Meddersheim - Dorf mit reiche Ackerern, starke Ochsen und dicke Rummele

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Fotos nach Text unten! Meddersheim. Zur feierlichen Einweihung des Gemeindesaales nach dreijähriger Sanierung für 338.000  Euro schickten Gemeinde- und Städtebund und die Landesregierung um Projektleiterin Martina Helffenstein drei Prüfer in die 1338-Seelen zählende Weinbaugemeinde. Allen Unkenrufen und Landdepressionen zum Trotz entlockten sie bei einem Jahreshighlight den Bürgern Kuriositäten und Anekdoten und inszenierten ein überaus kabarettistisch-heiteres Spektakel.

Mit dem gastierenden Heimatvarieté „Saalü!“ gelang dies vortrefflich –und dabei wurde deutlich, dass „Maeraschum“ seit alters her weithin als das Dorf mit den „größten Ochsen und den dicksten Rummele“ war, und deren vor Reichtum strotzenden Ackerern und Weinbauern zahlreichen Nachbarorten viel Geld lieh und zwischen Weihnachten und Neujahr Zins- und Zinseszins einstrich. So erzählte es einer, der es wissen muss: Reinhard Beck, Jahrgang 1931, nahm auf der Bühne Platz und plauderte derart Episoden und Raritäten aus, dass die Zuhörer ihm gerne noch immer an den Lippen kleben würden, ohne dass er das dörfliche Treiben gut heißen würde: Ja, früher wurde geklaut „wie die Atzele“, wann immer die Jugend zusammensaß, sei das Imbs mit Wein und einem „Stück vom Schwein, Worscht oder Gehacks“ gestohlen gewesen, plauderte der Senior aus dem Nähkästchen. Nicht selten habe man „schmächtige Kerlcher am Strick durchs Kellerfenster abgeseilt, einen Eimer Wein zu zapfen….“

Kein „Staurummer Gebabbel“ sei die Tatsache, dass man denen Liquidität sicherte und viel Geld lieh. Beck zitierte Aufzeichnungen vom 20. Jahrhundert zurück bis 1850. „Waren die Staudernheimer damals die Griechen von heute?“ hakte zur Freude des begeisterten Publikums Saalü! „Abteilungsleiter“ Wolfgang Müller nach – und ob es wahr war, dass früher der Jahreslohn einer Magd 30 Taler, ein paar Schuhe und ein Kind betrug?. Beck schwieg verlegen, wechselte das Thema und berichtete, dass man Ochsen Rotwein zur Stärkung gab, weil sie aus dem dortigen Steinbruch schwere Karren durch die Nahe ziehen mussten. Wie ein Kaleidoskop und mit Brennglas reflektierte das Team Müller mit seinem schlauen „Assistänzer“ Mark Welte und der Praktikantin Charla Drops Bürgermeinung. Ihnen entging nichts, dem Trio muss man eine glänzende Vorarbeit zu diesem dreieinhalbstündigen revuemäßigen Kabarettabend bescheinigen. Die Zuschauer honorierten pantomimische Extraklasse; - mehrfach erhielt die Entertainerin etwa als „Happytologistin“, Knall-auf-Fall singende Diva im Apollo-Chor oder als feurige Flamenco-Tänzerin mit Stierkampf- Eskapaden für ihre brillante Einlagen in komischer Mimik und Gestik heftigen Szenenapplaus.

Im ersten Dorfgespräch mit Politiker-Check kalauerten die Entertainer mit dem Dorfoberhaupt Renate Weingarth-Schenk, wie trinkfest man im gelobten Land an der Naheweinstraße sein muss, wenn man sich „den Wein schon in den Namen schüttet!“- und überhaupt: „Wird hier niemand gewählt, der nicht genug Wein kippen kann?“. Die geografische Lage kannte sie genau und über den „Heidlochsgraben“ scheint Gras gewachsen: „Och, wir haben sieben und das achte Neubaugebiet wollte dann niemand mehr – die Meddersheim dachten, wir wollen unter uns bleiben“- machte sich die „Ob“ im wahrsten Wortsinne ihren eigenen Reim auf`s Dorf. Amüsant, heiter und mit stoischer Gelassenheit gesellte sich Ilse Schmidt aus der Kirschrother Straße hinzu: „Dehääm is keener der zuhört – hier sin´ Leit“ frohlockte sie, und trug ihr Gedicht „Vunn de Noh“ vor. Da hörte man die Stecknadel fallen, Fazit: Wir sind nicht vom Hunsrück, aus der Pfalz oder vom Rhein – wir sind stolz, von der Nahe zu sein! Beifallsstürme brandeten auf. Das Heimat-Varieté machte seinem Namen alle Ehre, und natürlich erhielt jede Gruppe und jeder Akteur ein Zertifikat samt Stempel „per ordre de Mufti“.

Weitere Mitwirkende im 19-Punkte Programm: Alle drei TuS Tanzgruppen unter Katja Bamberger und Nabila Hasemann traten auf: Die kleinen „Tanzmäuse“, die „Rabbits“ und die „Sunshine Girls“ im blauen „Avatar“-Outfit. Ein Akkordeon-Quintett mit Jutta Steines, Melanie Petersen, Karin Zentgraf, Bernd und Horst Wagner  spielte nach einer Melodie von Rudolf Desch und Text von Hans Stassen, umgedichtet von Melanie Petersen, zum Mitsingen „Nahetal, Wingertshöh`n“ sowie eine neue Dorfhymne. Reinhard Beck und Bernd Derschug begrüßten mit Josef Kiehl aus den USA einen wahren Überraschungsgast, dessen Vorfahren aus Meddersheim 1748 über Amsterdam auswanderten: „Ich bin ein Meddersheimer“ rief der aus. Der Apollo-Chor unter Leitung von Solist und Chordirektor Jürgen Frank sang leidenschaftlich und ausdrucksstark „Atemlos durch die Nacht“, „Heimat“ und „Hört der Gläser Kling und Klang“, von Theo Fischer bis Helene Fischer reichte das Repertoire. Last but not least trat zum Finale die Senioren-Gymnastikgruppe unter ihrem Urgestein Gisela Vethake auf: Renate Geib, Beate Reidenbach, Heidi Weck, Ruth Willerich und Christel Zentellini (in alphabetischer Reihenfolge) tanzten einen zirzensischen Tanz auf Rollator-Rädern.

Zum Apollo Bild:  Platsch! Da liegt sie nun – blaue Flecken garantiert. Die „Heimat“-Melodie mit dem Apollo-Chor hat die Diva (klasse und professionell gemimt von Charla Drops) glatt umgehauen.


Charla Drops flunkert

Platsch- mit Karacho abgestürzt

Alle bekamen ein Diplom

Ilse Schmidt is vunn de Noh!