Dorfladen: Ein Kampf zwischen Erfolgsstory und Insolvenzanmeldung

Kategorie: VG Kirn-Land, Becherbach

 

November 2010, Hauptversammlung: Hart aber fair: Seit 1997 stellen sich die Mitglieder erfolgreich einem harten Konkurrenzkampf und den Regularien freier Marktwirtschaft- Werbung läuft an!

 Smiley Becherbach. Seit Bestehen des Becherbacher Dorfladens 1997 wird in dieser Woche erstmals im Amtsblatt ein Wurfzettel über Öffnungszeiten und attraktive Angebote von Bäcker und Metzger Reklame machen. Dem Wirtschaftlichen Verein als Betreiber mit Werner Barth an der Spitze liegt die Grundversorgung der Dorfbevölkerung sehr am Herzen. Attraktive Sonderangebote und Sonntagsbrötchen locken, an sieben Tagen in der Woche ist der Dorfladen in der Hauptstraße 31 geöffnet, 1350 Artikel sind gelistet. Die aktuellen Umsatzzahlen von 2010 sind wegen Baustellen und Umleitungen in Nachbarorten sowie der monatelangen Sperrung der Kirner Vorstadt äußerst positiv: „Wir sind der größte Arbeitgeber im Dorf“, machte Vize Udo Barth deutlich. Man beschäftige sechs Mitarbeiter, bediene Steuerberater, Berufsgenossenschaft und Finanzamt. Im Jahresabschluss 2009 sind 3.968 Euro Steuern und Abgaben, 1.169 Euro Zinsen an Banken und 20.600 Euro Umsatzsteuer ans Finanzamt ausgewiesen. Die Gewinn- und Verlustrechnung wird angeführt von fast identischen Umsatzerlösen in Höhe von 201.559 Euro (2008: 201.710 Euro). Der Wareneinkauf lag bei 157.135 Euro, die Personalkosten betrugen 29.030 Euro. Die Bilanzsumme beträgt 32.188 Euro, das Umlaufvermögen 21.329 Euro bei einem Warenbestand von 19.933 Euro. Verbindlichkeiten bestehen in Höhe von 20.529 Euro. Gegenüber einem Verlust von 1565 Euro in 2008 wurde im vergangenen Jahr ein Gewinn von 988 Euro erzielt.
   Der frühere Bürgermeister Werner Barth (74) übernahm vor zehn Jahren den Vorsitz des Wirtschaftlichen Vereins. Er warb um seine Ablösung und machte deutlich, wie arbeitsintensiv dieser Gewinn von Mitarbeitern und Vorstand generiert wird. Ein Nachfolger bei der Mitgliederversammlung fand sich nicht. Barth zeigte sich über mangelnde Unterstützung maßlos enttäuscht, außer Vorstand und Mitarbeitern waren nur zehn „Aktionäre“ da. Er kümmert sich wie kein Zweiter um den Dorfladen und läutete persönlich sein letztes Jahr ein: „Ich mache das mit 75 Jahren nicht mehr. Es muss sich jemand finden, der weiter macht!“, war klare Ansage. „Kommissarisch auf mehrere Schultern klappt das nicht!“, meinte Werner Barth, und stellte die Verantwortung gegenüber der Gemeinde, Mitgliedern, Personal und Lieferanten heraus. „Wir sind weit und breit der einzige Dorfladen, der als Verein noch existiert. Aber all die Jahre waren hart und gingen bis zur Brutalität, es war kein Zuckerschlecken“, zog Barth ein Resümee und dachte an eine lang zurückliegende Diebstahlaffäre. All die Jahre habe er zum Jahreswechsel an eine Insolvenzanmeldung gedacht, aber man habe den Dorfladen mit viel persönlichem Einsatz und Engagement erhalten können. Leidig: Extrem steigende Energiekosten erregten die Gemüter. Die einen gaben Fotovoltaik die schuld, die anderen prangerten überteuerten Atomstrom an. Als 1996 „Schlarbe Renate“ das Geschäft mitten im Ort an der L 182 dicht machte, betrieb ein Wirtschaftlicher Verein den Laden weiter. Die Gemeinde mit einer Bürgschaft in Höhe von 15.000 Euro sowie die 58 Mitgliedsanteile mit „Einlagen“ von 5.904 Euro bilden die Geschäftsgrundlage. 
 


"Danke!" an Werner Barth

...aber wie gehts weiter?