Mit gespendetem Gerät alleine `raus gefahren, Leben zu retten: Lothar Iseke

Kategorie: Blaulicht, Lokale News an Nahe und Glan, Kreis KH, Leute nebenan, Meddersheim, Bad Sobernheim

 

Fotos unten: Meddersheim. Mit Leib und Seele, Tag und Nacht, im Monat oft bis 320 Stunden ist Lothar Iseke sein ganzes Leben lang für andere als Ersthelfer da gewesen und hat Rettungsdienst gefahren. Der Aufbau des Rettungswesens im Kreis Bad Kreuznach, insbesondere an der mittleren Nahe, ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Iseke fuhr vor über vier Jahrzehnten größtenteils „mit gespendeten Gerätschaften alleine raus zum Leben retten“; - heute zählt der vor 20 Jahren neu eingeweihte DRK-Standort in der Sobernheimer Ziegelei 19 neun Mitarbeiter, die im Schichtbetrieb arbeiten.

Rettungsdienstleiter Thomas Adrian schätzt an ihm, dass er nach all den Jahren noch immer mit so großer Begeisterung dabei ist und nie aufhört, sich ständig weiterzubilden.

Der 63-jährigen Frohnatur und dem engagiertem Meddersheimer Ratsmitglied begegnet man gern. Nicht nur dann, wenn man sich urplötzlich nach Rollerunfall im Wald schwer verletzt mit ausgekugeltem Schultergelenk hilflos im Chausseegraben wiederfindet. Als der rasende Reporter des "Öffentlichen Anzeigers" und Autor dieser Zeilen am 5. November 2011 im Freilichtmuseum an der Dicken Eiche von Lothar Iseke „geholt“ wurde, wähnte er sich rundum gut versorgt und sicher aufgehoben wie in Abrahams Schoß.

Zeitungsausschnitte aus über vier Jahrzehnten über ganz schreckliche Unfälle füllen Bände: „Ja, die Bilder sehe ich vor mir“, sinniert Iseke. Er hat gelernt, damit umzugehen. Es gab tragische und tieftraurige Einsätze mit verletzten und getöteten Kindern, darunter ein „Super-GAU“, als in einem Ort der VG Bad Sobernheim ein Opa sein Enkelkind überrollte. Suizide, schlimme Bikerunfälle oder Unglücke auf Bahngleisen wird er nie vergessen. Einmal prallte auf der K 20 ein auf dem Flugplatz Pferdsfeld stationierter Feuerwehrmann aus der VG mit einem Schulbus frontal zusammen, alle Türen landeten im Acker. Der kurvenreiche Steinhardter Stich auf der alten B 41 war berühmt und berüchtigt, und kostete vielen Menschen das Leben. Als die Bundeswehr noch auf dem Dörndich und in Pferdsfeld stationiert war, sei das Verkehrsaufkommen viel höher gewesen. Mit der Bundeswehr und den SAR- Hubschrauberbesatzungen habe die Zusammenarbeit vorbildlich funktioniert. Oft geriet in den 1970-er Jahren die Felkestadt und Iseke in die Schlagzeilen, weil in der Nähe vom Kurhaus „Neues Leben“ ein TV- Team wohnte und kritisch jeden Unfall und jede Neuerung im Rettungswesen hinterfragte, und mehrfach der Landrat das DRK und seine Mitarbeiter in Schutz nehmen und gesetzliche Vorgaben erklären musste.

Anfänge und Aufbau des Rettungswesens in der Felkestadt

1950 in Windesheim geboren, lernte Lothar Iseke in Bretzenheim Werkzeugmacher und arbeitete drei Jahre bei Hay in Bad Sobernheim. Im Mai 1970 legte er in Burg an der Mosel die Prüfung zum Krankentransportsanitäter ab, und fuhr ehrenamtlich im damaligen DRK Kreisverband Bad Kreuznach. Iseke lernte seine Merxheimer Frau kennen, die bei der Sobernheimer Bauverwaltung arbeitete. Auf Rat des damaligen VG-Wehrleiters Heinz Schmitz zog das Paar ins neue Feuerwehrhaus am Johannisplatz, wo ein VW-Bus als erster „Sanka“ stationiert war. Lothar Iseke war mit Hans Messer an der mittleren Nahe „Mann der ersten Stunde“, wechselte beruflich von Hay zum DRK Kreisverband. Sehr gute Zeugnisse wurden ihm attestiert, seine klinische Ausbildung zum Rettungsassistenten absolvierte er im Uni-Klinikum Mainz, Iseke sammelte Erfahrung bei Chefarzt Dr. Parandian im Krankenhaus St. Marienwörth in der Anästhesie: „Diese Arbeit am Patienten in Sachen Beatmung, Kreislauf und medikamentöse Therapien hat mich fasziniert und meinen Horizont erweitert. Ich war Mitte 20, topfit, wissbegierig und voller Tatendrang“, erinnert er sich. Damals existierte in der Malteserstraße noch das Sobernheimer Krankenhaus mit drei Fachrichtungen, Iseke assistierte in der Ambulanz, half überall. Wenn er alarmiert wurde, fuhren oft ehrenamtlich die Feuerwehrmänner Walter Zink, Gerd Kühner oder Rainer Kasper mit ihm raus. Der Rettungsdienst und die Aufgaben nahmen zu. Nach vier Jahren Feuerwehrhaus wurde das Kessel`sche Gelände am Kuhweg neue Rettungswache. Die alte Waschhalle einer Tankstelle wurde Autogarage, erstmals gab es einen Aufenthaltsraum, ein Bad und eine kleine Kochküche.

Weil das Sobernheimer Krankenhaus aufgelöst wurde, wurde die Rettungswache von zwei auf sechs Personen aufgerüstet, zum Krankenwagen kam ein zweiter, moderner Rettungswagen. Volksbank und Sparkasse, Eisen-Schmidt, die Odernheimer Turnerfrauen spendeten EKG-Gerät, Defibrillator, Kindernotfallkoffer. Bis 1993, bis zum Umzug in die Ziegelei, war der Meddersheimer „Wachleiter“, schrieb Dienstpläne und war im Betriebsrat aktiv. Danach wechselte sein Arbeitgeber vom DRK-Kreisverband zum heutigen DRK Rettungsdienst Rheinhessen Nahe e.G. mit Sitz in Mainz.

2000 starb seine geliebte Frau, mit der er sich prima verstand, und die Lothar Iseke fast zehn Jahre lang bis zum letzten Atemzug fürsorglich pflegte.

Im 41. Jahr stehen dienstlich über eine Million Kilometer auf dem Tacho, der 63-jährige will noch ein Jahr ´dranhängen. „Ich weiß selbst nicht, wie ich dies alles zeitlich schaffte“, denkt er laut nach und ist mit dem Geleisteten, aber auch mit der Entwicklung im Rettungswesen zufrieden und überglücklich: „Das Notarztsystem und die Ausstattung ist vorbildlich“. Sofort sei man mit einem starken Team vor Ort, notfalls sei in 15 Minuten auch ein Hubschrauber da. Das Berufsbild und die Ausrüstung mit High-Tech-Gerät hätten sich generell sehr zum Vorteil des Patienten verbessert. Und: 24 Stunden-Schichten, wie vor 40 Jahren, gebe es glücklicherweise heute keine mehr, schwingt Dankbarkeit nach einem erfüllten Berufsleben mit.

Heute werden jährlich mehr als 120.000 Einsätze von 680 Mitarbeitern in 18 Rettungswachen und 11 Notarztstandorten zwischen Worms und Stromberg, und zwischen Birkenfeld und Mainz oder Oppenheim gefahren. Rettungswachen im Kreis KH sind in Bad Kreuznach, Meisenheim, Bad Sobernheim, Kirn und Stromberg.


Lothar Iseke über 40 Jahre DRK

Unfall in der Hottenbach

Ein Leben lang das DRK geprägt

Über eine Million Kilometer