Vor 5 Jahren: Aus für 5 Windräder in Becherbach "Auf Katzkopf" - Juwi kapituliert vor Rotmilanen - 82! einige Eigentümer tief enttäuscht

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Zum Nachlesen! Fotos UNTEN: Rotmilane sorgen für das Aus der Becherbacher Windräder „Auf Katzkopf“. Die 119 Hektar großen Offenlandflächen in der Becherbacher Gemarkung „Auf Katzkopf“ (Vorrangfläche 20) dient mehreren Rotmilanpaaren als Nahrungshabitat und bedeutet das Aus der dort geplanten fünf Windräder. Im Zuge der diesjährigen Kartierung der Avifauna liegen seit dem 13. Mai 2013 aktuelle, hieb- und stichfest belastbare Gutachten der Betreiberfirma Juwi vor. Drei Horste sind gesichert, weitere Flugbewegungen im 1.500 Meter Radius und eine hohe Nutzungsintensität bei Jagdflügen sind dokumentiert. Am Dienstagabend wurden etwa 50 Eigentümer im Gemeindesaal durch Juwi Sachbearbeiter Karsten Biennek, Bürgermeister Werner Müller und Ortschef Frank Schätzel über das Aus unterrichtet. Aus artenschutzrechtlichen Gründen sei eine Fortführung der Planungen als sehr kritisch zu bewerten, da es zu einem signifikanten Tötungsrisiko für den Rotmilan kommen würde. „Planungen, deren Umsetzung gegen § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes verstoßen, sind grundsätzlich nicht umsetzbar“ heißt es im Ergebnis des Gutachtens Avifauna.

Gerade die Umsetzung des Projektes Becherbach wäre für Juwi von besonderem Interesse gewesen, da durch die vertragliche Konstellation die Beteiligung vieler Privateigentümer und der Ortsgemeinde möglich gewesen wäre, unterstich deren Repräsentant Karsten Biennek. Kosten für die Gemeinde entstehen nicht, es sei Tagesgeschäft und unternehmerisches Risiko von Juwi.

Die Enttäuschung bei den Anwesenden war schon groß, weil viel Vorarbeit geleistet und Schweiß vergossen wurde: „Morgen werden die Fundament ausgehoben“, scherzten ironisch-bittersüß einige nach der Erörterung, andere wollten „gerne Trassen für die Stromkabel ausheben“.

Becherbachs Dorfoberhaupt Frank Schätzel hatte in schlaflosen Nächten in einem wahren Präzedenzfall 82 Eigentümer und Erbengemeinschaften solidarisch unter einen Hut gebracht, konnte den ersten „Hpye“ von Gegnern und Befürworten kanalisieren, und mit ständiger Transparenz das gemeinsame Miteinander und den Dorffrieden wahren. Letzteres hatte für ihn höchste Priorität. Bekanntlich war Schätzel selbst vor zehn Jahren in der Bürgerinitiative „Gegenwind“ ärgster Kritiker, aber der Wind hatte sich gedreht und Windräder sind zu privilegierte und gesetzlich verankerten Bauvorhaben geworden, weil erneuerbare Energie ausgebaut werden soll: „Ich kann doch die Welt nicht anhalten“, sagte Schätzel und war stolz darauf, dass die Kontenance gewahrt bleibt, man im Dorf miteinander redet, sich achtet und respektiert. Frank Schätzel hatte viel organisiert, fixe und unterschriftsreife Verträge ausgearbeitet und diese von Juristen der Landwirtschaftskammer prüfen lassen. Vom „Becherbacher Modell“ war gar die Rede, jetzt ist alles Makulatur: Alle privaten Grundstücksflächen sollten demnach von der Gemeinde angepachtet werden, die dann als einziger Vertragspartner gegenüber Betreiber Juwi auftritt. Flächen die nicht tangiert werden, sollten wie bisher genutzt werden, alle Zahlungsleistungen basierten auf dem Pachtvertrag mit Juwi. Die Hälfte des Geldes fließe komplett in die Gemeindekasse, die größter Nutznießer wäre und jederzeit das Heft des Handelns in Händen hielt, und dann das: Rotmilane und zwei Schwarzmilane.

„Gewiss habe man Rotmilane- mir fliegen sie vor dem Traktor rum“, sagte Frank Schätzel, andere im Dorf um Helmut Borger oder seinen Nachfolger als Feuerwehrchef, Karl-Otto Selzer, sahen sie an Pfingsten über der Kirche im Ort kreisen.

„Detailuntersuchungen sind immer für Überraschungen gut“, konstatierte VG-Bürgermeister Werner Müller seinerzeit sinngemäß, daher habe man stets Zug um Zug gehandelt, sachlich und jederzeit transparent informiert, aber nie eine Prognose abgeben können. Nachfragen zum Sachstand über die Eignungsfläche Simmertal verwahrte er sich in dem Zusammenhang: Das eine habe mit dem anderen rein gar nix zu tun. Hier werde auch untersucht und sei nichts Negatives sei bekannt, so Müller.


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