Lions-Club Kirn hat Herz für Bundeswehrkindern in Not! Lange wurden Soldaten mit PTBS allein im Stich gelassen - 380.000 leisten in 16 Krisengebieten "Hilfe"

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Fotos UNTEN- Textende. Kirn. Die vor 100 Jahren gegründete internationale Vereinigung der Lions Clubs ist mit 1.379.000 Mitgliedern in 206 Ländern unter ihrem Motto „We Serve“ (Wir dienen) die weltweit größte, nichtstaatliche Hilfsorganisation. In Deutschland sind knapp 50.000 Mitglieder registriert; - der Lions-Club Kirn-Mittlere Nahe zählt 37 Mitglieder und wurde 1976 gegründet. Zu Jahresbeginn freuten sich hiesige Tafeln über stolze 22.810 Euro. Bei einer gemeinsamen „Zone-Activity“ Sammlung Hunsrück-Nahe im Distrikt 111-MS II/2 unter Kirner Federführung wurden 6.250 Euro der Aktion „Hilfe für Bundeswehrkinder in Not“ gespendet. Jeweils 1.000 Euro kamen von den Lions aus Idar-Oberstein, Birkenfeld, Simmern und aus der Rheingoldstraße in Oberwesel, und 2.250 Euro vom Lions Club Kirn-Mittlere Nahe.

Die „Hilfe für Bundeswehrkinder in Not“ ist aus organisatorischen, steuer- und netzwerktechnischen Gründen bei der Soonwaldstiftung angesiedelt. Neben Oberst a.D. Jürgen Reinhard sind aktuell der ehemalige Meddersheimer Oberst a.D. und Ex-Pferdsfeld-Kommodore (1985-90) Hans-Peter Koch, Peter Öhler (Oberstabsfeldwebel a.D.) und Horst Halbig (Stabsfeldwebel a.D.) Repräsentanten des Netzwerkes.

Die ganz starke Bad Sobernheimer Gemeinschaft der „Ehemaligen“ hätte stets für Kinder gespendet – beim 60.ten Standort-Jubiläum 2011 und 14 Jahre nach dem Fly-Out 1997 von Pferdfeld nach Laage bei Rostock wurde die Frage gestellt: „Für wen und was, und wohin fließt unsere Spende?“, erläuterte der Monzinger Jürgen Reinhard im Clublokal auf der Kyrburg im „Castle In“ den Lions Mitgliedern plausibel. Seit 2011 werde der „gravierenden Lücke in unserem Sozialstaat begegnet und aktiv `Hilfe für Bundeswehrkinder in Not` geleistet. Wir haben uns geschworen, Not leidenden Kindern von getöteten, verwundeten oder traumatisierten Soldaten zu helfen“, rief Reinhard aus.

Die Situation habe sich gebessert, aber: Hilfe sei bitter nötig, wenn Soldaten nach Einsätzen in Bosnien und Serbien, Mali, oder von der „Landesverteidigung am afghanischen Hindukusch“ mit posttraumatischen Belastungsstörungen („PTBS“) heimkehrten und im Stich gelassen werden. So drastisch drückte es Jürgen Reinhard aus. Seit 1992 leistet die Bundeswehr im Rahmen von SFOR, ISAF, EUFOR oder allen möglichen Auslands- und Anti IS-Einsätzen in 16 Krisengebieten mit bis heute 380.000 eingesetzten Soldaten Hilfe.

108 Bundeswehrsoldaten wurden getötet, davon 56 in Afghanistan. 37 fielen durch Feindeinwirkung, und 71 kamen durch andere Umstände, zuletzt zwei Piloten durch einen Hubschrauberabsturz in Mali, ums Leben. Allein 2004 gab es über 7.200 Verwundete, aktuelle Zahlen werden geheim gehalten. „Die ISAF-Einsätze allein kosteten den Militär-Haushalt knapp neun Milliarden Euro. Viel Geld.“, sinnierte Reinhard – zwei bis drei Prozent der Soldaten leiden akut unter dem PTBS-Syndrom. Misstrauen und Wut, Trauer, Angst und Schlaflosigkeit, Isolation, Verfolgungswahn und höhere Suchtgefahr, aber auch Traumas oder Erinnerungen („Flashbacks“) bilden in mehrfacher Hinsicht die Spitze eines Eisbergs: Erstens, weil die Symptome vielfacher Natur sind, außerdem outen sich Betroffene nicht, leben anonym. Vier Suizide sind bekannt, 89 Prozent all dieser Ehen werden geschieden.

Jürgen Reinhard war Regimentskommandeur des Luftwaffenversorgungsregiments 4 im badischen Mosbach und leitete die gesamte Luftwaffenlogistik im Süden Deutschlands mit insgesamt 3.200 Aktiven und 3.500 Reservisten – insofern ist er involviert und „Fallmanager“.

Er informierte die Lions-Mitglieder über Hilfe der Soonwaldstiftung und darüber hinaus über die nationale Netzwerke („Eisblume“, „Aktion Mensch“, „Härtefallstiftung“ und dem Bund deutscher Einsatzveteranen, BDV und SVS) sowie über die Struktur, Problematik und die Gesetzeslage sowie den langen und zermürbenden Kampf der Anerkennung. Denn: Erst zwölf Jahre nach den ersten Auslandseinsätzen 1992 wurde im Dezember 2004 ein erstes Einsatzversorgungsgesetz erlassen, das eine gesundheitliche Schädigung eines „Einsatzunfalls“ anerkennt. Am 18. Dezember 2007 trat ein Einsatz-Weiterverwendungsgesetz in Kraft, das Betroffenen eine Schutzzeit von bis zu acht Jahren garantiert und an dessen beiden Neufassungen im September 2012 und am 5. April 2017 waren Reinhard, ehemalige Geschwaderangehörige und der Bund deutscher Einsatzveteranen als Partner im „Netzwerk der Hilfe“ maßgeblich beteiligt.

Anhand von zwei Beispielen (regional und national) erläutert der Oberst a.D. das soziale Aus und den familiären Niedergang PTBS-Betroffener. Ein fleißiger Familienvater mit Bilderbuchkariere aus der Region mit vier Kindern baute sich ein Eigenheim und absolvierte zwecks Finanzierung Auslandseinsätze. Alle guten Tugenden kehrten sich ins Gegenteil mit 420.000 Euro Schulden – eine Abfindung von 150.000 Euro war ein Tropfen auf einen heißen Stein. Anwälte, die Soonwaldstiftung und die Bürkle-Stiftung sind involviert und helfen bis heute ebenfalls.

„Aus dem Sumpf ins Leben zurückgeholt“ wurde eine völlig verwahrloste Familie, eine Frau mit einem 12-jährigen Sohn mit epileptischen Anfällen in Berlin, dessen Mann unauffindbar ist. Dank einer bundesweiten Welle der Hilfsbereitschaft sind Mutter und Kind auf dem besten Weg in ein normales Leben.

>>> Bei den dreitägigen Kirner Weihnachtstagen und dem Andreasmarkt ist der Lions-Club Mittlere Nahe wieder mit von der Partie mit Glühwein aus Monzinger Weißweinen und herzhaften Flammkuchen, die am Platze zubereitet werden; - darauf legt der amtierende Abtweiler Lions-Präsident Peter Landfried, Selbstvermarkter, Fleischer-und Landwirtschaftsmeister, größten Wert.

>>>Am 24. Februar 2018 gibt es ein Benefizkonzert der Lions im Kirner Gesellschaftshaus mit SUNA-  „So und nicht anders“.

>>>Spenden-Konto der Lions Kirn-Mittlere Nahe: Sparkasse Rhein-Nahe, IBAN: DE:81560501800002000644. -- BIC: MALADEDE51KRE

IM DETAIL: „Hilfe für Bundeswehrkinder in Not“: Mit dem Kranich im Eisernen Kreuz als Symbol wird dokumentiert, dass Ehemalige des JABOG 35 und in der Folge das Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“  mit der Kameradschaft Ehemaliger, Reservisten und Hinterbliebene („KERH“) Bad Sobernheim im Deutschen Bundeswehrverband diese Aktion im April 2012 gegründet haben. Die Soonwaldstiftung „Hilfe für Kinder in Not“ gilt als Mutterstiftung. Im Gegensatz zu dieser regional tätigen Stiftung hilft die KEHR deutschlandweit.

Konto Nummer: Stichwort „Bw-Kinder in Not“ bei der Sparkasse Rhein Nahe. IBAN: DE54 560501800010150100  --BIC: MALADEDE51KRE


Peter Landfried /Jürgen Reinhard

Die Geschwaderangehörigen

Lions 2018

Castle In -Kirn/Kyrburg