Über 150 Jahre Eisenbahnromantik pur: Ulrich Hauth stellt Buch vor.

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Fotos UNTEN. Kirn. Bei der Buchpräsentation mit Bildern aus der Dampflokzeit im Kirner Gesellschaftshaus wurden die Zuhörer und Eisenbahnfreunde über die Zusammenfassung der 152-jährigen Eisenbahngeschichte in der Nahe-Hunsrück-Region rund ums Betriebswerk Kirn dank zahlreicher Anekdoten und der wechselvollen Gesichte hellhörig: „Pünktlich wie die Eisenbahn“ hieß ein früherer Slogan, denn schließlich hatten Reisende fünf Minuten vor der Zeit da zu sein, und sich nach der Bahn zu richten!

„Das neueste Werk des Kirner Historikers Dr. Ulrich Hauth ist ein großartiges Buch und wird nicht nur unter Eisenbahnfreunden einen großen Leserkreis finden. `Von der Nahe in die Ferne` genügt allen geschichtswissenschaftlichen Anforderungen. Dr. Ulrich Hauth hat mit seinem Buch ganz ohne Zweifel einen heimatwissenschaftlichen Meilenstein gesetzt“; -so die Besprechung aus berufenem Mund von der Kreisvolkshochschule Birkenfeld und der Heimatwissenschaftlichen Zentralbibliothek des Landkreises Bad Kreuznach.

Erste Lokomotive im Naheland dürfte demnach ein Dreiachsdampfross der Baureihe No.23 mit dem Namen „Bingerbrück“ gewesen sein; - von dort führte die 121 Kilometer lange Strecke nach vierjähriger Bauzeit bis  Neunkirchen und wurde am 25. Mai 1860 feierlich eröffnet. Acht Züge kamen in Kirn an und fuhren ab.

„Berge werden durchgeschoben- Flüsse werden überhöht- Schienendämme gebaut“, so lautete das Denken einer neuen Ära. „Gemischte“ Züge waren Güterzüge mit Personenabteile und im Fahrplan gekennzeichnet.  Um 1900 boomte die Eisenbahn. „Ehrenjungfrauen“ und „allerhöchste Herrschaften“ empfingen den späteren Kaiser Wilhelm bei einer Stippvisite in Kirn mit Bier. Als der die Weinstöcke am Kyrburghang sah, soll er neidisch gerufen haben: "Den Wein trinken die Kirner allein..." Interessante Pläne sollten Bahngleise durch Tunnels an den „Bahnhof Kallenfels“ und weiter durch Hahnenbachtal bis nach Bullay an die Mosel führen. Von Simmern bis Gemünden wurde gebaut, ein Anschluss nach Kirn wegen dem Ersten Weltkrieg eingestellt. Die Bahn war damals mit 288 Beschäftigten drittgrößter Arbeitgeber, davon zeugt die komplette Friedrich-Ebert-Straße in Kirn, die Ende der 1920-er Jahre als reine „Eisenbahnerbau“- Siedlung entstand. Lederfabrikanten wie Carl-Simon-Söhne bauten und bezahlten selbst einen 1,5 Kilometer langen Gleisanschluss, die Züge fuhren bis 1927 durch einen 124-Meter langen Tunnel mitten durch den Steinbruch. Bis in die 1990-er Jahre wurde Schotter abgefahren, 2001 der Güterverkehr von Hartmut Mehdorn auf der Nahestrecke ganz eingestellt. 1981 musste der Wasserturm mehrfach gesprengt werden. Bahnromantik und Nostalgie gibt es im Zeitraffer, die Geschichte der Rhein-Nahe-Eisenbahn ist über 150 Jahre lang dokumentiert.

Des öfteren erschienen großformatige Anzeigen und Sonderannoncen der „Kirner-Zeitung“ und im „Öffentlichen Anzeiger“. Auch am 16.Januar 1918, als ein Zug in Höhe der Kirche St. Johannisberg in die Hochwasser führende Nahe stürzte, erschien eine Sonderausgabe. Unter den 23 Opfern waren elf Soldaten, mehrere Personen blieben vermisst.


Buchsignatur mit dem scheidenden VHS-Leiter Fritz Bischof (li.)

Ex Richter Manfred Kuhnert und Jürgen Schneider (links)

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Dr.Ulrich Hauth, Historiker aus Kirn

"Von der Nahe in die Ferne"