Stiefeltrunk ist bei Kerb in Kirschroth mitten uff de Gaß` Straßenfeger

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Fotos unten anklicken-Textende. Kirschroth. Die Weinbaugemeinde am Fuße des Wildgrafenbergs feierte eine fulminante Kerb, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Beim Neujahrsempfang der Gemeinde wurde die Idee geboren, beim Weinwanderwochenende der Interessensgemeinschaft Weinfest mit den drei „W´s“ am 12. und 13. August als besonderes Highlight nach Jahrzehnten den Stiefeltrunk aufzuführen. Geprobt wurde im Gasthaus Schlarb, das bekanntlich am Wochenende zum letzten Mal die Kerb ausrichtete und sein 160-jähriges Jubiläum feierte.

„Ja, wir hatten bei den Proben allergrößten Spaß und Pläsier – so etwas schweißt die Dorfgemeinschaft ungemein zusammen“, sagte Benjamin Reidenbach, der vom Text her als Rheingraf und Gastgeber des Gelages souverän den größten Part meisterte. Regie führte Stefanie Schlarb, – und natürlich war die Laienspielschar mit Elan und Feuereifer dabei, damit bei der Kerb in der vollbesetzten Hauptstraße die Generalprobe gefeiert werden konnte.

Einer uralten Sage nach soll Ritter Boos von Waldeck bei einem Zechgelage auf der Burg Rheingrafenstein das Dorf Hüffelsheim erhalten haben, weil er einen Stiefel Wein in einem Zug leerte. Als die Feste „Rund um die Naheweinstraße“ ab 1971 gefeiert wurden, war es Hans Stassen, der den legendären Stiefeltrunk mit seinen Naheland-Originalen und Berühmtheiten aufleben ließ, ohne das die Akteure in der Realität sich jemals begegnet wären. Die Kirschrother Laienspielschar glänzte durch originelle und detailverliebte Authentizität, hingebungsvolle Spielfreude, war hübsch und stilecht kostümiert und wurde auf ganzer Linie gefeiert.

Das achtjährige Geburtstagskind Fritz Schlarb trommelte das edle Volk herbei – dem Bub wurde ein Ständchen gesungen. Den Prolog und die Einleitung des Schauspiels, wie es sich einst zugetragen haben könnte, sprach Christoph Hartmann. Hauptredner war der Rheingraf von der Burg Rheingrafenstein über  Bad Münster, Benny Reidenbach. Ihre Weinmajestät hieß Romy I. (Romy Borger). Ralf Bachmann spielte einen Kirschrother Lump und Barde, Willi Krauth den Kirner Wildgrafen, Erich Mieck den Abt Trithemius und Hannes Bachmann mimte den Reichsritter Franz von Sickingen. Markus Schneider war die Rolle der Hildegard vom Disibodenberg wie auf den Leib geschneidert: „Auch wenn sie keinen Mann begehrt – hat sie manchen doch belehrt“.

Als „Schinderhannes“ trieb Markus Schlarb auf der Bühne beim Rittergelage als Dieb und Beutelabschneider sein Unwesen und „mopste“ alles, was nicht Niet- und Nagelfest war - sein „Julchen“ war hübsch kostümiert und heißt Tobias Barth.

Mitten ins Spiel mit herrlichen Szenen bahnte sich „Utsch“, der Jäger aus Kurpfalz (alias Mario Schlarb) mit den Waidmännern Tobias und Uli Hehmann und einer echt-„ausgestopften“ Wildschweindecke über der Schulter durch einen Zuschauerpulk den Weg durch die Hauptstraße zur Bühne. Im Gefolge war die eigens gegründete Winzertanzgruppe, die mit fliegenden Röcken herrliche Tänze unter der Choreografie von Petra Heß aufführten.

Last but not least hieß der Schluckspecht „Boos von Waldeck“ Wilfried Schlarb, der sich das Stiefelchen mit einem Liter Wein zu Gemüte führte und ganz theatralisch mit einem Zug leerte: „Der Nahewein soll jedes Herz erfreu´n, hick´s“ – mimte „Kunneraths Wilfried“ den beschwipsten Trunkenbold, und ließ sich widerstandslos von hübschen Winzermädels einhängen und unter Beifall "abführen". Natürlich werden Laienspielschar und Winzertanzgruppe aus Kirschroth noch auf meheren Festen der Region als ein wahrer Augenschmaus zu sehen sein und die Kultur hochhalten.

Wörtlich: „Bin nur gewohnt an Zaubertrank – käm` nicht mehr hoch von dieser Bank“, lehnte die Hildegard den Stiefel dankend ab. Und der Kirner Wildgraf (Willi Krauth): „Ganz Kiere wär´ von Sinnen – tät ich Hüffelsheim gewinne“. Ralf Bachmann: „Werter Reichsgraf- erspar mir die Pein. Ich trank zehn Becher – mehr geht nicht ´rein!“


Herrliches Schauspiel

mitten uff de Gaß`

Der Stiefeltrunk und

Winzertanzgruppe

waren Hingucker