NEUES aus dem Langenthaler Wald - Steilhang erklommen - Waldumbau

Kategorie: VG Sobernheim, Langenthal, Kreis KH, Soonwald, Lokale News an Nahe und Glan, Kunst und Kultur, Politik, Einst & Heute

 

Fotos UNTEN. Langenthal. Die jährliche Waldbegehung führte steil hinauf in den Gemeindewald („Bauerschwald“) zur 300 Jahre alten Eiche am Rabenkopf und kreuzte zwei Mal die Willigis Vitaltour Wanderroute. Hier war auf eineinhalb Hektar vergangene Woche der Harvester im Einsatz und fällte alle vom Borkenkäfer befallenen Fichten. Der Meddersheimer Revierleiter Frank Steines erläuterte eingehend die groteske wie paradoxe Situation auf dem weltweiten Holzmarkt. Aktuell werden 250.000 Tonnen nach China und Vietnam verschifft – in den Baumärkten fehlten im kommenden Jahr rund zwei Millionen Kubikmeter Bauholz, weiß Steines von Experten und eigenen Abnehmern. Im bereits vor Jahren durchforsteten Langenthaler Bauersch-Wald waren es heuer 100 Festmeter Käferholz in drei Kategorien: Einmal das Sägeholz, dann Industrieholz für Spanplatten sowie Papierholz, auch Schleifholz, so genanntes ISN-Holz (Industrieschnittholz –normale Güte), dass zur Papierherstellung zwingend frisch eingeschlagen sein muss.

Und wie und mit was Aufforsten und den Wildverbiss sichern? fragte Ortsbürgermeister Diethelm Stallmann nach – die Fläche soll zügig geräumt und bestockt werden. Nach Beratung an Ort und Stelle kam man in diesem chaotisch-aussehenden steilen Terrain zum Entschluss, zeitnah in Eigenleistung mit Bürgern so genannte Fluchtstäbe zu setzen. Dessen Schneisen bilden im seitlichen Abstand von 2,50 Meter Pflanzreihen, wo alle 1.50 Meter Setzlinge gepflanzt werden sollen. Waldwirtschaft werde in Generationen geplant: Kiefer und Lerchen seien eine Alternative zur Fichte, Douglasien und Eichen vertragen sich perspektivisch sehr gut, so der Förster. Tanne brauche Wasser, was hier am Standort nicht zurückgehalten werde. Schon der Ortsname zeugt von einer Gemeinde in einem langen Tal mit steiler Gemarkung – von den 272 Hektar sind 98 Hektar Wald in der gut 90 Seelen zählenden Gemeinde. Interessant: 1870 zählte der Ort 186 und  damit exakt doppelt so viele Einwohner.

Landesweit laufen noch bis zum 11. Dezember 2020 die Klimaschutzwochen der Landesregierung– die Coronapandemie dürfe den Blick auf die Veränderungen nicht vernachlässigen; - Klimaschutz sei aktiver Waldschutz. Private Waldbesitzer klagten vor diesem Hintergrund in der SWR-Landesschau und in unserer Zeitung: Von einer viele Jahrzehnte gewachsenen Schadholzfichte blieben aktuell nur fünf Euro, bedauerten sie. Im felkestädtischen Forstamt gebe es derer viele privaten Waldbesitzer, bestätigte Frank Steines auf Nachfrage und sagte: „Alle befinden sich mit der Kommune in bester Gesellschaft und im selben Boot. Kaum Einnahmen nur Kosten – in keinem Revier im Forstamt Bad Sobernheim werden aktuell schwarze Zahlen geschrieben“.

Man sah einige farblich markierte und mächtige Douglasien, die wegen dem momentanen Überangebot von Käferholz „stehen bleiben können und als Broteinschlag je nach Angebot und Nachfrage wieder ein Plus zwischen 4.000 und bis 7.000 Euro Ertrag bringen werden“. Und da sei sie dann wieder, die Zuversicht und der Optimismus, dass es eine Zeit nach dem Borkenkäfer geben werde, konstatierte Frank Steines. Unterwegs waren die Windräder, Starkregen und Hochwasserschutz Themen. Langenthals Erster Beigeordneter und Feuerwehrchef Thorsten Spreier war dabei, Hündin Bonny, der zwölfjährige Sohn Leon und dessen Opa Hans-Jürgen Spreier. Unterwegs sah man steile und tiefe Gräben, so genannte „Schläärp“, wo früher das geschlagene Holz vom Rabenkopf zu Tal „geschleift“ und befördert wurde, informierte Senior Spreier vom Hollerweg aus Langenthal, der um Setzlinge für seine Kultur nachfragte.


Langenthal

Förster Frank Steines

Fichtenkultur-Kahlschlag

vom Borkenkäfer befallen