Für´n Apfel & en Ei: Bauern beklagen Lobbyismus, Bürokratie & Preisverfall

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Fotos am Textende -UNTEN- Becherbach. „Wir haben Massentierhaltung und die Agrar- Industrie satt“ – mit Transparenten protestieren in Berlin im März 216 Gegner gegen die subventionierte Landwirtschaft. Bäuerlich organisierte Landfrauen halten dagegen: „Wir machen Euch satt!“ Mittendrin und zwischen allen Stühlen die Öko-Höfe, deren prozentualer Anteil steigt.

Was kommt wirklich bei den Bauern an? 6 Cent für ein Glas Milch (250ml), 6 Cent für ein Ei, 13 Cent für das Getreide bei einem Kilogramm Mischbrot, 4 Cent für die Gerste in einem Moaß! Bier und 10 Cent für das Kilo Kartoffeln oder 27 Cent fürs Kotelett. Die Discounter machen den Reibbauch und diktieren die Preise, die der Verbraucher subventioniert.

Während bei der ersten von drei Info-Veranstaltungen des Kreis-Bauern- und Winzerverbandes in Rehbach um die 60 Interessierte gezählt wurden, kam witterungsbedingt in Becherbach nur ein Drittel zu dieser Jahresauftaktversammlung. Auch Kreisvorsitzender Johannes Thilmann konnte kein Statement über die aktuelle Agrar- und Verbandspolitik abgeben, weil er einen schweren Zusammenprall mit einem Rindvieh hatte und krankheitsbedingt fehlte. Grund genug für Kreisgeschäftsführer Werner Küstner nach zahlreichen schweren Unfällen auf die besondere Situation und Notwendigkeit von Zusatz-und Privatversicherungen hinzuweisen. Auch die bäuerliche Rente fällt ohne eigene Vorsorge sehr schwach aus, der zugrunde liegende gesetzliche Anspruch basiert auf einem Jahresarbeitsverdienst von lediglich 11.911,25 Euro.

An den Direktzahlungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ließ der Schweinschieder kein gutes Haar: „Ein Bürokratiemonster, wie man es sich schlimmer nicht vorstellen kann – aufgeteilt in ein sieben-Punkte Programm kommt in der Summe bedeutend weniger hinten ´raus!“, wetterte er, außerdem sei „beim Preisverfall kein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen“. Die Situation sei äußerst unbefriedigend: „Jeder Handwerker kann seine Kosten kalkulieren. Der Bauer hat früher vom Hof gelebt und ist heute Sklave der EU und der Gesetze. 75 Cent für ein Stück Butter ist ein Unding“, ließ der frühere Becherbacher Bürgermeister Werner Barth seinem Unmut freien Lauf, von freien Bauern und Selbstständigkeit könne keine Rede sein.

„Die Supermarktregale müssen einmal leer bleiben“ dachten viele laut nach: „Das wird nie passieren, davon haben die Politiker die größte Angst“, erläuterte Werner Küstner und dass gegen diesen „Supergau“ Vorsorge getroffen werde.

Noch immer sind die GAP-Direktzahlungen ab 2015 mit den Themen Krisenvorsorge, der Basisprämie, der Kleinerzeugerregelung, Ökologisierungsprämie (Greening), Umverteilungs- und Junglandwirteprämie ein Buch mit sieben Siegeln, Letztere sei über Nacht weg gewesen, weil das Geld andernorts gebraucht wurde, sagte Küstner. Der Geschäftsführer appellierte beim „Greening“ streng daran, die Anbaudiversifizierung, okölogische Vorrangflächen und den „politisch eingestuften Dauergrünlanderhalt“ genau zu beachten. Großes Lob zollte Werner Küster für die vorbildliche Hilfe der Kreisverwaltung bei der Antragstellung der Agrarförderung und informierte die Versammlung auch über personelle Engpässe auf der eigenen Kreisgeschäftsstelle. GAP, die Dokumentation und Überprüfung forderten Personal.

Ab 26. November 2015 muss jeder, der im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit Pflanzenschutzmittel ausbringt, neben dem Sachkundenachweis auch an einer Fortbildung teilnehmen, die maximal drei Jahre gilt und dann erneuert werden muss. Die Bad Kreuznacher Wintertagung am 29. Januar von 8.30 bis 12.30 Uhr ist als Fortbildungsveranstaltung gegen eine Gebühr von 10.-Euro ebenso anerkannt wie die Bauernstammtische in Rehbach und in Raumbach im Februar. Diese Pflichtbefähigungsnachweise seien sehr stark frequentiert.

Als Mindestlohn müssen ab 1. Januar 2016 8.-Euro gezahlt werden. Der Hickhack um die ab 1. Januar neu gestaltete Hofabgabeklausel konnte nur durch einen Kompromiss der Großen Koalition in Berlin beigelegt werden, wodurch bei einer Hofübergabe der Rentenanspruch des anderen Ehepartners künftig unabhängig bestehen bleibt. Die vorzeitige Altersrente ermöglicht auch Alterskassenmitgliedern einen früheren Renteneintritt mit 63 ohne Abschläge, wenn 45 Beitragsjahre nachgewiesen werden können. Auf Nachfragen in Sachen Düngemittelverordnung wollte der Werner Küstner  keine Angaben machen, weil weiterhin nichts Konkretes und schwarz auf weiß vorliegt.


Als Schaufenster noch Schaufenster waren

Werner Küstner (li.)

Genuß ohne Reue?

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