Windräder auf "Katzenkopf" in Becherbach? Otzweiler & Heimweiler out

Kategorie: Otzweiler, Becherbach, Lokale News an Nahe und Glan

 

Vor fünf Jahren herrschte strenger "Gegenwind" gegen die Windräder- Nun ist "Katzenkopf" in Becherbach Favorit

Magere 8,1 Prozent im Landkreis Bad Kreuznach- so lautet die Bilanz und der Anteil der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch und liegt damit im Jahre 2007 unter zehn Prozent. Im Vergleich mit anderen Landkreisen wie Alzey-Worms (23,9 Prozent) oder Birkenfeld (32,3 Prozent) besteht Nachholbedarf. Den hat auch die Jamaika-Koalition (CDU, Grüne, FDP) im Kreistag erkannt und bereits 2010 einen energiepolitischen Beschluss gefasst. Die Meinungen gehen stark auseinander; die Realität ist viel komplizierter. Simmertal wollte Windenergieanlagen („WEA“) und bekam keine. In Odernheim ist ein heftig und öffentlich erbittert geführter Streit zwischen „Ob“ Achim Schick und VG-Bürgermeister Rolf Kehl (beide CDU) entbrannt. Windräder sind privilegierte Bauvorhaben. Viele Gemeinderäte lehnen die Ausweisung von Flächen für Photovoltaikanlagen ab, die Soonwald Initiative will Windräder auf dem Soonwaldrücken verhindern, spricht von einem Planungschaos bei WEA. Richtig interessant wird’s, wenn ums Geld geht und nicht mehr um die Erneuerbaren Energien. Bis vor zwei Jahren sei die Steuerung bei den Windrädern eher restriktiv gewesen, heute finanzieren und sanieren Gemeinden ihre Haushalte. Der richtige Ansatz war seit jeher, die Anlagen zu konzentrieren um nicht die ganze Landschaft zu „verspargeln“. Im November 2010 hat die Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe, die für Aufstellen und Fortschreibung der regionalen Raumordnungspläne zuständig ist, bereits einen neuen Regionalplan Rheinhessen-Nahe - Teilplan Windenergienutzung - beschlossen. Dort sind Vorranggebiete für die Nutzung von Windenergie ausgewiesen, eine Errichtung von Anlagen damit nur in diesen Bereichen möglich. Im Landkreis Kreuznach gibt es Vorranggebiete in Bad Kreuznach Bosenheim/ Hackenheim/ Volxheim (56 ha), Fürfeld/ Hochstätten (148 ha), Guldental/ Langenlonsheim (118 ha), Daxweiler /Weiler bei Bingen (140 ha), Seibersbach (70 ha), Seibersbach/ Dörrebach (109 ha), Bad Sobernheim (Pferdsfeld) (376 ha), Callbach/ Lettweiler/Rehborn (195 ha) und Bärweiler/ Lauschied/ Hunsbach/ Jeckenbach (152 ha). Die Pferdsfeld-Anrainergemeinden Ippenschied, Rehbach und Daubach wehren sich.

Im Entwurf der Planungsgemeinschaft ist in der VG Kirn-Land nur noch eine Vorrangfläche für Windkraftanlagen ausgewiesen - 127 Hektar „Auf Katzkopf“ in Becherbach, davon 32 Hektar auf Gemarkung der Gemeinde Schmidthachenbach. Bisher zählte in Otzweiler das Areal „Am Teufelshügel“ dazu. Diese ist nicht mehr erwähnt und wurde nun dem Vogelflug „gewidmet“. In dieser Frage wird „nichts hinter verschlossenen Türen beschlossen“, erklärt Werner Müller, VG-Bürgermeister in Kirn-Land öffentlich. Die neue Vorrangfläche liegt nur zum Teil auf kommunalem Boden. Die 127 Hektar liegen auf dem Höhenrücken der Becherbach- Reidenbacher Gründe zwischen den Gemeinden Becherbach, Otzweiler, Oberreidenbach und Schmidthachenbach. Dieses Terrain erfülle die gesetzlichen Vorgaben, da das offene, kaum zerschnittene Gelände rund um den Becherbacher „Katzkopf“ keine schützenswerte Gebiete ausweise und öffentliche Straßen nicht durch das geplante Vorranggebiet führen. Allerdings werden die Fläche, meist Wiesen und Äcker, von einigen bewaldeten Abschnitten berührt und einem Wirtschaftsweg durchschnitten. Deswegen ist es auch als mögliches Naherholungsgebiet eingestuft. Die Untersuchungen des Landesamts für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht haben zwar „eine Verdichtungszone des Vogelzugs nördlich von Otzweiler“ festgestellt, dieser tangiere allerdings nur das Südende des ausgeweiteten Vorrangbereichs. Bei einer Abwägung seien die Konflikte daher „noch akzeptabel“. Der betreffende Höhenzug am Becherbacher „Katzkopf“ wird als nicht besonders exponiert und eher von geringem Nutzen eingeschätzt, von den Kuppen des umgebenden Berg- und Hügellandes ist er jedoch gut einzusehen. Die nächstgelegenen Dörfer, Becherbach, Otzweiler und Schmidthachenbach sind jedenfalls weit genug entfernt, dort WEA zu etablieren. Im Januar und Februar wollen die Ortsbürgermeister Frank Schätzel (Becherbach) und Jörg Schreiner in Schmidthachenbach  Bürgerversammlungen einberufen. Eilig haben sie es dabei nicht, und dennoch: WEA sind privilegierte Bauvorhaben.

Zu den Fotos: Die zweite Fotomontage zeigt Otzweiler vom "Sauerwald" aus mit Blick Richtung Sienhachenbach/ Richtung "Teufelshügel" mit drei Windrädern. 2006 machte die Bürgerinitiative "Gegenwind" in Heimweiler, Otzweiler und Becherbach mobil. Gemeinden wie Lauschied (Bilder vor Ort und von Hundsbach aus) sind froh über die Einnahmen!


BI- Gegenwind gegen WEA

Otzweiler Fotomontage

Bürger informierten sich

Ortsausgang Hundsbach

Lauschied