Windräder "Auf Katzenkopf" - 2012 Dauerbrenner - Redeverbot bei InfoVA

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Becherbach. Geht den Becherbachern die Luft aus? Bekommen die geplanten Windenergieanlagen („WEA“) „Auf Katzenkopf“ zu wenig Wind unter die Flügel um lukrativ betrieben zu werden? Dies dürfte neben 249 teils gravierenden Einwänden zur Gretchenfrage werden, weil die „Windhöffigkeit“, sprich der gemessene Wind um die 7 Meter pro Sekunde in 80 Meter Höhe deutlich niedriger gemessen wurde. Befürworter und Gegner, Wind und Gegenwind, wehte jedenfalls verhalten in der vollbesetzten Becherbacher „Brücke“ wo sich fast 100 Bürger informierten.

Genaues weiß man nicht. Der Startknopf steht auf Anfang, nur die Fronten sind klar: Seitens der Ortsgemeinde liegt eine positive und seitens der Bürgerinitiative (BI) eine negative Einschätzung über das geplante Vorranggebiet 20 Becherbach/ Schmidthachenbach vor. „Wir sind hier in Becherbach. Frage- und Diskussionsrecht haben nur Becherbacher“ gab Ortsbürgermeister Frank Schätzel vor, nachdem es in der Nachbargemeinde zu teils tumultartigen Zerwürfnissen und anonymen Drohbriefen gekommen war. Bis 2013 besteht eine Veränderungssperre. Wegen eines Gutachtens zum Rotmilan-Vorkommen sollte die Fläche herausgenommen werden, die Planungsgemeinschaft Rheinhessen stimmte dennoch dem Standort zu und verwies das Prozedere an die höhere Planungsebene. „Standortverschiebungen sind aus Sicht der Geschäftsstelle wegen des vier Kilometer Abstandes unmöglich“, heißt es im dortigen Beratungsergebnis. Zudem sei das geplante Gebiet in einem ausreichenden Abstand zum Neststandort. Vereinfacht ausgedrückt: Das östlich angrenzende Offenland ist einer „hohen Aktivitätsdichte von Nahrung suchenden Rotmilanen“ vorbehalten, die westliche Teilfläche Richtung Wald (Kirchenheck /B270 Sienhachenbach) muss laut Anregung der Fachbehörden entsprechend der Abstandskriterien „deutlich korrigiert“ werden.

Nachfolgende Behörden müssen quasi alle 249 eingereichten Widersprüche erneut prüfen, damit die durch Bundesrecht privilegierten Windräder nicht zu Unrecht ausgeschlossen werden.

VG-Bürgermeister Werner Müller empfahl, jetzt konkret mit den verbleibenden WEA-Betreiber G.A.I.A. in Lambsheim, WWW.wind, sowie als dritte mit der Energiedienstleistungsgesellschaft (EDG) Rheinhessen-Nahe in Verbindung zu treten. Letztere mit „Kreis- und Sparkassenbeteilung eigne sich, um die Wertschöpfung insgesamt in der Region zu halten“ betonte Müller mehrfach. Gespräche sollen in einer Arbeitsgruppe mit der Gemeinde, die 45 Hektar besitzt und Eigentümern (55 Hektar) geschehen. Ein Betreiber habe seine Bereitschaft zurückgezogen. Nach Meinung Anwesender habe sich „die Goldgräberstimmung bei näherer Betrachtung verflüchtigt“. Grund dürfte die Flaute und zu wenig Wind sein, schon sehr früh habe deshalb die RWE die Segel gestrichen und kein Interesse gezeigt. „Wir haben den zweiten Schritt nicht vor dem ersten gemacht. Ich habe immer zur Vorsicht geraten“, sagte Werner Müller. Die Diskussion blieb sehr sachlich. Lediglich die WEA-Gegner fühlten sich zahlenmäßig  von Anfang an unterrepräsentiert und hinterfragten mehrfach ein Bürgervotum in geheimer, namentlicher Abstimmung. Werner Müller geht von 25 Prozent „Gegenwind“ in Becherbach aus, die BI spricht von einer absoluten Mehrheit. Die Gegner warten noch immer auf eine von Christiane Donnerstag und der Planungsgemeinschaft zugesagte Stellungnahme, inwieweit gravierende Einsprüche von Bundeswehr, BUND, 60 weiteren Behörden oder Institutionen und von Bürgern, 249 Einsprüche insgesamt an der Zahl, gewichtet und gewertet werden.

Fakt ist: Damit es im Vorranggebiet 20 kein „Wildwest“ gibt, wie Ortsbürgermeister Frank Schätzel erläuterte, habe man eine zweijährige Veränderungssperre erlassen. Weil WEA privilegierte Bauvorhaben sind und keine Verhinderungspolitik betrieben werden darf, können WEA gebaut werden. Seitens der Gemeinde kann über die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes und durch Aufstellung eines Bebauungsplanes regulierend eingegriffen werden. Gutachten je nach Auftraggeber für oder gegen WEA seien kostspielig und Sache des Betreibers, sagte Werner Müller, denn der werde sich nicht selbst belügen. Sollte sich die neueste Generation der Windräder finanziell rechnen und genügend Wind wehen, habe die Gemeinde nach Ablauf der Sperrfrist keinen Einfluss auf die privaten Grundstücksbesitzer.

Ortsbürgermeister Schätzel machte während der Veranstaltung deutlich, dass die Gemeinde den Bau von Windrädern durch eine Ablehnung gänzlich verhindern könne. „Wenn die Gemeinde jetzt beschließen würde, auf unserem Grund wird kein Windrad gebaut, sind Privatgrundbesitzer daran nicht gebunden“. Ergo: Wieso sollten einige wenige WEA „Auf Katzenkopf“ bei 249 Einwänden! weiteren Streit und Zwist in zwei Dörfern bei 200 Meter hohen Anlagen schüren, wenn sich die WEA mangels Wind, Bau und Zuleitungen gar nicht lukrativ rechnen?, schlussfolgerten Gegner und wünschten sich eine drastische Senkung der Subventionen und jede Menge Vergütungen. WEA drehten sich in größeren Windparks, im Staatsforst und an der A 61 auf Hunsrückhöhen sowie im bald menschenleeren Baumholder und auf dem Truppenübungsplatz ohne „Gegenwind“ effektiver, lukrativer und leiser. Achtung: Die Amis gehen nach Hause! „Bevor „Auf Katzenkopf“ wenige WEA laufen, (Stichwort: „Verspargelung“) bekommen andere Gemeinden in der Region, die Windräder, die sie haben wollen, und wo weniger „Gegenwind“ weht.


Windräder bei Becherbach...

in der Nähe von Meisenheim

Redeverbot für Auswärtige