Kalpers kümmerte sich fürsorglich um "Fritz" - 600 kamen auf Kyrburg

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Fotos am Textende. ANKLICKEN. Kirn. Einen unvergesslichen Abend als Benefizveranstaltung für die Soonwaldstiftung „Hilfe für Kinder in Not“ unter dem Motto „Zauber der Musik“ mit Startenor Johannes Kalpers, dem in Moskau geborenen renommierten Pianisten Dmitrij Koscheew und der österreichischen Sopranistin Eva Lind erlebten 600 Zuhörer an einem herrlichen Sommerabend auf der Kirner Kyrburg. Auffallend: Viele Gäste kamen von weither angereist. Der Shuttle-Service klappte reibungslos – im Vorfeld begrüßte die Jagdhornbläsergruppe Hellberg Kirn als frisch gekürter Landesmeister.

Nach Kirn kommen, sei wie nach Hause kommen; - daraus machte der 53-jährige gebürtige Koblenzer Solist nach Gastauftritten 2013, 2015 und 2017 in Kirn keinen Hehl und plauderte aus dem Nähkästchen. Souverän und professionell mit all seiner stimmlichen Brillanz begrüßte Johannes Kalpers mit seinem Gassenhauer „Musik ist meine Welt“. Ein erstes Raunen ging durch die Reihen, als er Franz Schuberts romantisches wie beliebtes Kunstlied vom Lindenbaum „Am Brunnen vor dem Tore“ andächtig-lässig und jede Zeile auskostend, geradezu zelebrierte, und dazu animierte, „einmal das Geduddel im Alltagstrott auszulassen“ und solche Lieder zu singen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.

Noch während einem europäischen Medley von der „Julischka aus Budapescht“, „Ganz Paris träumt von der Liebe“ oder der Aufforderung von Franz Leha`r aus der Operette „Die lustige Witwe“ zum Gang ins Maxim krachte der Stuhl des Kirner Ehrenbürgers Fritz Wagner in der ersten Reihe zusammen. Der Altbürgermeister fand sich auf dem Hosenboden wegen der zersplitterten Kunststoffteile in einer misslichen Lage, verletzte sich leicht, und dies war eine Schrecksekunde. Johannes Kalpers sang weiter, „business as usual“. Als das Lied zu Ende war, erkundigte er sich: „Fritz, geht es Dir gut? Das Herz ist mir fast stehen geblieben und in die Hose gerutscht!“ Alles gut. Für den früheren Stadtchef gab es aufmunternden Extraapplaus, und Kalpers kündigte die charmante Eva Lind an, die singend und freudestrahlend in einem leichten Sommerabendkleid sich ihren Weg durchs Publikum auf die Bühne bahnte. Auch sie blühte „bei Kaiserwetter“ in Kirn so richtig auf, plauderte über Franz Schuberts weitere 15 Geschwister, seine Schaffenskraft mit über 600 Liedern und sang eines der Schönsten: „Die Forelle“. Von Giacomo Puccinis einaktiger Oper stammte die Arie der Loretta „O mio babbino caro“, wo die Tochter den Vater erpresst und in den Fluss Arno springen will. Brillant meisterte sie höchste Schwierigkeitsgrade, interpretierte in Italienisch in Mimik und Gestik die Textdramatik bis ins melancholische, und zog im Kontrast dazu jubilierend das Publikum beim  „Frühlingsstimmenwalzer“ von Johann Strauß, einem ersten Superstar der Musikgeschichte, restlos in ihren Bann. Dafür erntete sie Beifallsstürme. Übrigens: Strauß lag die Damenwelt zu Füßen, „eine seiner schwarzen Locken war ein begehrtes Souvenirs – glücklicherweise hatte er mehrere schwarze Hunde“, wusste die Künstlerin zu berichten….

Sonderapplaus und Bravorufe für den kongenialen Pianisten Dmitrij Koscheew, Jahrgang 1960, der fingerflink und authentisch aufgrund seiner Vita eine weltklasse-leistung bot und einfühlsam wie originell begleitete.

„Gesang, Kulisse und Ambiente – alles traumhaft“- äußerten Elsbeth und Hanfried Lantz aus Kirschroth - dies war allgemeiner Tenor. Im knallroten Abendkleid mit Pailletten eröffnete Eva Lind mit der „Csárdás-Fürstin“ und einer Hommage von Johann Strauß junior „Draußen in Sievering“ wo schon der Flieder blüht, den zweiten Teil. Beim „Viljalied“ aus der lustigen Witwe von Franz Lehar war Mitsingen angesagt und in diesem Kontext wurde der Evergreen „Ich hätt getanzt heut´ Nacht“ aus der Mutter aller Musicals „My fair Lady“ ebenfalls gefeiert. Zugabe von Eva Lind war das neapolitanische Volkslied „Funiculi Funicula“. Von Robert Stolz („Ob blond ob braun…“), ein Wiener Medley und das textstarke „Es war einmal“ von Paul Linke waren wie „My Way“ von Frank Sinatra oder „Wonderful World“ von Sachmo Louis Armstrong beliebte Reminiszenzen von Johannes Kalpers der im Duett mit Eva Lind „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ oder dem Liebes-Duett „Lippen schweigen“ perfekt harmonierte und theatralisch und optisch-romantisch den Kniefall nicht scheute. Johannes Brahms Wiegenlied „Guten Abend, gut Nacht“ war krönender Abschluss. Herbert Wirzius dankte mit Präsenten und lud die Gäste für 2021 in die Lützelsoon-Halle Hennweiler ein, wenn der Förderverein 25 Jahre und die Soonwaldstiftung 20-jähriges feiert.


Johannes Kalpers und Eva Lind

Seine Frau und Familie

Da hielt der Stuhl noch...

Der Pianist leistete großes Pensum

romantische Stimmung