch 15, informierte  Pfarrer Hansjörg Biegel und sagte „Bange machen gilt nicht“. Erklärtes Ziel: Es werde am Ende eine neue Gemeindekonzeption mit einer Liturgie geben.

„So ein notwendiger Neuaufbruch, uns aufgezwungen wie manches andere, was wir zunächst als unwillkommene Erfahrung im Leben lieber ausließen“ wie Biegel es nannte, biete auch eine neue Chance und diese Zuversicht, Bereitschaft zur Mitarbeit und Neugestaltung war in der Mehrzahl auf grünen und gelben Zettel sichtbar notiert zu lesen. Und welcher Name soll die fusionierte Kirchengemeinde tragen? „Mittlere Nahe“, „Naheblick“, „Nahe-Soonwald“, „MeMoMe“  oder „Martinsgemeinde“, lauteten die Vorschläge, schließlich heißen die Gotteshäuser in Monzingen und Meddersheim Martinskirche. Bernd Hey.

IM DETAIL: Aus drei mach eins: Meddersheims Pfarrer Hansjörg Biegel mit Kirschroth und Bärweiler mit knapp 1900 Einwohner zählt 1000 Gemeindeglieder, Monzingens Pfarrer Manfred Kaspar betreut mit Nußbaum, Auen und Langenthal 1500 Evangelen und Merxheim um Pfarrer Jörg Ruttloff mit Weiler, Seesbach und Martinstein um 1400 Gemeindeglieder. Die drei sollen zu einer Kirche fusionieren. Künftig kommen auf einen Pfarrer 3000 Gemeindeglieder. Diese Zahl wird für die neue Kirchengemeinde nicht erreicht, doch die ländlich geprägte Struktur mit zeitraubenden Anfahrten werde berücksichtigt und war ebenfalls Thema wie die ironische Frage „Wann gibt es nur noch eine Pfarrstelle?“


Fusions- Vorbereitungskreis

Merxheimer Gruppe

Gruppe Meddersheim / Kirschroth

Teilansicht: Über 100 kamen

Gruppe Monzingen