Windradzoff geht los - Nur Betreiber und Investoren verdienen - Offshore okay

Kategorie: Lauschied, Becherbach, Kreis KH, Lokale News an Nahe und Glan

 

Region. Kreis.  Schmidthachenbach / Becherbach. In Pleitersheim zofft sich der Gemeinderat über Windenergieanlagen (WEA) gewaltig, in Rehborn gibt es ein klares Ja pro WEA: Zu den vier WEA sollen weitere auf der Gemarkung aufgestellt werden. 100 interessierte Guldentaler sprachen sich auf der 118 Hektar Fläche auf der Gemarkung mit Terrain auf Langenlonsheimer Seite wegen Fremdenverkehr, Wandern und Weinbau gegen WEA aus. Simmertaler können davon nicht genug davon bekommen und gehen leer aus, auf dem nahen Gonrather Hof bei Weiler ist man dagegen. Schweinschied will am Welschröther Hof zur Gemarkung Limbach WEA platzieren. In Lauschied schimpfen einige wegen dem Lärm, aber in Lauschied und Merxheim machen sich Mehrheiten für Gemeindeinnahmen stark: „Früher lehnte man Windkraft ab, heute geht es um zu viel Geld“, sagte Lauschieds „Ob“ Willi Marx und sein Merxheimer Kollege Egon Eckhardt plädierte für WEA auf der Merxheimer Gemarkung, Nähe Kirschrother und Limbacher Höhe.

Es war eigentlich nur ein Informationsabend in Schmidthachenbach, zu dem eine fünfköpfige Bürgerinitiative (BI) um Bernd Pascher, Karl May, Werner Greuloch, Herbert Ehwein und Hubert Klein gegen den geplanten „Windpark Schmidthachenbach/Becherbach - Auf Katzkopf“ ins Schmidthachenbacher Dorfgemeinschaftshaus eingeladen hatte. Mehr als 150 Bürger kamen, was zeigt, dass Informationsbedarf besteht. Neues und Neuigkeiten waren nicht dabei, aber wenn das alles nur teilweise stimmt, was Professor Hartmut Schmieden aus Hottenbach ohne Wertung ansprach, dann ist die Goldgräberstimmung und Dollarzeichen in den Augen von Grundstückeigentümern in den Gemeinden nachvollziehbar: Kernaussagen waren jedenfalls: 1.) Nur für den Anlagenbetreiber und Investor ist ein Windrad eine Gelddruckmaschine, 2.) Nur Offshore-Windräder an den Küsten sind effektiv, Wind braucht Wasser, Leitungen ins Binnenland sind problemlos möglich. 3.) „Wertschöpfung bleibe vor Ort“, diese Floskel sei absoluter Unfug hoch 3,  und 4.) Aufgrund Industriesubventionierung und günstiger KfW-Kredite sei die derzeitige Form der Anlagenbetreiber sozial extrem fragwürdig und ungerecht, weil jeder Endabnehmer die Zeche zahlt!

Die Bürgerinitiative hat zwischenzeitlich in Schmidthachenbach 176 Unterschriften gesammelt – das sind 55 Prozent der Wahlberechtigten  - und will gegen die Planung der Windkraftanlage auf dem „Katzkopf“ zwischen Becherbach und Schmidthachenbach Einspruch einlegen. Dagegen habe der Ortsgemeinderat in einer „voreiligen Entscheidung eine Beschlussfassung für den Standort herbeigeführt, was fernab jeglichen Demokratieverständnisses liegt“, so die BI gegen Windpark im Wortlaut. Auch viele Interessierte aus Becherbach verfolgten die Veranstaltung. Die BI kritisiert, dass die Bürger bei solch wichtigen Entscheidungen nicht rechtzeitig und ausreichend informiert und mit eingebunden wurden. „Deshalb dürfen wir die Pläne der Planungsgemeinschaft nicht bedingungslos akzeptieren“, heißt es auf einem an diesem Abend ausliegenden Infoblatt. In der Vergangenheit hat es Anmache gegeben, keinesfalls dürfe man in einem Ort Andersdenkende mundtot machen. In der VG Herrstein sei man ganz schlecht informiert worden. Alle bisherigen Maßnahmen und Anstrengungen der Gemeinde im Rahmen des Projekts „Unser Dorf hat Zukunft“, um eine bessere und zukunftsfähige Lebensqualität im Dorf zu schaffen, gerieten durch diese, nicht durchdachte Standortplanung mit einem Schlag ins Abseits, sind sich die Initiatoren der BI sicher. „Es geht um unsere Lebens- und Wohnqualität in der Zukunft, eine der wichtigsten Perspektiven im ländlichen Raum“. Professor Dr. Hartmut Schmieden aus Hottenbach referierte über das Thema Windkraft und Energie allgemein. Der an der Universität Bonn Tätige stellte dabei auch verschiedene Anlagetypen und den Funktionsbetrieb eines Windrades vor. Kernfragen waren die Wirtschaftlichkeit, die Stromerhaltung und Netzstabilität. „Ich war schon immer ein Kernkraftgegner. Aber in erster Linie, weil die Endlagerung ein ungelöstes Problem ist“, stellte Schmieden klar. Dagegen stellte der Referent fest: „Windenergie ist derzeit die günstigste Möglichkeit der regenerativen Stromerzeugung“. Immerhin dreht sich das Windrad außen bis 300 Kilometer schnell in der Stunde. Der Referent erhielt nach über einer Stunde viel Applaus für seine Ausführungen. Der BI legte er in ihrem weiteren Vorgehen nahe: „Naturwissenschaftliche Erkenntnis - also Wissen - ist kein Risiko. Nichtwissen ist das Risiko beim Handeln.“


Becherbach /Roth

Prof. Hartm.Schmieden

150 Zuhörer in...

Schmidthachenbach