Rock & Rosen im Kaisersaal - Jahreshighlight: 4 Stunden geistreiches Kabarett speziell a´la Felkestadt - "Dickes"-Gerücht und Möchte-gern-Bürgermeister..

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Fotos unten...Bad Sobernheim. Wenn der ganze Kaisersaal lauthals „Pippi Langstrumpf“ singt - dann muss die Stimmung super sein. War sie auch, mehr noch: Es war einladend angerichtet, und das Programm exklusiv und aktuell auf den Abend konzipiert und zugeschnitten. Für derlei Veranstaltungen geradezu prädestiniert, war die „Gut Stub“ des Erbauers, Gastwirtes und späterem Erfinder der Felke-Kur, Andres Dhonau, und vom Namen her zu Ehren Kaiser Wilhelm II gewidmet, festlich eingedeckt. Die Auftaktveranstaltung zur 8. Bad Sobernheimer Frühlingsmesse am Freitagabend war schon im Vorfeld ratzfatz ausverkauft. Renate Scheffold als Organisationsleiterin des Abends dankte dem 15-köpfigen Kupferkannen Team, der Gärtnerei Fuchs in Monzingen und Monika Faber vom „Ringelwurm“ gegenüber. „Die Gäste wissen genau, was sie erwartet, und sind gespannt wie ein Flitzebogen“, schwärmte sie. Im Übrigen träfen solche kabarettistischen Events zwischen heimatlichen, kulinarischen Genüssen den Nerv der Zeit.

„Rock & Rosen“, Oliver Schneiß und Sabine Schossig-Roevenich kosteten ihr Heimspiel genüsslich aus, beide verstanden es absolut professionell mit geistreichen Witz und Esprit ihr Publikum magisch in ihren Bann zu ziehen. Die kabarettistisch-musikalischen Zwischengänge wurden zwischen einem Drei-Gänge-Menü am Tisch serviert. Nach dem Begrüßungssong „I love Rock & Rose“ ging das feminine Temperamentbündel auf Tuchfühlung, und das klang dann so: „Alles annerscht als sonscht, Auge in Auge mit dem Verbraucher: SooNahe, SoAktuell, so lokal authentisch. Tja, da muschte dich umstelle. Ich han geduscht…“ und damit landete sie den ersten Volltreffer auf die Lachmuskeln. Schließlich sei Messe halt immer so: „Do gehen mer emol gugge, Unverbindlich - keine Vertragsbindung -alles offen“. Ihre „Rock & Rosenwerbung“ nahm alle Mitglieder der örtlichen Kaufmannschaft mit ganz individuellen Werbeslogans in den Fokus. Ob in Uli Grübels Nahegarten „Barfuß durch den Sommer" oder die „Kupferkanne - der Hot Spot aus Topf und Pfanne“, Sabine Schossig-Roevenich gab sich hautnah. Und sie zog alle Register und Metapher, etwa als ihr kongenialer Partner Oliver Schneiß, den sie als „Traum von einem Mannsbild und romantischen Gitarristen“ pries und zu einem perfekten „Vorspieler“ machte, der ihr temperiertes Badewasser einlaufen ließ und den Schampus kalt stellte, und damit im Kerzenschein und gedämpften Licht im Kaisersaal herrlichen Phantastereien freien Lauf ließ. Wie (fast) alle Frauen hatten sie nachher einen ganzen Schrank voll Nichts zum anziehen - außer dem kleinen Schwarzen Fetzen, der nie aus der Mode gekommen ist…..

Nach der Vorspeise „Dreierlei vom Frischkäse“ als Appetitanreger mit gefüllten Mini Paprika, Terrine und karamellisierter Frischkäsetaler kam als Sowerummer Original „es Meschthild“- eine Kunstfigur, ihres Zeichens „Well-fit“- Raumpflegetherapeutin mit rotem Hut, Hornbrille und alle weiblichen Reize abwürgendem, wertkonservativem „Iwwergangsmantel" als Outfit. „Es Meschthild“ lief zur Höchstform auf, plauderte als „Messe-Hostessmessie“ aus dem Nähkästchen und nahm es nicht so genau mit Erotik- oder Esoterikmesse. Wo soll da schon ein Unterschied liegen? In diese Sparte passten Vergleiche etwa mit Heidi Klunker und dem Edelsteinrap „Come, feel the energy vom Lapislazuli“.

Als Hauptgang stärkten sich die 165 Gäste mit gefüllter Maishähnchenbrust auf zweierlei Spargelragout und Gnocchi.

Und die Stärkung war bitter notwendig: Sabine Schossig-Roevenich kam zurück ins Hier und Jetzt, philosophierte und schwadronierte über Gott und die Welt, über Uli Hoeneß, Tebartz van Elst (Bob der Baumeister), und Alice Schwarzer, die bei den Steuerhinterziehern die Frauenquote hoch hält. „Ber-lust-coni“ im Altenheim wo die Gehhilfe bei der Pflegenotstandsuhr den Takt vorgibt, avancierte zu einem melancholisch-ernsten Vortrag. Anders und absolute Höhepunkte waren die Niederungen der lokalen Politik, beim Song zum Thema Ehrenamt wurde jeder Refrain mit Zwischenapplaus bejubelt, und auch jeder „Bürgermeisterwerdenwoller“ blieb nicht verschont. Und dass es bei den Christdemokraten ein „Dickes-Gerücht“ gebe, sorgte für den größten Knaller und Lacher des Abends.

Nach dem beliebten „Dessert Song“ Nutella wurde die köstliche Nachspeise serviert: Mascarpone Mousse mit Erdbeeren und Rhabarber. Weine boten die Weingüter Schneider in Bad Sobernheim, Weingut Weber, Monzingen, Weingut Hees in Auen und das Weingut Funck-Schowalter aus Waldböckelheim. „Come together zu der Frühlingsmess`“ wurde als Hymne besungen, und der ganze Saal tanzte die gleiche Choreographie zum „Weinland Nahe“- Song, wo „Olli“ Schneiß sein Tanztalent aufblitzen ließ und mit seinem eleganten Hüftschwung die Damenwelt von den Sitzen riss. Unter den Zugaben kristallisierte sich „Fever“ als ein ganz spezieller Lieblingshit. Renate Scheffold, Dr. Rainer Lauf vom Regionalbündnis SooNahe und So-Aktuell Vorsitzender Stefan Klußmeier dankten gemeinsam für ein unvergessliches Erlebnis im Kaisersaal.


Sabine Schossig-Roevenich und Oliver Schneiß

Rock & Rosen im Kaisersaal

Es Meschthild lief zur Höchstform auf..

....und plauderte aus dem Nähkästchen