70 Jahre nach dem Krieg: 72 Bomben auf Hundsbach - Zeitzeugen sterben aus

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Fotos unten: Hundsbach. Vor 70 Jahren wurde Hundsbach in drei Angriffswellen bombardiert. Am Jahrestag, am Valentinstag, 14. Februar um 19 Uhr, fand taggenau 70 Jahre später nach der Bombardierung ein Gedenkgottesdienst in der evangelischen Kirche statt, der an das schreckliche Geschehen erinnert.

Zeitzeuge Hans Philippi, damals 15-jähriger Wagner-Lehrling erinnert sich an zwei Angriffe, mittwochs am 14. Februar, morgens gegen 10.30 Uhr und nachmittags kurz nach 14 Uhr. Zwei Tage später, freitags am 16. Februar 1945 flog die im französischen Saint Dizier zwischen Metz und Paris stationierte 394. Kampfgruppe in Lockheed P-38 Kampfflugzeugen auf die Hundsbacher Funk- und Flakstation und  Kommunikationsaufklärungsschule erneut Angriffe. Fest steht, dass 12 Maschinen mit jeweils zwei Bomben bestückt bei drei Angriffen 72 Bomben abwarfen. Glücklicherweise viele außerhalb des Ortes. Dies belegen unserer Zeitung vorliegende Unterlagen aus dem US Air-Force Pentagon aus der Forschungsabteilung.

Anders als beim ersten Überraschungs-Angriff, als die Flugzeuge mit 1000 Pfund Bomben noch mit 10 Sekunden Verzögerungszündern beladen wurden, waren bei den weiteren Einsätzen in Hundsbach sofort explodierende Aufschlagszünder an den Bomben montiert, die Piloten flogen aus südwestlicher Richtung, Welschrötherhof, K 70, den Ort übers Kreuz an und verwendeten die konventionelle Sturzflugtaktik.

Jan Hey wohnt seit 2011 mit seiner Frau Dominique auf dem Kreuz 2, er pflegt die Homepage www.hundsbach-rlp.de und stellte Nachforschungen an. Sein Haus wurde wie 20 andere bis auf den Gewölbekeller dem Erdboden gleich gemacht und später wieder aufgebaut, auch Kirche und Pfarrhaus traf es.

In einer Depesche aus dem US-Pentagon heißt es dazu: „Fotos von der Luftaufklärung nach der Bombardierung machten deutlich, dass die Spionageschule, die Funkstation, sowie weitere 39 Gebäude ausgebombt wurden. 75 Prozent von Hundsbach waren zerstört oder in Mitleidenschaft gezogen. Es gab keine Anzeichen von weiteren Aktivitäten im Ort – Hundsbach gleicht einer Geisterstadt“. Captain (Hauptmann) Brennan führte diesen Einsatz, auch er berichtete: „Alle Objekte zerstört“.

Aus den vorliegenden Aufzeichnungen „The Dynamite Gang“ von Richard Groh geht klar hervor, dass Hundsbach anfangs ursprünglich bei einer ersten Angriffswelle verschont blieb, denn: „…dreizehn weitere 1000 Pfünder und sechs Fässer mit Napalm verwandelten das Abwurfgebiet in ein Meer der Flammen. Unglücklicherweise war es der falsche Ort. Die Wolken bedeckten das vorgesehene Ziel Hundsbach, die Ladung der 394. Staffel gingen sechs Meilen östlich nieder“.

Erste Tote und Verschüttete war beim ersten Angriff die 13-jährige Lydia Venter – auch Hans Philippi war zwei Mal verschüttet und hat in der Familie Opfer zu beklagen. „Nicht Brände, sondern die Trümmer waren schlimm“, sagt er. Die Opfer wurden eingesargt und nebeneinander, quasi in einem Massengrab, auf dem Hundsbacher Friedhof beigesetzt. Noch im Mai 1945 fand man im Ort unter Trümmern eine Leiche. Heute erinnern ein Findling und eine Tafel an die Opfer. Insgesamt waren bei den dreitägigen Bombenangriffen 16 Tote, darunter ein auf dem Becherbacher Friedhof beerdigter Pole und ein Franzose zu beklagen, der noch ins Krankenhaus kam und dort starb.

Und warum Hundsbach? Im Dorf waren etwa 50 französische Staatsbürger in deutscher Uniform einquartiert. Eine Spionageschule, die für Deutsche spionierten, aber „nicht wasserdicht waren“, denkt Hans Philippi heute. Knapp 14 Tage nachdem sie den Ort verließen, folgte das Bombardement auf etwa zehn Geschützstände und Mannschaftsunterkünfte einer mobilen Funkstation.

Im Ort brachen Panik, Trauer und Verzweiflung aus, die Menschen flüchteten und richteten sich häuslich in den Wäldern ein oder zogen zu Verwandte in umliegende Orte. „Die Generation Zeitzeugen stirbt aus – öffentliche Zeugnisse sind rar. Es wird bestimmt die letzte Gedenkveranstaltung sein. Vergessen darf man aber so etwas aber niemals“, sinniert der 85-jährige Stellmacher Hans Philippi.

Unter dem Luftbild stand: „Hundsbach nach dem 3-Tage-Einsatz. Die markierten Gebäude sind komplett zerstört. Dreiviertel der verbleibenden Konstruktionen sind beschädigt. Die 394.te verwandelte dieses wichtige militärische Ziel in eine Streuselkuchen-artige Geisterstadt. Foto: US Air-Force, Pentagon.


Auf dem Kreuz 2

Luftaufnahme

Gedenkstätte