Jahreshighlight: Bachs Weihnachtsoratorium war Einstimmung auf das Fest!

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FOTOS am TEXTende -Becherbach. / Simmern. Unter dem Dirigat von Kantor Joachim Schreiber wurde am Samstagabend in Becherbach und gestern in Simmern Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium aufgeführt. Friedrich Nitsche meinte zu dem Werk: „Wer das Christentum völlig verlernt hat, der hört es hier wirklich wie ein Evangelium“. Aufführende des Bach`schen Werkeverzeichnis No.248 in drei Teilen mit 36 Sätzen waren über 60 Chormitglieder von der Stephanskantorei Simmern und dem Chor der evangelischen Kirchengemeinde Becherbach, 25 professionell agierende Musiker des Münchner Barockorchesters L’arpa festante unter ihrem Konzertmeister Christoph Hesse sowie vier brillante Solisten. Sie alle boten im Altarraum eine imposante Kulisse, die Becherbacher Kirche war stimmungsvoll in Kerzenlicht getaucht.

Kantorin Mechthild Mayer (Becherbach) und Kantor Joachim Schreiber (Simmern) teilten sich die Probenarbeit, die vor neun Monaten begann. Nach Bachs Marienoratorium und Händels Messias war es das dritte Projekt, das die beiden, personell gleichstark besetzten Chöre einstudierten, auch, weil Chemie und Harmonie stimme, bekräftigen deren beider studierten Chorleiter.

Schon der fulminante Beginn der Pauken beim „Jauchzet, frohlocket“ ließ aufhorchen, da wurde leidenschaftlich elektrisierend musiziert. Die Naturtrompeten aus Frankreich bliesen makellos die virtuosesten Passagen, und innig rührte das Violinsolo des Konzertmeisters bei der Alt-Arie an, die der Altus Andreas Pehl in wunderbarer Eleganz und Schlichtheit sang.

Der echte „Becherbacher Bub“ Burkhard Mayer gab der Trompeten-Arie „Großer Herr und starker König“ herrlich-himmlisch abgestufte und differenzierende Klangfülle. Daniel Schreiber sang als Evangelist seinen Erzählpart voller Deklamierfreude und stellte bei der Hirten-Arie seine hohen gesangstechnischen Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis, und Eva-Maria Helbigs Sopran ließ engelsgleiche Töne erklingen.

Insgesamt war es ein homogener Solistenkörper, dem auch der leichte und bewegliche Gesamtchorklang entsprach. Die Zusammenarbeit der beiden Chöre aus Becherbach und Simmern avancierte zu einem wunderbaren Klangkörper, dem es in jeder Phase gelang, sowohl die eindrücklichen verschiedenen Choräle als auch die virtuosen Chorpassagen überzeugend in das Gesamtwerk einzubauen und zu interpretieren. Solch fabelhaft-jubilierender Gesang verkörpere quasi göttliche Freude und pure Lust der Kunst, getreu Bachs Motto in genialer Bildersprache: „Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe“ – so Kantor Joachim Schreiber.

In Becherbach war das Kirchenschiff voll besetzt, das Publikum anerkannte die große Gesamtleistung mit stehendem und minutenlangem Beifall.

Wie der pensionierte Konrektor, Musiklehrer und Monzinges Fördervereinschef der Martinskirche, Wolfgang Scheffka, hatten viele Besucher wie auch seine Frau Karin, diesen „allergrößten weihnachtlichen Hörgenuss auf dem Land in Becherbach nie erwartet“. Die Kulturloge ermöglichte dankbaren Besuchern vom Kirner Haus Bergfrieden um deren Leiterin Soziale Dienste, Yuba Odenbach, den Besuch.

Das Weihnachtsoratorium mit 36 ganz stark interpretierten Rezitativen, Chor-, Solisten- und feinsinnigem sinfonischem Orchesterklang ist „absolutes Jahreshighlight“, so Presbyteriums-Vorsitzender Wolfgang Schneider. Für Pfarrer Friedrich Mayer war es an seiner alten Wirkungsstätte faszinierend, wie „das Obertonreiche“, das in seiner Gesamtheit schwingende und glockenklangklingende Orchester L´arpa festante mit historischen Musikinstrumenten zur Höchstform auflief. Das 1983 in München gegründete Orchester bringt echte Darmsaiten zum Klingen und macht das Zuhören, etwa mit Harfe oder der barocken Oboe da Caccia, zu einem Erlebnis. Bernd Hey.

>>>Solcher Konzertgenuss, wie er „in alter Zeit an Ostern oder zu Weihnachten üblich und gang und gäbe war“, ist heute nur mit Sponsoren möglich, bedauerte die glühende Bach-Verehrerin und Kirchenmusikerin Mechthild Mayer. Sie dankte regionalen Firmen wie dem Bauunternehmen Rodenbusch aus Otzweiler, der Schreinerei Scherer in Heimweiler, dem Lions-Club Kirn und der Sparkasse Rhein-Nahe, der Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück und der Birkenfelder Landesbank.

 

>>>Die Solisten treten allesamt auf großen Bühnen und bei Konzertreisen im In-und Ausland auf. Sie sind im TV zu sehen oder beim Rundfunk tätig und medial mit Tonträgern sehr präsent. Sopranistin Eva-Maria Helbig ist vielseitige Sängerin und fühlt sich zwischen Barock und Moderne in vielen Ensembles mit Interesse an „historischer Aufführungspraxis“ wohl. Countertenor Andreas Pehl ist ausgebildeter Theologe und Sozialpädagoge und lebt in Lenggries; der Altus ist weltweit in großen Oratorienpartien zu Hause. Daniel Schreiber trat als verkündender Evangelist auf. Er ist Jahrgang 1979, in Neustadt an der Wied geboren, und Mitglied des Münchner Männervokalensembles „Die Singphoniker“. Burkhard Mayer hatte Heimspiel. Mit 16 erhielt der Becherbacher Bub Gesangsunterricht, parallel war der ausgebildete lyrische Bariton Bratschist im Landesjugendorchester und Sänger im Landesjugendchor. Von Haus aus klassischer Bach-Fan widmet er sich auch modernen Kompositionen als gefragter Solist in Rundfunkchören.


Imposante Kulisse

Minutenlanger Beifall

Stimmungsvoll und...

...künstlerisch brillant!