Hochwaldcowboy & Supertyp: Martin Weller - kumpelhaft und authentisch

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FOTOS Textende-Otzweiler. Im Rahmen seines 40-jährigen „Jubiläums“ feierte der Trampclub Otzweiler („TCO“) mit Freunden im voll besetzten Dorfgemeinschaft ein Wiedersehen mit dem Hunsrücker Hochwald-Cowboy Martin Weller, der seinerseits 20-jähriges Bühnenjubiläum feiert. „Dat kann heit´ Owend ebbes gen“ – begrüßte der Vollmersbacher Mundart-Volksmusik-Liedermacher und wusste das Terrain mit der großen Fangemeinde nach dem Einstiegssong „Honsregger Platt“ genau einzuordnen.

„Kultur pur. Unglaublich lockere und familiäre Veranstaltung. Lauter fröhliche und begeisterte Menschen waren da!“ schrieb sonntagfrüh um 1.27 Uhr TCO-Vorstandsmitglied Bernd Gehres in Facebook.

Der TCO feiert das ganze Jahr über 40.Geburtstag. Nach dem Jugendtreff Heimweiler und noch vor den Hobby-Playern in Simmertal wurde der zweite eigenständige (Jugend-) Verein im Kirner Land 1977 gegründet. Zehntausende Euro wurden seither für die Bekämpfung der Mukoviszidose und wohltätige Zwecken (Benny & Co., Glockenturm, Inventar Gemeindehaus) gespendet. Die  Gründungsversammlung fand einst im Gasthaus „Zum alten Försterhaus“ statt. Bei ihren Mitgliedern Lisa und Röschen Hohneck war das Epizentrum – die antiquierte Wirtschaft mit „Dippscher“, Groschengräbern und Juke-Box war immer proppenvoll, das Kirner Bier floss in Strömen und Cola-Cognac war Kultgetränk.

Begge Peter war schon in der kleinen Randgemeinde von Kirn-Land zu Gast, das Daubacher Duo Rust „Himbeereis und flotter Käfer“ ebenso, Die Lords, Dave Dee, und Chris Andrews („Pretty Belinda“) auch. 2009 war Martin Weller zu Gast. Er hat in Otzweiler seine Fangemeinde, die jede Passage in- und auswendig kennt, und so fühlt er sich wie bei Freunden daheim. Auf Wunsch sangen die Fans lauthals jeden Refrain seiner Lieder weiter, das war schon sehr beeindruckend.

Freitags tritt er ungern auf: „Dann sin` die Fans müd` und ech aach“. Seine Songs sind das beste Beispiel dafür, wenn das Kind im Manne erwacht: Kindheitsträume werden lebendig, wenn er von Filmstar „Willise Bruce“ aus dem Sandkasten erzählt, den die Amis selbst bei seinem Besuch in Amerika nicht kannten und fragten, wer der Mann neben Martin sei. Weller ist Jahrgang 1958, „et Pease- Zeeche“, Plunder und Polunder, Ponyfrisur und „et Mopedche aus em Kataloch“ mit 0,85 PS und einem Fuchsschwanz am Spiegel - das war einst seine Welt: „Haut` gitt et Heckeschere, die mehr Power hon!“, sinniert er. Werbeslogans, jenes „Bacardi Feeling“, hat es ihm angetan, und: „Kirner oder Bit?“ - bring beide mit!

Umgedichtete Balladen von Bob Dylan oder Peter Maffay sind allesamt funkelnde Brillanten, die der selbstständige Schmucksteinfaser gefühlvoll zum Besten gibt. Es wird nicht nur ein Liederabend mit dem „Schlaaachtfescht“, „Eesch senn reesch“, dem „Griechische Ween“, „Dau onn eesch“ oder „Von Allenbach no Idar“ und dem „Hochwaldcowboy“, sondern aufgepeppt mit Witzen oder geistreicher und makabrer Poesie: Etwa wenn die Oma unter den VW kommt, oder „De Marder“ mehr Glück hatte als „Die Katz“, die unter die Dampfwalze kam. Auch die gelebte Rivalität zwischen „Irader und Owwersteener“ wird köstlich ausgelebt. Er, bekennender Idarer, macht Schmuck „fa Reeche un die heiße Society - annere fir de Kaugummiautomat“, frozzelt er.

Ob sein Vater Metzger war?; - das wollen Kirner Zuhörer wissen, weil er als Schweinezüchtender, „Hochwaldcowboy und Supertyp“, hoch intellektuell das Leben mit dem „Schweenehaas“ (Schweine-Nacken) vergleicht und über die „Zwei-pfunds-Hochripp“ bis zum Spießbraten alle Teilstücke kennt und besingt. Zur Abwechselung darf es auch einmal eine "Hammelschmier" = Döner sein. Martin Weller plauderte ungeniert über Beruf und Hobby und ließ sich Zugaben vom „Bierbauch-Blues“ bis zum „Alten Mütterlein-Song“ entlocken. Er gab sich kumpelhaft, regional authentisch, und er darf jederzeit wieder nach Otzweiler kommen.

ZU den Fotos: Als „Hochwaldcowboy“ ein Supertyp: Martin Weller unter Freunden im voll besetzten Dorfgemeinschaftshaus im April 2017…