ALKOHOLEXZESS: Vom Narrenkäfig auf Intensivstation? Missbrauch tötet!

Kategorie: Lokale News an Nahe und Glan, Tipps im Alltag, Schule

 

REGIO SERIE Teil 1: Alkohol und Ecstasy: Irreparable Schäden durch Missbrauch. Nur Polizei-Prävention hilft!

Vorsicht 2011 bei den tollen Tagen! Deutschland verzeichnet 74.000 Alkoholtote jährlich

Trockene Statistik, Realität, die es in sich hat: Während des Monzinger Weinblütenfestes werden alljährlich an einer einzigen Häuserfront über 20 leere Wodka- und Fuselflaschen mit Hochprozentigem gefunden. „Zum Vorglühen“, wie es im heutigen Sprachjargon heißt: 9% aller Todesfälle gehen in Deutschland auf übermäßigen Alkoholkonsum zurück. Dies berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Demnach sterben etwa 74.000 Menschen deutschlandweit an den Folgen von Alkoholmissbrauch. Alkoholiker selbst reden konstant seit fast 20 Jahren von 42.000 direkten „Schnapsleichen“, etwa soviel wie die Kreisstadt Bad Kreuznach Einwohner zählt. Die Dunkelziffer und Folgekrankheiten veranlasst die BZgA zu dieser höheren Zahl. Jährlich werden rund 24 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Kosten durch alkoholbedingte Erkrankungen verursacht. Leberzirrhose, Herzmuskel- und Krebserkrankungen sowie Schäden des Gehirns sind dabei die am häufigsten auftretenden Erkrankungen. Noch immer würden die Risiken des zu hohen Konsums von Alkohol deutlich unterschätzt, warnt die BZgA. Etwa 9,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren haben Alkoholprobleme in Deutschland. Ganze 1,3 Millionen Deutsche seien vom Alkohol abhängig. Vorsicht: Alkohol ist das am weitesten verbreitete Suchtmittel in Deutschland, Alkoholismus ist seit 1976 eine anerkannte Krankheit. Fast jeder zehnte Jugendliche (8,2 %) im Alter von 12 bis 17 Jahren weist einen riskanten oder gefährlichen Alkoholkonsum auf. Jüngst veröffentlichte Zahlen der stationären Krankenhausbehandlungen von Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 20 Jahren verdeutlichen die Problematik: Über 23.165 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren wurden 2009 wegen akuter Alkoholvergiftung  stationär im Krankenhaus behandelt. Das ist die höchste Zahl seit der Ersterhebung im Jahr 2000 und entspricht einer Zunahme um 143 %. Also: Keine Verharmlosung, keine Bagatellisierung! Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), und ihre Nachfolgerin Mechthild Dyckmans (FDP) sind sich dazu unisono einig: „Die Zahlen sind deutlich: Kinder und Jugendliche müssen besser vor alkoholbedingten Gesundheitsschäden und Suchtgefahren geschützt werden. Wir müssen handeln“.

Mit Ecstasy am Steuer: Aus der Disco in den Tod.

2008 starben 1449 in Deutschland den Drogentod. Vor zehn Jahren noch lag die Zahl deutlich und dauernd über 1800 jährlich. Es ist die Gefährlichkeit der kleinen Pillen, die verharmlosend bei Nachtschwärmern zur „Party-Droge“ wird und von denen niemand weiß, was tatsächlicher Bestandteil ist und wie toxisch das Zeug ist. Selbst Rattengift wird beigemischt. Das macht sie gemeingefährlich, unberechenbar, tödlich. Durch die Pillen wächst der Durst und die Risikobereitschaft. Folge sind waghalsige Überholmanöver, Polizisten sprechen von „Kamikatzefliegern“. Mit dieser synthetischen Droge wie Ecstasy putschen sich nicht nur Jugendliche auf, immer mehr müssen wegen Drogen oder Medikamente zum Idiotentest. Auf Kirmessen (Kerwe und Feste) zwischen Nahe und Glan reden Ältere erschreckend offen über das Pillchen: „Wir mussten früher einen Kasten Bier und eine Flasche Schnaps saufen. Da haben es die Jugendlichen von heute leichter und einfacher“, hört man oft Eltern sagen. Dass es weniger Tote gibt, dürfte allein an der vorbildlichen Präventionsarbeit der Polizei liegen. Bei ihren Besuchen in den meist fünften bis achten Schulen klären sie schonungslos auf, zeigen erschreckende Unfall-Videos, nennen Hehler und korrupte Verbrecher, die selbst ihren Mix niemals anrühren würden, und konfrontieren die Schüler mit der grausamen Realität. Nur das hilft.

Zu den Fotos: Solche Blickweisen wie auf dem ersten Foto nahe am Delirium enden aufgrund völliger Desorientierung nicht nur im Straßenverkehr meist tödlich. Nicht wieder zu erkennen aufgrund ihres Designs sind die gepressten Party-Pillen. Effektive Hilfe gegen Alkoholismus bieten Selbsthilfegruppen, wie beispielsweise die AA (Anonyme Alkoholiker). Sie wurden 1935 in den USA von dem Chirurgen Bob und dem NY Börsenmakler Bill gegründet, stellen Prinzipien über Personen und halten sich strikt an ihre Präambel, 12 Schritte und 12 Traditionen. 1990, vor über 20 Jahren anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Bad Kreuznacher Gruppen wurde im Monatsheft die Kreisstadt KH in einem Städteporträt vorgestellt. Seit wenigen Jahren gibt es Onlinemeetings: Internetadresse: www.anonyme-alkoholiker.de.