FRK´s letzter Auftritt in der Wildkammer - Der Wähler ist grausam!

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Region Politische Farbenlehre. Nachlese im Wahlkreis 202. Momentaufnahme am Wahlabend. Wahlen haben so etwas Unerbittliches, Bloßstellendes, Abstrafendes, Gemeines.

Da bekommt Bundestagsabgeordneter Fritz Rudolf Körper die Quittung für vermeintliches Nichtstun oder unerfüllte Genossen-Wünsche und Schlendrian, weil er sich hat nie blicken lassen. Wie Phönix aus der Asche und kein Fettnäpfchen auslassend wird Seiteneinsteigerin Antje Lezius zur Überfliegerin. Und überhebliche Wendehälse, alternde und fallsüchtige Schoppetrinker wie Rainer Brüderle werden geschasst und fallen tief. „Fort mit den Wackelkandidaten in die Versenkung“ schreiben Wähler namentlich. Selbst FDP Kreisvorstandsmitglieder wie Rüdiger Neitzel (Koblenz) prangern fragend die Glaubwürdigkeit an: „Warum wird Babynahrung höher besteuert als Hundefutter?“ Die FDP manifestierte im schwarz-gelben Koalitionsvertrag extra zu diesem Zweck eine Arbeitsgruppe, die in vier Jahren kein einziges Mal tagte! Braucht es da ein liberales Korrektiv? Nein.

„Wundenlecken nach Merkel-Wahl“, durchatmen - die Wählerklatsche lamentieren und positiv kommentieren, eher furztrocken als froh und heiter war angesagt, als sich die Bad Sobernheimer SPD-Fraktion im City-Treff bei Ernst Endres und die Grünen im „Bella Italia“ bei Clemente Perrotta trafen. Vom Kuschelkurs der Kanzlerin war da neidvoll die Rede.

Niemand hatte am Wahlabend nach 18 Uhr in der Felkestadt Antje Lezius als Überfliegerin gegen „FRK“ gedanklich auf der Liste. Im Gegenteil: Alle befragten in Kirn-Land, in Idar-Oberstein, in Kirn und Meisenheim, bei Ernst Endres oder in der Pizzeria rechneten damit, dass der Rehborner das Direktmandat holt: Erste Stimme Fritz Rudolf Körper, Zweitstimme der CDU, um Rot-Rot-Grün zu verhindern, dies war einhelliger Tenor auch im Rathaus. „Never chance a winning Team“, sagte Bad Sobernheims VG VHS-Leiterin Simone Kehl zur Beliebtheit und Triumph von „Angie“ und ganz starken Frauen in der Union. Natürlich gelte es, an Stellschrauben zu drehen, sich neuen Herausforderungen zu stellen, und sie nannte Beispiele: Vor über 30 Jahren habe die Wohnung ein siebtel des Nettoeinkommens gekostet, heute ein Drittel bis zur Hälfte, und auch die Bezahlung bei Leih- und Zeitarbeit sei vielfach nicht okay. Wegen der Konstellation im Bundesrat lief sehr früh in der Felkestadt alles auf eine große Koalition von CDU und SPD hinaus. Und die FDP? Ihr habe die Leihstimmenkampagne geschadet. Außer Lindner und Kubicki hätten die Liberalen keine Persönlichkeiten. Nach 18 Uhr trudelten bei Simone Schmidt noch Briefwahlstimmen aus den Gemeinden ein, Büroleiter Rainer Link nahm nacheinander aus Rehbach, Langenthal, Entenpfuhl, Winterburg, Auen, Steinhardt, Ippenschied und Bärweiler die ersten Endergebnisse an.

Fakt ist: Fritz Rudolf Körper ist trotz (6 Prozent-) Stimmenzuwachs gescheitert. Nach Insider- Infos war das Desaster im Vorfeld bekannt, die größte Angst bei den Genossen. Auch konnte sich der frühere Staatssekretär in der eigenen Partei über die Landesliste nicht besser absichern. Das sagt viel aus. So gesehen: Überraschungen gab es keine. Alles stand im Vorfeld fest, da konnte auch Peer Steinbrück im WK 202 nichts mehr reißen. Das Ergebnis stand früh fest, aber: Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Altes, Konservatives wird abgestraft, rausgekegelt, die FDP ist out und weg- die SPD folgt: Denn wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit! Nur wer medial omnipräsent und „up to date“ ist, simst, bloggt und twittert oder sonst wie mit Stinkefinger von sich Reden macht, wird wahrgenommen in der schnellen virtuellen Welt. Nachwuchs in der SPD? Politische Newcomer? Schwergewichte? Nix da. Sie werden nicht auf-ge-baut, nicht gefördert, an der „kurzen Leine“ geführt. Allein Platzhirsche haben das Sagen und das rächt sich dann schnell. Die SPD macht planlos „weiter so“- und „Mutti Angie“ jubeln der Mittelstand, die Bosse der Genossen und die ganze nächste Generation in Massen zu, von Vertrauen ist da die Rede. Der Wähler ist von positiven Wirtschaftsdaten in der Bundesrepublik beseelt, satt und zufrieden, und an einem Wechsel war niemand gelegen.

Wie wäre es gewesen, wenn die Opposition opponiert hätte, wenn die (geschätzten) fünf bis acht Millionen Hartz-Empfänger, Zeit- und Leiharbeiter, unzufriedenen Geringverdiener in prekären Verhältnissen alle gewählt hätten? Oder haben gerade Sie gewählt? Nie zuvor hatten „die Deutschen“ so viel im Sparstrumpf und auf der hohen Kante- und noch immer werden 14,4 Milliarden alte D-Mark vermisst und gesucht.

Übrigens. Sehr positiv blieb die Bundestagswahl bei vielen Wahlhelfern in der Region haften und im Gedächtnis. Wie bei den Grünen Barbara Lehne` und Eva Schug (Bad Sobernheim): Die Damen seien von der hohen Wahlbeteiligung, von Wählern mit Migrationshintergrund, und vor allem von viel Jugend, die Wählen ging, positiv überrascht worden und daher sei es ihnen „um die Demokratie in unserem Lande nicht bange“.

 


Fritz Rudolf Körper in der Wildkammer bei Petra & Klaus Nieding

...FRK drei Tage vor dem Showdown (links)