KITA!Plus- das Landesprogramm, das Erziehern und Eltern hilft, zu erziehen

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FOTOS und O-töne unten: Kirn. Oft stecken Eltern im Hamsterrad fest, wenn Stress oder Streit, Arbeit oder Alltagstrott unzufrieden machen. Neues verunsichert Kinder, und selbst beim geflügelten Sprichwort „Wenn der Ernst des Lebens beginnt“ ist Hektik und eine zu perfektionistische Erwartungshaltung beim „Projekt Kind“ vorprogrammiert. Mit dem Programm „Kita!Plus“ will die Landesregierung faire Bildungschancen für alle Kinder, und den Eltern adäquate  Erziehungshilfe anbieten.

Kirn wurde vom Landkreis Bad Kreuznach ausgewählt, am Landesprogramm „Kita!Plus“ teilzunehmen. Vorraussetzung war die Zusammenarbeit aller fünf städtischen Kitas. Ziel ist die Unterstützung und Stärkung der Kompetenz in der täglichen Praxis zwischen Eltern mit ihren Kindern in den verschiedensten Lebenslagen. „Kita!Plus“ steht für aufbauend, anknüpfend, erweiternd und stärkend. (Wir berichteten bereits). Ab September sieht das Angebot vor, wöchentlich einen Beratungstag mit einer offenen Sprechstunde in der Zeit von 10 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr anzubieten. Alle Gespräche werden ohne Namen anonym und seriös vertraulich von den Sozialarbeiterinnen oder Psychologinnen aufgearbeitet.

Im Kirner Gesellschaftshaus trafen sich die KiTa- Erzieher/ -innen und Eltern zur Auftaktveranstaltung. Kirns Beigeordneter Paul-Georg Löhr begrüßte, Sandra Reemen von der Kita Sonnenschein Steinenberg hieß für die Kitas willkommen. Mit der Umsetzung des Bildungsanspruches verweilen Kinder länger im Hort, das „Kita!Plus“ Programm ist auf acht Säulen aufgebaut. Eine weitere Vernetzung untereinander ist angedacht, beispielsweise sollen in allen Einrichtungen Angebote wie zum Beispiel Entspannung, Yoga, oder Kräuterwanderungen angeboten werden, die Wünsche orientieren sich an der Nachfrage der Mütter und Väter. In diesem Zusammenhang wüssten die Kinder ganz genau, was Väter wünschen: „Eine Lichterkette und ein Kasten Stubbi“ habe kürzlich ein Fünfjähriger geantwortet, sorgte Sandra Reemen für Erheiterung. Aber auch Babysittertausch, thematische Gesprächskreise oder die Elternpflege, das Eltern sich etwas Gutes tun, sei sehr wichtig.

So ganz neu ist das sozialpädagogische Angebot im Kirner Land nicht. Seit Jahren ist Andrea Maas kompetente und diplomierte Sozialpädagogin für Kinder, Jugendliche und Eltern im Landkreis Bad Kreuznach, seit neun Jahren bietet Diplom-Psychologin Heike Bormann in neun Kitas im Kreisgebiet für das Diakonische Werk im evangelischen Kirchenkreis an Nahe und Glan diesen Dienst an. Neu hinzugekommen und verstärkt wird jetzt das Team von Simone Böcher von der Lebensberatung des Bistums Trier. Alle drei Institutionen sind quasi in Bad Kreuznach angesiedelt, und alle drei Repräsentantinnen begrüßten die vor Ort Sprechstunde. Oft sei es Eltern kaum möglich, nach Bad Kreuznach zu fahren und dort ihr Herz auszuschütten. Kernaussage aller Rednerinnen: „Keine Probleme chronisch werden lassen - frühzeitig Rat und Hilfe in allen Lebenslagen suchen“ - und genau das bietet „Kita!plus“, denn Probleme im Vorschulalter in den Griff zu bekommen, sei leichter als mit zehn oder 12 Jahren.

Und im Bezug auf Kinder: "Ja - Schiffe sind im Hafen sicher, aber nicht dafür gebaut.

Die Hemmschwelle überwinden und die offene Kita- Sprechstunde nutzen, dafür appellierten alle Expertinnen. Völlig unkompliziert sollten sich die Eltern bei ihren Sorgen und Nöten wohnortnah Hilfe holen. Beratung wird für alle Lebenslagen geboten: Unsicherheit bei Erziehungsfragen, Sauberkeit, Nachbarschaftsstreitigkeiten, Geschwisterkonflikte, beim zu Bett gehen, in Patchwork- Familien, bei Eheproblemen oder Trennungsschwierigkeiten. Gerade wenn man ein Problem bespricht, ist Lösung in Sicht. Und: Trotzphasen der Kinder haben mit der Persönlichkeitsentwicklung natürliche Ursachen und sind normal. Statistisch sei erwiesen, dass Kinder im Alter von zehn Jahren bei intakten familiären Verhältnissen ein optimales Selbstbewusstsein entwickelt hätten. Zudem sei auch belegt, dass Eltern unsicherer sind als früher, und von ihnen klar die Leitung und die Grenzen abverlangt werden. Die Referenten gaben Tipps und Anregungen und begrüßten es, dass es mittlerweile „in guten Kaufhäusern und Supermärkten Kassen für Eltern mit Kindern“ gebe, damit es kein Gequengel und Geschrei wegen einem Überraschungsei geben muss.


Das Trio von KiTa!Plus:

Simone Böcher: "Ich darf nix erzählen: Alles ist anonym"---

Andrea Maas: "Wir leben in einer Zeit der Beschleunigung"---

Heike Bormann: "Das KiTa-Personal freut sich, wenn wir vor Ort sind!".