Weltweit einmalig - TV drehte für "Fahr mal hin" - Heylive.de war schon da! "Edendell"- Achatschleife wurde aus dem Dornröschenschlaf wach geküsst

Kategorie: Bärenbach, VG Kirn-Land, Kreis KH, Kunst und Kultur, Lokale News an Nahe und Glan

 

Kreise KH/BIR Fotos unten anklicken Die Zeit in der Schleiferei im Niemandsland „Edendell“ scheint stehen geblieben. Sie ist eine der letzten Achat-Wasserschleifmühlen im Idar-Obersteiner Raum und die wohl einzige funktionsfähige Doppelschleife weltweit! Nun wird sie aus ihrem Dornröschenschlaf wach geküsst. Der zum Leben erweckende Prinz ist Berufssoldat Raphael Kuhn mit seiner Frau und Edelsteinexpertin Sarina.

Zwischen Fischbach und Kirn liegt auf der Kreisgrenze die exponierte Schleiferei auf Kirn-Sulzbacher Gemarkung gegenüber dem Bärenbacher Hachenfels an der schmalsten Stelle der B 41. Sie ist nur über eine Nahefurt, einen Feldweg aus Richtung Berschweiler, oder über einen schmalen Eisensteg fußläufig über die Nahe zu erreichen. All diese Umstände haben zu ihrer relativen Unbekanntheit beigetragen. Solche Doppelschleifen entsprachen der neuesten technischen Entwicklung ihrer Zeit. Es gab sie nur im Idar-Obersteiner Raum, der Bau der Schleiferei und Wasserrechte datieren aus dem Jahre 1852. Wie es überall im Raum Idar-Oberstein gang und gäbe war, lagen die Schleifer auf dem Schleifenstuhl und drückten die Steine an den rotierenden Sandstein. Der Bärenbacher Thilo Wensky (50) begann hier 1976 seine Achatschleifer-Lehre und erzählte aus der Praxis und Anekdoten aus dem Nähkästchen. Die Edelsteinschleiferei gehörte einem Konsortium mehrerer Edelsteinschleifer, die Raritäten und extravagante Einzelstücke wie etwa Schwertscheiden, Brieföffner, Geigen, Kaffeeservice oder Aschenbecher schliffen. Der Papst, Jaques Costeau oder der Sultan von Brunei zählten zur Klientel. Erst vor wenigen Jahren gingen hier die Lichter aus, wurden nur noch sporadisch die Transmissionsriemen eingerückt und Filigranes von der Fischbacher Edelsteinfirma Albert Leyser GmbH Co. KG geschliffen und produziert. Und doch begegnet man auf Schritt und Tritt nostalgischen Relikten, altem Handwerksgerät und Utensilien. Schleiferschürzen hängen da, wie gerade eben erst ausgezogen. Vieles lässt sich Jahrzehnte zurückdatieren: Auf dem Schleifstein liegt eine Nahe-Zeitung vom 14./15. August 1976 und die dazugehörige Brille. Schlagzeile: „DDR stoppt Sternfahrt Busse - Bundesregierung verlangt in Ost-Berlin eine Erklärung“. Und im Sportteil freute sich „Bomber der Nation“ Gerd Müller: „Ein Glück, dass es bald losgeht“.

Jetzt ist der Anfang gemacht, die Renaissance der Schleife eingeläutet: Alle sind gefordert, Kulturgut zu erhalten: Die Denkmalpflege, Sponsoren, die Schmuckindustrie, die Kommunalpolitik. Auch dazu diente die Besichtigung. Einiges wurde schon in Gang gesetzt. „Technik, die begeistert“ sagt der neue Besitzer zu einer 36 PS leisen Ossberger Wasserturbine, die Energie liefert. Raphael Kuhn und seine Freunde haben zur Besichtigung eingeladen, erläutern die Hauptschleuse, die Funktionsweise und Räumlichkeiten, grillen Deftiges und erklären ihre hehren Ziele: Kuhn kann sich wie im Bad Sobernheimer Freilichtmuseum Museumswohnungen vorstellen, will Soo-Nahe-Produkte verkaufen, das ganze Ambiente am Nahe-Radweg touristisch erschließen und nutzen. Ziegen und Schafe weiden friedlich am Hang unterhalb dem „Spitzfels“ mit seinem weithin sichtbaren Friedenskreuz, die Naturidylle könnte nicht schöner sein. „Mit diesem Neubeginn rückt Kirn näher an Idar-Oberstein und wird Schleiferstadt“ sagte Kirns Bürgermeister Fritz Wagner in Fernsehkameras, ohnehin sei man touristisch vernetzt und dieses Standbein gelte es, gemeinsam weiter auszubauen.


35 Jahre alte Nahe-Zeitung

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