Rettung von Turmfalken-Jungvögel - Falknerin Petra Nieding im Rettungseinsatz

Kategorie: Meddersheim, Lokale News an Nahe und Glan, Highlights

Von: KLAUS NIEDING

FOTOS UNTEN- VOR DEM VERHUNGERN GERETTET - von Klaus Nieding

Schon mehrere Jahre brüten die Turmfalken unter dem Dach von Dieter Schneider in der Nahestrasse in Bad Sobernheim. Auch in diesem Jahr war der Turmfalken-Horst wieder belegt. 3 junge Turmfalken warteten auf das Futter, was das Turmfalkenweibchen regelmässig erbeutete und heranschleppte. Unermüdlich war sie unterwegs, um Ihre Jungvögel zu "atzen", wie es in der Falknersprache heisst. Wie an jedem Tag wollte Dieter Schneider auch am letzten Freitag nach "seinen" Untermietern hoch oben unter dem Dach seines Hauses schauen. Doch als er vor die Haustür trat, fand er das verendete Turmfalken-Weibchen vor seinem Haus liegen. Die drei Jungvögel sassen noch oben im Horst und warteten hungrig auf die Mutter. In seiner Not rief Dieter Schneider zunächst die Tierarztpraxis Dr. Lindemeier an. Von dort wurde er zu Petra Nieding in Meddersheim vermittelt. Von der Falknerin erhoffte er sich Hilfe, denn ihm war klar, dass ohne die Mutter die jungen Vögel sicher verhungern würden. Falknerin Petra Nieding bestätigte ihm dies bereits im ersten Telefonat : "Durch den harten Winter hatten die Vögel nicht genug Zeit, sich für die harte Zeit der Aufzucht genügend Reserven anzufressen. Bei 3 Jungvögeln im Horst ist das Turmfalkenweibchen tagelang ununterbrochen unterwegs und schleppt Nahrung wie Mäuse etc. heran. Wer mal beobachtet hat, wie lange ein Turmfalke rüttelnd in der Luft steht, bis er zur Beute herunter stößt und wie oft das auch erfolglos ist, kann erahnen, welchen Energieaufwand aufziehende Elternvögel betreiben müssen, um den Nachwuchs zu atzen", so die Meddersheimer Falknerin und Jägerin. Schnell war sie gemeinsam mit Ihrem Mann Klaus Nieding, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, bei Familie Schneider vor Ort. Die Jungvögel mussten herunter geholt und in eine Aufzuchtstation verbracht werden. "Das können wir bei uns nicht leisten", so Petra Nieding. Neben der Aufzucht muß den Jungvögeln nämlich in den nächsten 8 Wochen noch das eigenständige Jagen auf Beute beigebracht werden. "Das geht nur in einem artgerechten Umfeld und am besten in Begleitung erfahrener Altvögel", so Falknerin Petra Nieding. Da die Greife hoch oben bei Familie Schneider unter dem Dach horsteten, war guter Rat teuer. Doch Dieter Schneider rief bei der Feuerwehr Bad Sobernheim an und traf dort auf ebenso große Tierliebe. Wehrführer Gerd Baum sicherte schnelle Unterstützung zu. Innerhalb kurzer Zeit stand die neue Drehleiter vor Schneiders Haustüre und Oberbrandmeister Stefan Müller sowie Löschmeister Ralf Gräff machten sich einsatzbereit. Falknerin Petra Nieding, ihr Mann Klaus Nieding und Oberbrandmeister Müller fuhren im Transportkorb der DRehleiter hoch oben zum Falkenhorst. Dort sassen die Jungvögel bereits hungrig wartend auf den Muttervogel und konnten sicher geborgen werden.  Wieder am Erdboden angekommen, wurden die drei Jungvögel in eine Falken-Transportbox verbracht, wo sie zunächst mit einem frischen Rehherz "geatzt" wurden. Eine Untersuchung des Falkenweibchens ergab, dass sie nur noch "Haut und Knochen" war. Der zum Fliegen so wichtige Brustmuskel war nahezu vollkommen zurückgebildet. Kreisjägervorsitzender Klaus Nieding : "Wichtig ist, dass in einem solchen Fall umgehend fachkundige Hilfe angefordert wird. Auf gar keinen Fall sollte der unerfahrene Laie Jungtiere oder -vögel selbst anfassen. Das gilt vor allem bei Jungwild in Wald und Feld. Oftmals sind die Jungtiere nämlich gar nicht verwaist, sondern einfach nur kurzzeitig ohne Muttertier, das sich auf der Nahrungssuche befindet." Petra Nieding fuhr mit den Falkenjungen umgehend nach Cochem an der Mosel in die Falknerei auf der Reichsburg. Dort werden die Vögel jetzt in den nächsten 8 - 10 Wochen aufgezogen und ihnen wird das selbständige Erjagen von Beute beigebracht. "Anschliessend werden die 3 Jungvögel wieder in Bad Sobernheim freigelassen, damit sie in den angestammten Lebensraum zurückkommen", so Falknerin Petra Nieding. Und wer weiß, vielleicht brütet im nächsten Jahr einer dre drei jungen Falken dann selbst wieder bei Familie Schneider in der Nahestrasse. Mit freundlichen Grüßen und Waidmannsheil, Klaus Nieding


Falknerin Petra Nieding

Drehleitereinsatz

Fotos: Nieding

Gut gelaufen!