Vor dem Schüsseltreiben wünschten die Jäger bei BollAnts: "Prosit Neujahr"

Kategorie: Bad Sobernheim, Meddersheim, Kreis KH, Lokale News an Nahe und Glan, Beruf und Handwerk, Highlights

 

Fotos unten am Textende--Bad Sobernheim. Heimelige Schwedenfeuer und eine dezente Beleuchtung samt Kerzenschein wiesen beim neunten Neujahrsblasen den Weg zu BollAnts in den Park zwischen das dampfende Außenschwimmbecken und unter die mächtige und über 100 Jahre alte Linde. Jan Bolland hieß Hotelgäste und Besucher, die Fürst-Pless Horn-Gruppe des Kreises Bad Kreuznach und die Parforcehorn-Bläsergruppe Gollenfels-Stromberg ganz herzlich willkommen.

Vor neun Jahren frühstückte die Jägerschaft erstmals am Neujahrsmorgen im Kurhotel und blies, morgens um 10 Uhr etwas unpässlich, das Jagdhorn; - daraus entwickelte sich dann diese liebgewordene Abendveranstaltung „Es ist immer wieder eine besondere Stimmung im romantischen und festlich erleuchteten Park mit seiner atemberaubenden Kulisse, wenn der voluminös-prächtige Klang der Jagdhörner das neue Jahr begrüßt“, freute sich Klaus Nieding und informierte souverän aus dem Effeff über konzertanten Bläserklang und Jagdsignale nach dem Stück „Willkommen“.

Das Jagdhorn habe nach wie vor bei der Jagdausübung als „Handy des Jägers überall Empfang“ und sei Steuerungssignal großer Bewegungsjagden. Nieding stellte die beiden Gruppen und Horntypen vor, die im Wechsel spielten: Die größeren Parforcehörner mit großen Windungen zum Umhängen waren für heute hierzulande verbotene berittene Jagd. Kleinere Fürst-Pless-Hörner wurden von Hans Heinrich XI., Fürst zu Pleß und in Diensten am Hofe seiner Majestät Kaiser Wilhelm II. um 1894 aus einem Armeehorn als ein kleineres Signalhorn entwickelt. Beides sind Naturhörner, denen im Gegensatz zur Trompete die Ventile fehlen, und wo die fünf bis sieben Töne ausschließlich mit Luft- und Lippenanpressdruck erzeugt werden.

„Ein Jäger aus Kurpfalz“ als die heimliche Hymne des Jagdverbandes durfte natürlich nicht fehlen – im mittleren Teil wurden mehrere Märsche und Fanfaren gespielt. Die Bläsergruppe Gollenfels-Stromberg, die des Öfteren im Freilichtmuseum auftritt, erfreute mit atemberaubend schönen und aus einem Guss vorgetragenen konzertanten Weisen und mit traditionellen Werken. Beim beliebten „Jägerchor“ aus Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ ernteten sie einen Extraapplaus.

Natürlich durften Jagdhorn-Totsignale als fester Bestandteil der heimischen Jagdkultur wie Hirsch tot, Sau tot, Reh tot oder Damhirsch tot nicht fehlen, auch wenn deren Unterschied für den geübten Laien vom Wiedererkennungswert her schwierig ist. Zum aktuellen Stand befragt antwortetet Klaus Nieding, er sei am Nachmittag am Blocher Berg neun Rehen begegnet, außerdem sei es ein gutes Eichelmastjahr gewesen: „Wild ist auch im neuen Jahr genug da“, sagte Nieding. 5000 Wildschweine werden kreisweit in den 170 Jagdbezirken im Jahresschnitt erlegt. Zum Vergleich: 1938 im gesamten Großdeutschen Reich seien es nur 2000 Wildschweine gewesen. Das Wild und seine Population sei absoluter Gewinner des Klimawandels. Zum Abschluss wurden vor dem gemeinsamen Imbiss, dem im Jägerlatein bekannten „Schüsseltreiben“, die Signale „Auf Wiedersehen“ und „Zum Essen“ gespielt. „Sau tot und zum Essen, das sind meine beliebtesten Signale“, meinten Inge und Dieter Werner aus Hochstädten von der Bläsergruppe Hellberg Kirn, dem wiederholt-amtierenden Landesmeister, die den Ton bei der Fürst-Pless-Gruppe mit Bläsern aus dem ganzen Kreis anstimmten.

Namens der Jägerschaft wünschte Kreis-Vorsitzender Klaus Nieding ein gesundes und zufriedenes und angesichts der aktuellen Weltlage auch ein friedvolles neues Jahr. Im kommenden Jahr zum 10.Geburtstag versprach er ein kleines Jubiläumskonzert.

Zu den Bildern: Die Jäger gaben ein gutes Bild ab: Vor der romantisch-winterlichen Kulisse mit dezenter Festbeleuchtung bei BollAnts im Park erfreuten zwei Jagdhorn-Bläsergruppen beim neunten Neujahrsblasen.