Berufsschule Kirn: Mit Gerhard Barth geht eine Koryphäe-Chapeau Barth-G.

Kategorie: Schule, Wirtschaft, Personenportrait, Leute nebenan, Lokale News an Nahe und Glan, Kreis KH

 

ZwinkerndLachendKirn. Mit dem Dreisatz durchs Leben – dies war zeitlebens Philosophie des 65-jährigen Becherbacher Berufsschullehrers und Studiendirektor Gerhard Barth: „Auf die Persönlichkeit des Lehrers kommt alles an. Der Wert aller Methoden und Verordnungen ist zweifelhaft“ - dieses Zitat von Literaturwissenschaftler Friedrich Heinrich Weddigen auf der Einladung seiner Verabschiedung an der BBS in Kirn konnte treffender nicht sein. Da nahm ein ganz großer und beliebter seinen Hut.

Apropos Hut: Im voll besetzten BBS-Filmsaal setzte sich der Laudator der ADD Koblenz, Oberstudiendirektor Walter Ellermeyer einen Sommerhut auf, um ihn vor der Person Gerhard Barth zu ziehen: „Gewöhnlich überreicht die ADD Urkunden. Sie bringt grundsätzlich keine Geschenke mit und verabschiedet nicht - das ist Sache der Schule“, sagte Ellermeyer. Daher tauschte er trickvoll mit dem für Gerhard Barth bereits durch ADD Ernennungsschreiben kommissarischen, 60-jährigen Stefan Sitzenstuhl aus Simmern die Rollen, damit er, Ellermeyer, dem scheidenden Schulleiter „Barth G.“ zwei Geschenke überreichen konnte. „Nach intensiver Sichtung der Lektüre Personalakte war ich fasziniert. Ihnen gebührt großer Dank und Respekt“, sagte Ellermeyer. Fast 36 Jahre lang, über 7000 Schultage sei Barth nie unpünktlich gewesen und habe die Berufsschule mit Herzblut gelebt und verkörpert wie kein Zweiter. Als „Kind der Region“ sei Barth in allen Bereichen und Lebenslagen eine Konstante gewesen, habe sein Lebensumfeld nur zwei Mal für die Studienzeit in Landau und für die Grundwehrzeit in Baumholder verlassen. Schon 1977 bei seiner schulischen Ausbildung habe der Mathematiker komplexen Methodik-Unterricht vorgelebt und die „Eigentätigkeit der Schüler“ in sein Denken und Handeln gestellt. Sein Monatslohn damals betrug 850 D-Mark, plauderte Ellermeyer mit Genehmigung von Barth G. aus dem Nähkästchen, „und dann machte er noch etwas vollkommen Irres: Er kündigte sein Beamtenverhältnis für eine Berufsausbildung“. 1980 begann seine Lehre als Feintäschner, die er erfolgreich ein Jahr später, 1981, abschloss, weil damals bei geschätzten 4000 Arbeitsplätzen in Kirn in der Lederwarenindustrie Berufsschullehrer fehlten und der Becherbacher ein einziges Ziel verfolgte: Lehrer an der BBS Kirn zu werden.

Studiendirektor Thomas Bursian begrüßte, zwei volle Stunden würdigten Vorgesetzte, Weggefährten und Kollegium den beruflichen Werdegang und die epochale Leistung einer überaus geschätzten BBS Institution und reihten eine Episode an die nächste Anekdote.

Landrat Franz-Josef Diel überbrachte die Glückwünsche von Kreistag und Kreisbevölkerung: Die Berufsschule als Übergang in die Berufs- und Erwachsenenwelt genieße vor dem Dreiklang Ausbildung, Elternhaus und Schule einen immer größeren Stellenwert, junge Menschen und sozial schwächere mitzunehmen, sagte Diel sinngemäß. Über sein mathematisches und naturwissenschaftliches Wissen hinaus sei seine humorvolle Art und seine grundpositive Empathie gegenüber den Schülern besonders einzuordnen: „Dass sie ihrer Berufung und der Region treu geblieben sind, ehrt sie“.

Zu selbstständigem Handeln habe Barth die Jugendlichen hingeführt – Diel zitierte eine Altersweisheit: „Jugend braucht straffe Zügel, die sie weder merkt noch spürt. Sie muss meinen, sie hätte Flügel, während sie kluge Weisheit führt!“

Der örtliche Personalratsvorsitzende und BBS-Oberstudienrat Erich Braun, sprach von einem innigen Verhältnis: Barth habe die Stundenpläne genial gemeistert, mit seiner humorvoll-ausgleichenden Art sei er im besten Sinne des Wortes einer der alten Schule, Leiter und Lenker gewesen, den man sehr vermisse. Das Kollegium griff tief ins Portemonnaie und schnürte einen vollbepackten Rucksack. Sieben texteten und reimten ein ellenlanges Gedicht über seine Marotten, Lust und Laster. Von einem Rechengenie war da die Rede, von einem Lexikon auf zwei Beinen – Barth ist bekanntlich TV-erfahren und war bei Wim Thoelke im „Großen Preis“.

Der Stellvertretende Landesvorsitzende vom Lehrerverband (VLBS), Willi Detemple nannte ihn einen treuen und loyalen Freund über Jahrzehnte. Als Dienstälteste Rektorin überbrachte Margit Mickley von der benachbarten Wilhelm Dröscher Schule die Glückwünsche aller Kirner Schulen und landete mit einer „Bikini-Rede“ (das wichtigste knapp bedeckt und schön verpackt) einen Volltreffer, indem sie seine kollegiale Art und Leistung auf den Fußballplatz verlegte. VG-Bürgermeister Werner Müller lobte ebenfalls in einer persönlichen Laudatio den Becherbacher und blickte fast 50 Jahre zurück, als in jedem Ort noch ein Fußballverein kickte: „Vom Laufen hielt er nicht viel, aber er spielte strategisch klug“, lobte Müller seinen Gegenspieler. Er überbrachte auch die Glückwünsche des anwesenden Stadtbürgermeisters Martin Kilian, von Rat, Verwaltung und Bürgern aus Stadt und Kirn-Land. Paul-Gerhard Wagner vertrat als Obermeister die Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und überreichte mit Geschäftsführer Gerhard Schlau von der Bad Kreuznacher Geschäftsstelle ein Präsent.

„Schön war die Zeit“ blickte der amtierende Becherbacher MGV Vorsitzende in seiner lockeren Art im Beisein seiner Frau Anneli und den Kindern Steffen und Christiane emotional bewegt zurück. Über sechs Jahre war er Stellvertreter, kommissarischer BBS Leiter – in 30 Jahren sei die Berufsschule Kirn zu 70 Prozent kommissarisch geleitet worden, sagte Barth. Helena und Luisa Wenke umrahmten musikalisch die Feierstunde.

Zu den Fotos: Landrat Franz-Josef Diel (von links), Gerhard Barth und seine Frau Anneli und Oberstudiendirektor Walter Ellermeyer von der ADD Koblenz. Und: Der kommissarische Leiter Gerhard Barth (65 Jahre, rechts) wurde an der BBS Kirn verabschiedet. Sein Nachfolger, Stefan Sitzenstuhl aus Simmern (links) überreichte Barth die Entlassungsurkunde der ADD und Geschenke – es war Barths 11.te und letzte Urkunde.LachendZunge raus