NAHE-PORTRAIT: Otto Reich lebte seinen Traum und ist Kumpel geblieben

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Er war einst Vize-Präsident von American-Express - Nach Crash aus Hochstetter Kellerloch gerettet

Portrait-NAHEREGION: Mit 150 Freunden und Bekannten, der Becherbacher Feuerwehr und dem Schmidthachenbacher Musikverein feierten Otto Reich und seine Frau Rosemarie, geborene Kirchner, am Tag ihres 75. Geburtstages nach 50 Jahren das Fest ihrer Goldenen Hochzeit. Das war 2004. Am 5.Juni 1954 wurde nämlich geheiratet. Otto Reich blickt mit seiner Frau zufrieden auf ein erfülltes Leben zurück und das Paar schämte sich ihrer Tränen nicht, als damals der Schmidthachenbacher Pfarrer und Notfallseelsorger Thomas Lehr während dem gemeinsamen Festgottesdienst Tiere erzählen, und mehr als 50 Jahre Revue passieren ließ. Allen voran Häschen Peterlein und ihre beiden Dackel Wuschel und Bubi, denn Tiere lieben Reichs über alles und haben sich über Gebühr im Tierschutzverein der "Edelsteinmetropole" engagiert. Am 6. Februar 1930 erblickte Otto Reich in Pforzheim das Licht der Welt, seine Frau Rosemarie wurde am 27. August 1929 in Macio in Pernambuco /Brasilien geboren. Als der Großvater, Dr. Scherchlich, ein in Idar- Oberstein weltbekannter Arzt mit überwiegender Klientel armer Leute, der oft in Naturalien entlohnt wurde, starb, kam sie mit ihren Eltern 1934 an die Nahe zurück. Otto Reich lernte ursprünglich Großhandelskaufmann und war Volontär in der Druckerei "Schiffgen Exakt", der späteren Druckerei Dr.Gebhardt und Hilden GmbH, die um 2006 von "odd" Bad Kreuznach übernommen wurde. Und wie fanden sie zueinander? "Das war schon damals Vorsehung und höhere Fügung", erzählt der heute über 80-Jährige. Ende September 1952 hatte Otto Reich als Beifahrer in der Ortslage Hochstetten/ Dhaun einen schweren Verkehrsunfall. Als die Rettungskräfte Fahrer und Fahrzeug bargen, blickten aus einem Kellerloch noch Beine hervor. Rein zufällig wurde er später gefunden. Man brachte Otto Reich ins Kirner Krankenhaus und einen Tag später ins Städtische Krankenhaus in Idar-Oberstein, wo Rosemarie Kirchner die bildhübsche Stationsschwester war, die dem Schwerstverletzten in der Nacht ihr eigenes Essen anbot. Von da an waren die beiden ein Herz und eine Seele, unzertrennlich. Und ab da ging der berufliche Werdegang von Otto Reich steil bergauf: "Nur dank der Mithilfe meiner Frau. Denn hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau", verteilt der Charmeur ein dickes Kompliment. Wirtschaftswunderjahre beflügelten einen Aufstieg, der sich im Nachhinein wie der berühmte amerikanische Traum anhört. Otto Reich fing als "ganz normaler" Schalterkassierer bei American Express in Baumholder am 21. Januar 1952 an. Als er 43 Jahre später ging, war er bei American Express weltweit Vizepräsident und Verwaltungsdirektor ("Branch- Administration-Officier") des Imperiums, er leitete 26 Filialen mit 620 Angestellten, 65 Prozent amerikanischen und 35 Prozent deutschen Mitarbeitern. 65-jährig ging er 1995 in den Ruhestand. Nie haben die beiden ihre Wurzeln vergessen und blieben bodenständig, wohnen in Schmidthachenbach und nahmen stets regen Anteil am Ortsgeschehen. Das Paar blieb kinderlos, langweilig wurde es ihnen aber nicht: Für seinen Fahrer war Otto Reich "mein großer Bruder" und seine Sekretärin sprach Mitte der 1990-er Jahre von mehr 1.600 "hochrangigen" Geschäftseinladungen, oft glich ihr abgeschottetes Anwesen einem Hochsicherheitstrakt, wenn Persönlichkeiten im Konvoi oder mit dem Hubschrauber einschwebten. Otto Reich ist Träger vieler hoher US-Auszeichnungen wie der "Outstanding Civilian Service Medal", vergleichbar dem Bundesverdienstkreuz. Ronald Reagan, Gerald Ford und Bill Clinton, angesehene amerikanische Präsidenten haben die Reichs persönlich kennen gelernt. Sie schätzen den Ex-US-Außenminister Colin Powell als ihren persönlichen Freund. Otto Reich sitzt noch immer in hohen deutschen Wehr- und Verteidigungsgremien. Zur Weihnachtszeit gingen oft über 200 persönliche Wünsche an "VIP`s" die diesen Namen verdienen. Schon immer hat er "alten Kameraden", der US-Flagge "Stars & Stripes", und natürlich auch der Deutschen die Treue gehalten, und der Blasmusik gefrönt. Seiner Fürsprache ist es zu verdanken, dass große US-Militärbands wie die seinerzeit in Bad Kreuznach stationierte "Old Ironside" oder in Mannheim-Sand stationierte Top-Musikkapellen hier an der Nahe spielten und auftraten. Noch immer werden Weggefährte und Freunde besucht, Freundschaften und natürlich ihre Tiere gepflegt. Mit Reichs Hilfe konnte der Idar- Obersteiner Tierschutzverein mehr als ein Auto anschaffen. Das Paar wanderte gerne und unternahm 2006 eine 2500 Kilometer lange Reise durch den Schwarzwald, die Alpen, Schweiz und Österreich.


Meddersheimer Weinfest

Amerikanische Freunde

Rosemarie & Otto Reich

Big Band der US Armee