Hundsbacher Stellmacher Hans Philippi bringt preußische Kanone auf Trapp

Kategorie: Lokale News an Nahe und Glan, VG Meisenheim, Kreis KH, Hochstetten-Dhaun, Beruf und Handwerk

 

Fotos unten: Schloss Dhaun. Im Innenhof unter mächtigen Roß-Kastanienbäumen mit ausladender Krone stehen seit Jahrzehnten zwei Geschütze aus dem vorletzten Jahrhundert. Mit der preußischen Hinterladekanone vom Typ Wahrendorff erhielt nun von dem Hundsbacher Wagner Hans Philippi ein ganz besonderes Exemplar im Dhauner Schlosshof zwei neue Räder.

Der Hundsbacher Stellmacher wollte kein Aufheben um seine Person machen. Hans Philippi ist in dritter Generation Wagner eines aussterbenden Berufszweiges, seit Ende der 1950-er Jahre gummibereifte Pneus die eisenbereiften Wagen in der Landwirtschaft ablösten.

Das nostalgische Relikt aus längst vergangenen Tagen komme jetzt wieder „voll zur Geltung“, lobte Kreisbaudirektor Hans Bergs und hakte mehrfach nach, um dem Experten Berufsgeheimnisse über sein handwerkliches Wissen und Können zu entlocken. Es gab gerade beim Reifenbau spezielle Zirkel und Faustregeln. Unter dem Eisenreif sitzen sechs so genannte Felgen, die durch zwölf Speichen mit der Radnabe verbunden sind.

Ist das Rad 1,20 Meter hoch, dann misst die einzelne von sechs Felgen 60 Zentimeter. Und: Die Felgen und Speichen hielten länger, wenn die Holzscheite für Kanthölzer oder Bohlen nicht mit der Bandsäge geschnitten, sondern das Holz mit Keilen und von Hand gerissen wurden.

„Früher war es einfacher, als das Geschäft noch florierte“, gab der Senior zu bedenken - weil heute zunehmend die Gerätschaften und das passende Werkzeug rar werden und auch hier die alte Binsenweisheit „Übung macht den Meister“ zutrifft. Mit dieser makellosen Arbeit jedoch fühlte sich Hans Philippi im 85.Lebensjahr „noch einmal voll bestätigt“, wie er sagte. Zeitlebens betrieb er sein Sägewerk in Hundsbach, machte sein Hobby zum Beruf, und schaut noch immer bei seinem Sohn Werner nach dem Rechten.

Das Geschütz auf Schloss Dhaun wurde vor Jahrzehnten schon einmal restauriert und sei es wert, als Schmuckstück der Nachwelt erhalten zu bleiben, betonte VG-Bürgermeister Werner Müller.

Das Teil im Fadenkreuz: Bei der Kanone handelt es sich um eine preußische Hinterladekanone vom Typ Wahrendorff, Modell C 61, Bauart nach 1861 mit Kolbenverschluss und Kaliber 9 Zentimeter, womit sechs- oder 12-Pfünder Munition verschossen wurde. Der Kirner Experte und Diplom-Ingenieur Herbert Jäger fertigte 1995 eine Expertise an, er schreibt: „Mit diesem Geschütztyp, einer Flachfeuerwaffe, die Vollgeschosse gegen Mauern und `Kartätschen`, eine Art Riesenschrot, gegen Truppen verschoß, führte Preußen als erstes Land der Welt bei der Feldartillerie einen kriegsbrauchbaren Hinterlader ein, der auch bereits ein Rohr aus Gußstahl von Krupp besaß. Die Lafette scheint ein späterer Nachbau zu sein“. Jedoch: Die Überlegenheit der deutschen Hinterladeartilleriekanone entschied 1870/71 den Krieg gegen Frankreich, nicht zuletzt, weil Preußen den anderen Staaten des Deutschen Bundes den Nachbau gestattete. Ein Vollgeschoss des Kalibers 9 Zentimeter aus Gußeisen steht in einer Glasvitrine auf Schloss Dhaun. Es fehlt ihm der umgossene dicke Bleimantel, der den Drall aufnahm und dem Geschoss die Kreiselstabilität verlieh.


Bumm...Der Geschütztyp ist eine Flachfeuerwaffe

Nach getaner Arbeit ging es gut essen...

So geht das- das ist echte alte Handarbeit!