Irene mit dem "Venter Kaarl" in Meddersheim seit 70 Jahren verheiratet

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Meddersheim. An Heiligabend 2012 feierten Karl und Irene Venter, geborene Blasius, das seltene Fest der Gnadenhochzeit. Hochzeit am Heiligen Abend 1942. Wie war das vor 70 Jahren? Die Story erinnert eher an Maria und Josef in Bethlehem als an heutige TV-Soaps wie etwa „Bauer sucht Frau“. Auch Irene aus Oberstreit war Hochschwanger, Ochs und Esel und die Krippe im Stall waren ihr und ihren sieben Geschwistern vertraut. Sie gehörte einer anderen Konfession als ihr Liebster an,  wurde nicht mit offenen Armen in der neuen Familie empfangen. Und es war Krieg; - ihr Freund Karl kurzerhand abkommandiert nach Hamburg zur Kriegsmarine und zu den U-Booten.

Kennen gelernt hatten sich die jungen Leute im Sommer 1940 bei einer Radtour entlang der Nahe. Wenigstens an Weihnachten wollte Karl unbedingt zu Hause bei seiner Irene sein! Und deshalb „kottelte" er mit dem Spieß“, ließ bei Vorgesetzten nicht locker und versprach ihnen alles Mögliche, Nahewein und Edelstein: „Das war mein Glück“ – Kriegserinnerungen und Ängste werden plötzlich lebendig: Alle die mit dem U-Boot ausliefen, wo er mit sollte, blieben „unten“ auf dem Meeresgrund, und kehrten von der Feindfahrt nicht heim.

Der Merxheimer Pfarrer Bindseil sah die „Bescherung“ und schaute Irene in ihrer freudigen Erwartung an:  „Kommt morgen um 11 Uhr, dann werdet ihr in der Meddersheimer Martinskirche mit der Mittagsglocke getraut“, erinnert sich Irene Venter. Schlicht und einfach „ohne Brautschleier oder Bimbam drum`rum, ohne Brimborium“ war zuvor die standesamtliche Trauung im Amt Sobernheim gewesen, man habe „gegessen, Kaffee getrunken und fertig“. Karl Venter kam später zu einer Art Über-Land-Kompanie für spezielle Aufgaben und führte eine „Feldpostliebe“. Bei seiner Gefangennahme nach dem D-Day der Alliierten wog er noch 45 Kilogramm - er kam über Belgien nach England und Schottland in prächtige Schlösser, wo heute König´s residieren, und nach fast vierjähriger Gefangenschaft am 20. April 1948 nach Hause.

Donnerstags zuvor wurde der Jubilar 92, die Seniorin feierte im Oktober ihren 91.Geburtstag, das Paar zählt zu den ältesten in der Weinbaugemeinde. „De Venter Karl“ ist alteingesessenes „Meererschummer Urgestein“, Weinbau und Landwirtschaft, Dreschmaschine, Grumbiere- Dämp und Mähdrescher waren sein Lebenselixier. Seine Frau arbeitete in Marums Strumpffabrik in der Felkestadt: „Wir hatten nix und mussten arbeiten, dass wir leben konnten. Je schlechter es uns ging, desto mehr haben wir zusammen gehalten“, sagt Ventersch Base. „Es war ein Kampf- aber schreib bloß net alles, das kann heut` keiner versteh`n“, sagt sie verschmitzt. Nie gab es ein falsches Wort mit ihrem Karl, erst seit fünf Jahren kommt die Sozialstation zur teilweisen Pflege. Das Jubelpaar ist geistig noch rege und fit, bis dahin fertigte Karl Venter noch Körbe, und er stand als Experte mehrmals vor TV-Kameras. Die Gartenarbeit war ihr gemeinsames Steckenpferd, in drei Jahrzehnten kam das Paar mit einem Urlaub aus. Sohn Bruno lebt mit seiner Frau Magdalena im Meddersheimer Elternhaus, Sohn Wolfgang mit Familie in Weiler. Die beiden Enkelkinder Markus und Mario sowie Urenkel Verena zählen zu den ersten Gratulanten am Altenberger Bach im Unteren Winkel 1. „Wer gratuliere kimmt, is do“, sagen Venters pragmatisch, natürlich steht die Tür am Heiligen Abend offen.


Gnadenhochzeit: Irene und Karl Venter