Ambulanter Hospizdienst an der Nahe ausgebaut - NEU in Bad Sobernheim

Kategorie: Bad Sobernheim, Lifestyle, Lokale News an Nahe und Glan

 

LEBEN BRAUCHT LIEBE - STERBEN AUCH: Seit Aschermittwoch wird in der Felkestadt ambulanter Hospizdienst angeboten: Seit 2010 in Kirn, und seit 1992 in Bad Kreuznach - "LEBEN IN WÜRDE BIS ZULETZT" ist alleine nicht zu leisten!

Bad Sobernheim. Mit einer Feierstunde wurde an Aschermittwoch in den Räumen der Ökumenischen Sozialstation nahe gGmbH in der Großstraße 68 die ambulante Hospizsprechstunde in der Felkestadt eingeweiht, Hausherr Stefan Hasslinger hieß vor vollbesetzten Reihen den Hospizdienst herzlich willkommen. „Christlicher Hospizdienst an der Nahe hat ein bestimmtes Profil“, untermauerte der Geschäftsführer der Kirchlichen Altenpflege an Nahe und Glan, Pfarrer Baldur Stiehl. Seinen Kollegen des Caritasverbandes, Geschäftsführer Gerhard Lenzen, entschuldigte er wegen eines Trauerfalls; - die beiden Institutionen sind Träger des christlich ambulanten Hospizdienstes an der Nahe. Baldur Stiehl zitierte Worte des Propheten Joel aus dem Alten Testament. Buße und Umkehr hätten früher feste Orte und feste Zeiten gehabt. Menschen gingen an Aschermittwoch in die Kirche, hörten die Bußtexte der Propheten und erhielten das Aschekreuz. Fastenzeit setze Einkehr und Umkehr voraus. Fasten hieß, eine größere Lebensdichte und Intensität zu erfahren. Stille, Ruhe und Rast, um die Landkarte des eigenen Lebens zu erfahren. Wo komme ich her? Wo will ich hin? Was ist meine Bestimmung? Und was ist eine Hospizsprechstunde? „Es ist eine glückliche Fügung, dass wir heute am Aschermittwoch diesen Dienst in Bad Sobernheim aufnehmen. Gott segne die Arbeit“, sagte Stiehl. Der Präsident des Lions-Clubs Mittlere Nahe, Dr. Fritz Conrad aus Oberhambach, nannte die technischen Entwicklungen, Bildgebenden Diagnosen und Fortschritte des Internets mit seiner medialen Informationsflut „Quantensprünge“. Es gebe keine Tabus mehr. Das Thema Sterben und der Tod, den letzten Lebensabschnitt in häusliche Umgebung gehen zu können, werden ausgespart. „In einem Krankenzimmer zu sterben, ist ein Stück soziale Ausgrenzung. Was wir in Kirn begonnen haben, findet hier seine Fortsetzung“, rief Conrad aus. In Kirn habe Gerhard Held mit seiner Initialzündung dem ambulanten Hospizdienst sozusagen als Pate und Förderer den Weg geebnet, in Bad Sobernheim hätten diese Vorbildfunktion Paul und Rosemarie Jores übernommen. Allen Clubmitgliedern sei es eine Herzensangelegenheit, der Präsident übergab eine Anzahlung von insgesamt 3000 Euro. Leiterin Ingelore Mades dankte und war überglücklich, sie verteilte symbolisch Samenkerne und Früchte gleichzeitig. Leben und Sterben, Säen und Ernten gehörten untrennbar zusammen. Fritz Rudolf Körper (SPD) hob die Bedeutung und den Wandel der Hospizbewegung hervor: Noch 1978 habe die Bitte des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, Hospizen einzurichten, 92 Prozent der Befragten abgelehnt. Heute gebe es immerhin 1450 ambulante, 158 stationäre Einrichtungen und 156 Palliativ-Stationen. Bettina Dickes (CDU) zollte ebenso wie Martin Mann (FDP) der „sehr wichtigen und wertvollen Arbeit höchste Anerkennung und Respekt“. Stadtbürgermeister Michael Greiner dankte dem Lions-Club und sagte namens der Stadt seine Unterstützung zu. Alle in der Verwandtschaft und im Freundeskreis kämen zur Begrüßung eines neuen Erdenbürgers. „Wie aber ist es, wenn das letzte und schwere irdische Stück des Weges gegangen werden muss?“, hieß Michael Greiner den Hospizdienst in der Felkestadt herzlich willkommen.

2012 feiert der Hospizdienst in der Kreisstadt 20 Jähriges: „Leben braucht Liebe, Sterben auch!“: Es menschelte, als Jetty Bohn vom Ambulanten Pflegeteam ehrenamtliche Helfer namentlich ansprach und an ihre Palliativausbildung erinnerte, die einst Schwester Margaretha im Sinne von Glaube, Hoffnung und Liebe aufbaute und den Hospizdienst auf  ganz starkem Fundament verankerte. 2012 feiert der Hospizdienst in Bad Kreuznach 20.Geburtstag. Das Hospizteam bestehe aus ausgebildeten Fachkräften. Jetty Bohn überreichte Therapiepuppe „Sophie“. Als Betroffene dankte Margarete Schmidt aus Meddersheim: Sie habe selbst vor 14 Jahren ihre Mama in häuslicher Umgebung in den Tod begleitet: „24 Stunden geht über alle Kräfte“, lobte sie wohltuenden Beistand der christlich-ambulanten Hospiz mit ihrem charmant-schwäbischen Akzent: Nun habe die Mutter dreier Kinder selbst Hilfe nötig.

ZITAT: „In so einem Falle gibt es nix besseres, und dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken!“, sagte Margarete Schmidt als Betroffene unter lauten Beifall und herzte Hospizfachkraft und Leiterin Ingelore Mades.


Jetty Bohn, Ingelore Mades und Margarete Schmidt

Paul Jores (mitte)

Ingelore Mades und Dr. Fritz Conrad