Merxheimer Kirche ist als Fledermaus-Wochenstube landesweit der Clou

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Merxheim. Die Evangelische Kirche in Merxheim ist im Nahetal die größte und landesweit südlichste Wochenstube der Großen Mausohr-Fledermaus. Anfang Juni werden etwa 1000 Mausohrweibchen hier ihre Jungen gebären. Eine große Delegation mit dem Präsidenten der SGD Nord, Dr. Ulrich Kleemann, und Landrat Franz-Josef Diel an der Spitze stieg  über das Merxheimer Kirchenschiff und unters Dachjuchhe und besichtigte die Wochenstube des Großen Mausohrs. Über 250 Weibchen waren schon da, weitere werden in diesen warmen Tagen unterm Kirchengebälk erwartet. „Deshalb haben wir eine große Verantwortung für diese Art, die auch nach EU-Recht einen sehr hohen Schutz genießt“, sagte der SGD Nord Präsident Dr. Ulrich Kleemann in Merxheim. Naturschutzreferent und Artenschutzexperte Manfred Braun ergänzte: „Die größeren Kolonien haben wir im Griff, alles andere regelt die Natur“. Ganz wichtig dabei sei die Akzeptanz vor Ort, und daher dankten alle Redner der Kirchengemeinde Merxheim / Monzingen.

Die Besichtigung erfolgte nach Abschluss einer Maßnahme, die Cosima Lindemann vom Nabu und Diplom Biologe Dr. Andreas Kiefer in Merxheim begleiteten. Vor allem der Kot bereitete Kirchengemeinde und Naturschützern Probleme. Daher wurde unter dem Kirchdach ein Boden eingezogen, der die Beseitigung einfacher macht. Knapp 10.000 Euro wurden investiert, die letztlich vom Arbeitskreis Fledermausschutz Rheinland-Pfalz organisiert und mit heimischen Firmen wie etwa der Dachdeckerfirma Daut aus Monzingen realisiert werden konnte. Zudem wurden im Dach genügend Aus- und Einfliegerluken gen Westen eingezogen, die Kolonie kann über 1600 Fledermäuse groß werden.

„Fledermäuse willkommen“ stand nicht nur auf Plakaten und T-Shirts zu lesen: Auch Umweltverbände, Referenten und Naturschützer schmiedeten vor der Merxheimer Kirche mit Pfarrer Jörg Ruttloff Pläne, nach dem Backfischfest Ende Juli ein großes Fledermausfest gemeinsam mit der Gemeinde zu veranstalten, um sich als Multiplikatoren für den Naturschutz und die Große Mausohr im Besonderen einzusetzen.

Die SGD Nord als Obere Naturschutzbehörde hat im vergangenen Jahrzehnt vielfach Mausohrwochenstuben, beispielsweise in Reil, Pommern, Kamp-Bornhofen, Boppard, Bad Breisig oder Ahrbrück und Monreal saniert, zu Fledermausfesten kamen bis 1000 Besucher.

Zwar sind Ende Juli Ferien, aber nicht nur Kinder empfinden für Fledermäuse etwas Magisches und Faszinierendes: Beim ersten Hochstetter Kinder-Festival wurden unter Anleitung vom Kirner Schreinermeister Carl-Ludwig Hub dutzende Fledermausnistkästen im Dhauener Wald aufgehängt, weitere Beispiele gibt es derer viele. Mit einer Spannweite von fast 40 Zentimeter ist das Große Mausohr unsere größte einheimische Fledermausart. Im Sommer leben die Weibchen in Wochenstuben zusammen um ihre Jungen zu gebären. Die männlichen Tiere halten sich dann in Einzelquartieren im Umfeld rund um den Winchendeller Weiher oder im Wald auf, wo die Mausohren nachts auf ihren Suchflügen meist Laufkäfer, aber auch Insekten erbeuten. Den Winter verbringen die Tiere schlafend in alten Bergwerksstollen, in Felsspalten oder ähnlich abgeschiedenen und frostsicheren Quartieren.


Vor dem Aufstieg unters Dachjuchhee zu der großen Fledermausohr