"Senioren im Straßenverkehr" haben bei zwei Polizisten wahre Fürsprecher!

Kategorie: Bad Sobernheim, VG Kirn-Land, Kreis KH, Blaulicht, Lokale News an Nahe und Glan

 

Fotos unten / Textende- Bad Sobernheim. „Senioren im Straßenverkehr“- zu diesem Thema besuchten die beiden Polizeioberkommissare Jürgen Sohni und Ulrich Kowalski-Hildebrand bereits zum vierten Mal die Felkestadt. Die Zuhörer im Schulungsraum der Feuerwehr am Johannisplatz klebten an den Lippen der beiden „Pfundskerlen“. Zum einen waren die Beamten aufgrund ihres reichen und erlebten Erfahrungsschatzes und Fundus aus der Praxis für derlei Präventionsarbeit geradezu prädestiniert. Andererseits war die Themenpalette in Sachen Alterungsprozess, Senioren als Fußgänger oder Radfahrer (E-Bike), Alkohol im Straßenverkehr bis hin zu teils grotesken Kreiselverkehrsführungen, riesengroß. Mit Fotos aus der Region der Polizeidienststelle Kirn war die Powerpoint-Präsentation unterlegt. Gerd Kühner begrüßte quasi als Obmann der Feuerwehrkameraden die Beamten ganz herzlich, er wurde 2014 in Mainz zum Senioren-Sicherheitsbeauftragen geschult und besuchte 2015 das Druckhaus der Rheinzeitung in Koblenz.

Die beiden Polizisten sind in der Region seit Jahrzehnten im Dienst, bezeichneten sich selbst als „letzte Urgesteine, die kurz vor der Rente noch voll im Schichtdienst“ eingesetzt sind, und versicherten glaubhaft, dass ihnen das lange und unfallfreie Fahren aller Verkehrsteilnehmer am Herzen liege: Statistisch stellen die Senioren aufgrund defensiver Fahrweise und realistischer Einschätzung der Situation keine Risikogruppe dar und „bauen“ weit weniger schwere Unfälle als jüngere, aber altersbedingt lassen Körperfunktionen, die Sehstärke und das Hörvermögen nach.

Bei 1101 Unfällen im Dienstbezirk Kirn stieg 2013 gegenüber 2010 die Anzahl der Seniorenunfälle (über 65 Jahre) auf 177 (2010: 955 Unfälle / Seniorenbeteiligung 118). Auch belegen die Fallzahlen zwischen 2008 und 2012 statistisch eine Steigerung um 15,11 Prozent, weshalb eine Überprüfung der eigenen Fahrtüchtigkeit und solche Info-Veranstaltungen Sinn macht. Vorbehalte oder die irrige Annahme, die Polizei möchte die Fahrerlaubnis einziehen, sei falsch- im Gegenteil: Wenn zum Beispiel bei Alkoholmissbrauch „der Lappen“ weg ist, sei es selbst für Jüngere (Nachschulung) sehr schwer, den Führerschein wieder zu bekommen. Wichtig: Kleine Parkplatz-Beulen sofort unter der Nummer 110 melden, damit die „Lappalie“ nicht zur teuren Unfallflucht wird, appellierte Ulrich Kowalski-Hildebrand.

Weitere Kernaussagen waren: Seh- und Hörvermögen regelmäßig vom Arzt checken lassen. Das Gehör lenkt den Blick, aber: 90 Prozent werden über die Augen wahrgenommen und ab Alter 40 lässt die Sehkraft nach, die Blendempfindlichkeit nimmt zu. Jedes 5. Medikament beeinträchtigt das Reaktionsvermögen. Vorsicht bei Wechselwirkungen, und: Abends eingenommene Schlaf- und Beruhigungspillen wirken länger- bis in den nächsten Tag hinein. Körperliche Fitness und defensives, vorausschauendes Fahren biete die größte Sicherheit. Schach spielen oder mit den Enkelkindern Hausaufgaben machen, sei Gehirnjogging pur. Nachtfahrten oder der Berufsverkehr sollte vermieden werden.

„Das E-Bike ist unser Sorgenkind“, sagte Jürgen Sohni. Ein passender Helm schützt. Beim Mofa mit Tempo 25 Km/H ist er Pflicht, beim schnelleren E-Bike oder dem Rennrad nicht. Das sei paradox. Allgemein gilt: Im Straßenverkehr Sichtkontakt herstellen. Sehen und gesehen werden und klare Zeichen seien das A und O. Reflektoren seien sehr wichtig, Warnwestenpflicht besteht ab 1. Juli in Deutschland. Auch als Fußgänger oder betrunkener Beifahrer kann man strafrechtlich belangt werden, informierten die Beamten und zählten Beispiele auf.

Die städtischen Kreiseln erregten lautstark die Gemüter: Bürger berichteten, dass in Nachbarbundesländern an jedem Kreisel die Situation durch Fußgängerüberweg klar geregelt sei. In Rheinland-Pfalz, insbesondere in Bad Sobernheim herrschen Besonderheiten, etwa beim Kreisel am Kuhweg, wo sogar ein Stoppschild steht. „Trotzdem: Unfallschwerpunkte wurden mit dem Kreisel entschärft“, zog Jürgen Sohni trotz aller Kompromisse ein Resümee. Die Beamten hatten von der Feuerwehr- Drehleiter die Kreisel in Kirn (Kieselbrücke) und in Bad Sobernheim (Westtangente und Kuhweg) fotografiert. Hier wurde besonders die Wichtigkeit der Infoveranstaltung deutlich, gab es mehr Fragen als Antworten. „Wie sollen sich da Kinder zurechtfinden?“- wurden fragen laut. Als Faustregel gilt: Beim Einfahren in den Kreisel haben Fußgänger kein Vorrecht- aber beim Ausfahren, trotz der Gefahr der Auffahrunfälle. „Sie wollen doch auch alle mit den Rollatoren sicher ins neue Brauhaus und wieder zurück“, scherzten die Polizisten, die lang anhaltenden Applaus einheimsten, und die gerne wieder kommen dürfen.


Jürgen Sohni & Ulrich Kowalski-Hildebrand

Mittendrin Gerd Kühner

Luftbilder von Verkehrskreisel

Zwei gestandene Mannsbilder