Es gibt keine Schutzengel mehr - Meiner ist der Beste und blieb mit treu!

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>Wir schreiben Februar 2011: Per Gesetz „pro“ Kinderlärm muss Deutschland im Februar 2011 kurz vor den Landtagswahlen kinderfreundlicher gemacht werden. Bravo oder Armutszeugnis? Missbrauchsfälle füllen Gazetten, Boulevardpresse und seriöse Tageszeitungen. Wo sind bloß die Schutzengel geblieben? Diese Frage treibt mich oft mit Schulkameraden um. Gibt es sie noch? Und warum hört man so wenig von ihnen? >Früher war alles anders! Beispiele vom Tag:

>Der Kellenbacher Kindergarten soll neben GEZ- Gebühren, Abspielgerät, Datenträger und Strom auch GEMA für seine Kinderlieder berappen. Kein Aprilscherz!

>Schwarzerden geht nur wegen des Namens „Ballermann 6“ Internet Abzockern auf den Leim!

>Bei einer Veranstaltung des Musikvereins Sponheim wurde der Vorsitzende Siegfried Kristen zu 1000 Euro angeklagt und muss im richterlichen Vergleich 150.-€ zahlen: Trotz „Security“ waren fünf Jugendliche unter 18 Jahren noch nach Mitternacht auf einer Disco und fielen bei Jugendamts-Kontrollen auf!

>Personal in Ämtern und Behörden darf zunehmend keine Auskunft geben und keine freie Meinung haben. >Fotografiert man Kindergartenkinder, riskiert man eine Anklage.

>In Otzweiler wurde die Jugendgruppe „Eckstübbche“ mit einer beispiellosen Akribie und Härte „gefilzt“- Eltern waren kreidebleich und sprachen von „Apparatschik´s“, und wegen des forschen Auftretens von „systemunrelevanter Härte und Erbärmlichkeit für einen freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat“. Stuttgart 21 in Otzweiler?

>Mitte Februar 2011 werden (-beispielsweise-) Otzweilerer angezeigt, weil sie als Selbstwerber Holz aus dem Wald holten und die Straße verschmutzten…Nur Beispiele vom Tag.

Alles nur dumm gelaufen? Ich möchte keinesfalls dem unmoralischen Impetus das Wort reden. Trotzdem: Schutzengel gibt es längst nicht mehr. Wkw, facebook und twitter haben die Buschtrommeln verstummen lassen. Bei grenzenloser „Weltoffenheit“ ist der zwischenmenschliche Grat schmäler geworden, eingeengter, ist bürokratischer geworden, egoistischer und ehrenamtsfeindlich, und kennt keinen Dank und keine Moral, keine Toleranz.

>Auf der Becherbacher Kerb wurde samstags früh um 4.30 Uhr ein Autofahrer mit 0,9 Promille erwischt und musste den Führerschein abgeben.

Jetzt schwelge ich in Erinnerungen: Wo war dem Becherbacher sein Schutzengelchen? Sind 0,9 Promille morgens um halb 5 im eigenen Dorf auf der Kerb viel zuviel? Fettgedruckt im Polizeibericht in allen Tageszeitungen! Schon der Versuch ist strafbar, und Nichtwissen schützt vor Strafe nicht!  Wie hat sich die Welt verändert, morgens um halb Fünf in Deutschland. Da schliefen früher die Polizisten noch. Ich denke gut 35 Jahre zurück, als wir damals (unsere Jugendclique und ich) selbst tagsüber noch mehr als zwei Promille intus hatten, weil wir nachts durchzechten und zockten. In kleinsten Orten existierten und saßen drei Kneipen voller Menschen, Nachbarschaftshilfe zählte und wurde groß geschrieben, und das gesprochene Wort und der Handschlag zählten. Ja, - zu allen Zeiten gab es Gut und Böse, Arm und Reich. Aber noch nie gab es solche Profitgier und Ausbeutung, oder per Ordre de Mufti verordnete, und durch Lobbyisten zementierte Klientelpolitik. Ich habe an meine Jugendzeit und meinen Schutzengel ausschließlich positive Erinnerungen. Als ich 1980 mit einem 100 Audi (KH-VJ 100) in Darmstadt Ecke Heinrichstrasse /Karlsstrasse als Linksabbieger zwar bei grüner Ampel, jedoch den Vorfahrtsberechtigten VW K 70 auf ganzer Länge aufschlitzte und rasierte, sprang aus diesem gleich eine komplette E-Jugend-Mannschaft samt Schiri heraus und türmte in alle Himmelsrichtungen auf und davon….Jeder von denen hatte einen Schutzengel, ich auch. Ich hatte gleich zwei Straßenbahnen lahmgelegt. Als erstes war ein BMW-Polizeimotorrad da, dann kam ein grünweißer VW-Käfer, dann ein Mercedes 190 D (Funkstreifen-Peterwagen), und dann noch die Grüne Minna, ein vergitterter VW-Bus. Mich als verursachenden Fahrer musste man suchen, weil ich auf der anderen Straßenseite Panorama-Aufnahmen machte und wegen des Verkehrs nicht über die fünfspurige Kreuzung kam! Ein „dicker“ Polizist kam ganz nahe auf mich zu, musterte mich von oben bis unten, und meinte in Darmstädter Martinshöhen-Platt: „Am bescht sogscht jetzt gor nix, Bu`. Ich riech olles!“ Im Bus brauchte ich nur meine Schuld anerkennen und machte mich (ohne Sanktionen) ganz schnell vom Acker. Aber trotzdem: Das hat mich über 40 Jahre bis heute mehr geprägt, als die größte Geldstrafe! Da hielt ein charismatischer „SchuPo“ mit seiner ganzen Leibesfülle und inneren Gelassenheit den Zeigefinger hoch und zeigte irgendwie menschliches Fingerspitzengefühl. „Früher“ war alles besser  - da gab es an jeder Ecke Schutzengel, ist meine Meinung und feste Überzeugung. Da waren „Chefs“ Vorbilder und Kumpels gleichzeitig, und verdienten dieses Attribut als sich kümmernde und sorgende Arbeitgeber, die auf dem kleinen Dienstweg zinslos einen Kredit gewährten, und die trotz einem zugedrückten Auge „up to date“ und hellwach waren. Diese Schutzengel vermisse ich heute am meisten!


Mein Schutzengel

Straße in Otzweiler