Becherbach: "OD" voll gesperrt. Kein Witz am 11. 11.! Ist VG Kirn-Land in Sachen Straßen- & Gehwege-Ausbau überfordert? Bürger: Schnappatmung!

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Fotos unten -textende- Becherbach. Von Anfang an stand die Baustelle „Ortsdurchfahrt (OD) Becherbach / Gehwegsanierung“ trotz Transparenzgesetz und ominöser Vollsperrung unter keinem guten Stern. Trotz Vollsperrung wurde oft nicht gearbeitet. Wie geht das denn?, fragen Anwohner beim Fremdschämen.

Rückblick: 2015 wurden überraschenderweise Mittel aus dem Investitionsstock des Landes bewilligt und kurz vor Weihnachten die Planungen einer Handvoll Anlieger vorgestellt – die Öffentlichkeit war nicht erwünscht. Anlieger zogen aufs Amt Kirn-Land und legten Einspruch ein. Eine weitere nichtöffentliche Anwohnerversammlung im April im Gemeinschaftshaus unter drei Dutzend Bürgern verlief ebenfalls nicht wortlos. Alle Hauptstraßenanwohner werden veranlagt und zur Finanzierung herangezogen; - der übliche Standardkostenanteil von 40 Prozent will die Gemeinde auf 50 Prozent erhöhen, teilte damals Ortsbürgermeister Frank Schätzel mit. Bei der nichtöffentlichen Ratssitzung wurde der Auftrag an den billigsten Bieter, eine Baufirma aus Oberreidenbach vergeben.

„Wenn ich an die Vollsperrung Becherbach denke, bekomme ich Schnappatmung und  einen dicken Hals!“, riefen mehrfach nach der Dorfmoderation Firmen, Busfahrer und heimische Handwerker an und ließen kein gutes Haar an der Vollsperrung der L182 OD, die nach dem 17.11. 2016 in den fünften Monat geht. Auch darüber soll gefälligst berichtet werden. Die bauausführende Firma arbeite vermutlich nach dem „Eichörnchenprinzip“, Gerüchte wurden kolportiert, türkische Kolonnen und Subunternehmer kämen zum Pflastern. Namen und Telefonnummern liegen heylive.de vor, aus Angst vor Repressalien will niemand namentlich genannt werden.

„Ist die Bauaufsicht überfordert, wann ist Fertigstellungstermin? – und warum lassen sich die Becherbacher das gefallen?“, lautet die Kernfrage. Bei Baubeginn fehlten „für eine OD - Vollsperrung weiträumige Umleitungsschilder“ – ein 40 Tonner-Lkw habe sich auf dem Weg von Sien nach Kirn 500 Meter vor Becherbach, von der L 374 auf die L 182 Richtung Hundsbach in der Spitzkehre Schäden zugezogen und sei in der Böschung liegengeblieben – auch „Baustellengeschädigte“ im Ort sind bekannt. Durch die Sperrung müssten Handwerksfirmen und der Schwerlastverkehr Umwege fahren und höhere Kosten in Kauf nehmen. Ohnehin werden die Wege bis ins Rhein-Main Gebiet immer länger, weil dort, anders als hier, im Speckgürtel um gewerbesteuerstarke Städte wie Mainz oder Ingelheim Aufträge zu holen sind.

Je länger die Maßnahme dauert, desto heftiger brodelt es. Anlieger haben frei bis Baustelle, Busse dürfen durch; - insofern sei eine halbseitige Ampelregelung sinnvoller gewesen, sagte Karsten Becker von der Straßenmeisterei auf die Anfrage, inwieweit der LBM mit im Boot ist. Zuständig sei allein Kirn-Land - der LBM habe hier wenige "Aktien im Spiel".

Bei der Becherbacher Kirmes Anfang August war das Thema in aller Munde – Kopfschütteln überall: „Rote Durchfahrtverbotsschilder? Vollsperrung, wo? Ach was! Davon war in der Ausschreibung nie die Rede - ich sehe keine“ - machten sich Kerwegänger ironisch lustig, obwohl gleich drei Sperrschilder an der Tenne standen.

„Ja, ich muss mir im Dorf allerhand anhören“, sagt Frank Schätzel immer wieder, obwohl Becherbacher selbst „den Ball flach halten und das Dorfoberhaupt aus der Schusslinie nehmen“. Bauarbeiter beklagten sich vor jedem zweiten Haus in der Hauptstraße, dass sie nicht als Schuldenböcke abgestempelt werden möchten, berichteten mehrere Anwohner. Und weiter: Im Ort Gräben ausbuddeln und ohne Warnbaken und Absperrung die Baustelle verlassen, das gehe überhaupt nicht - „das da noch nix passiert ist, ist reiner Zufall“.

Wären die Arbeiten der „OD Becherbach“ fertig, würde vermutlich niemand klagen, aber schon im ersten Bauabschnitt stockte es – und die letzte Septemberwoche arbeitete das Bauunternehmen in Becherbach gar nicht. „Das war so abgesprochen, weil die Firma anderweitig zu tun hatte“, informierte Frank Schätzel auf Anfrage.

Der zuständige VG-Mitarbeiter Norman Barth vom Fachbereich III, Tiefbau, war abgetaucht, nicht zu erreichen, der zuständige Bauleiter Dietmar Schunck von der Oberreidenbacher Firma sagte auf Anfrage, „es muss den Anwohnern egal sein, wie lange die Baustelle dauert. Was in Becherbach los ist, geht auf keine Kuhhaut“. Die VG sei Ansprechpartner, die Firma führe das aus, was der Auftraggeber haben wollte und vereinbart sei. Grund der Verzögerungen sei der Tatsache geschuldet, dass rechtliche Fragen mit Anwohnern geklärt werden mussten. Außerdem wurde „unserem Pflasterer der Hammer aus der Hand gefahren“, ärgerte sich Dietmar Schunck. Erschwerend komme hinzu, dass sich niemand an Schilder hält, sagte er.

Der Unmut in Becherbach ist menschlich. Nur zum Vergleich: In drei Wochen wurden in den Schul-Sommerferien auf der K 62 Meddersheim- Kirschroth über 7.000 Tonnen Asphat und Randborde eingebaut. Außerdem: Der Dorfladen ist in Mitleidenschaft gezogen!

 


Voll gesperrt

Der Dorfladen

Anlieger frei

Foto am 23.7.

Arbeiten /Hauptstraße